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Kommentare zu:
Paragraf 175: Rheinland-Pfalz dokumentiert seine Schuld


#1 SebiAnonym
  • 24.01.2017, 09:13h
  • Und wann kommt endlich die versprochene Rehabilitierung aller §175-Opfer und deren Entschädigung?

    Oder redet die SPD wieder mal nur davon und gaukelt Geschäftigkeit vor, ohne das wirklich umzusetzen, so dass sie dann im Herbst vor der Bundestagswahl so tun kann, als wäre nur die Zeit zu kurz geworden und man müsse sie wählen, um das zu Ende zu führen. Dann kann ich denen jetzt schon sagen, dass diese Strategie durchschaut werden wird.
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#2 Julian SAnonym
  • 24.01.2017, 10:06h
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Ich fürchte, dass Du damit richtig liegst:

    Die SPD hatte ja schon vor der letzten Bundestagswahl die Rehabilitierung und Entschädigung versprochen und dann erstmal 3 Jahre lang gar nichts gemacht. Und jetzt ein knappes Jahr vor der Wahl tun sie auf einmal ganz bemüht.

    Aber sie werden wohl genau wissen, dass das nicht kommen wird und machen jetzt diese ganze Folklore nur, um dann im Wahlkampf sagen zu können "Leider hat es zeitlich ganz knapp nicht mehr funktioniert. Wenn wir das zu Ende machen sollen, wählt uns." Und dann wird es nach der Wahl weitergehen, wie bisher: Vertröstungen, Aussitzen, etc.

    Aber wir durchschauen diese plumpe Taktik.
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#3 schwarzerkaterEhemaliges Profil
  • 24.01.2017, 10:33h
  • "Insgesamt wurden in Rheinland-Pfalz zwischen 1948 (...) 1969 2.880 Männer und Jugendliche nach den Paragrafen 175 (...)."
    Das sind im Schnitt 140 Männer pro Jahr!

    "Von 1953 bis 1968 ermittelte die Polizei gegen 5.939 Tatverdächtigte."
    Hier handelt es sich um ca. 400 Männer pro Jahr, also weit mehr als ein Mann pro Tag.

    Da kann man sich gut vorstellen, unter welchem Druck die Männer von damals gestanden haben und wieviel Angst unter ihnen geherrscht haben muss.
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#4 Carsten ACAnonym
  • 24.01.2017, 11:35h
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Und selbst wenn irgendwann die Rehabilitierung kommen sollte, so ist die von der SPD geplante Entschädigung natürlich ein Witz. Das ist gerade mal 10% dessen, was unschuldig inhaftierte Heteros bekommen.

    Angesichts dessen, dass die Opfer des §175 durch diese Stigmatisierung nicht nur oft Familie und Freunde verloren haben, sondern auch später im Leben nie mehr einen guten Job gefunden haben und sich oft mit Hilfstätigkeiten oder Sozialhilfe über Wasser halten mussten (und dadurch auch als Rentner in extrem schweren Verhältnissen leben) ist das ein weiterer Schlag in deren Gesicht.

    Diese Mini-Entschädigung spuckt denen nochmal ins Gesicht und zeigt ihnen sogar noch in der Rehabilitierung, dass sie immer noch Menschen 2. Klasse sind.

    Die Regierung weiß halt genau, in welch prekären Verhältnissen die Opfer des §175 leben und dass die auf jeden Cent angewiesen sind und deshalb auch so eine unverschämt niedrige Entschädigung annehmen, weil sie es dringend brauchen und nicht noch länger warten können.
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#5 BeispielAnonym
  • 24.01.2017, 11:54h
  • Antwort auf #4 von Carsten AC
  • Ja, ich kann nicht oft genug das Beispiel meines Nachbarn nennen, der durch seine Verurteilung nach §175 alles verloren hat, nie mehr einen Job gefunden hat und auch heute als Rentner an der Armutsgrenze leben muss.

    Der deutsche Staat hat dem sein Leben komplett verpfuscht. Und wenn es nach Jahrzehnten endlich Rehabilitierung und Entschädigung geben soll, wird er mit einem Almosen abgespeist.

    Obwohl der früher ein großer Kino-Fan war, hat der heute nicht mal genug Geld für eine Kino-Karte. Und als ich ihn mal ins Kino eingeladen habe, hat er geweint vor Glück, weil er schon dachte, er käme nie mehr in ein Kino. Das hat er so sehr genossen und den Nachspann bis zur letzten Sekunde angesehen.

    Es hat mir das Herz zerrissen. Und es macht mich wütend, wie kalt und herzlos der deutsche Staat damit umgeht und wie billig sich der Staat von seiner Schuld freikaufen will.
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#6 Patroklos
#7 JohannbAnonym
  • 24.01.2017, 12:25h
  • Diese Zahlen sollten auch Hereros aufschrecken: dieser Paragraph hat wohl mehr als 3000 solcher in die 'Beweislast' gebracht! So trifft meiner Meinung nach jede Homophobie auch Heteros! Liebe Politiker: der Abbau der Ungleichbehandlung von Homosexuellen nutzt also auch euren heterosexuellen Wählern!!!
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#8 JustusAnonym
  • 24.01.2017, 12:39h
  • Antwort auf #7 von Johannb
  • JEDE Diskriminierung einer Minderheit betrifft auch die anderen. Denn sie ist Ausdruck dafür, dass eine Gesellschaft nicht wirklich frei ist. Und das betrifft dann auch die anderen.

    Ich bin z.B. weiß, will aber dennoch nicht in einer Gesellschaft leben, wo Schwarze oder Asiaten diskriminiert werden.

    Im übrigen ist jeder Mensch Mitglied irgendeiner Minderheit. Und wenn andere Minderheiten diskriminiert werden, könnte es ja auch mal die eigene Minderheit treffen.

    Das einzige, wo man keinerlei Toleranz zeigen sollte, ist bei Hass. Den muss man bekämpfen - auch wenn er aus einer Minderheit kommt.
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#9 Patroklos
#10 JustusAnonym
  • 24.01.2017, 12:45h
  • Antwort auf #4 von Carsten AC
  • Genau deshalb empfehle ich auch allen Betroffenen, dass sie nach der Rehabilitierung die Mini-Entschädigung erst mal annehmen, aber nur als kleine Wiedergutmachung für körperliche und seelische Schäden ansehen (selbst dafür ist sie eigentlich viel zu gering).

    Aber danach sollten die alle auch noch auf Erstattung ihrer jahrzehntelangen Verdienst- und (damit verbunden) Rentenausfälle klagen. Also das die Differenz zu den Beträgen gezahlt wird, die sie ansonsten üblicherweise in ihrem eigentlichen Beruf erhalten hätten und den daraus resultierenden Rentenansprüchen. Natürlich mit Zinsen und Zinseszinsen.

    Ich kann nicht garantieren, dass solche Klagen Erfolg haben, aber es kommt auf jeden Fall auf den Versuch an. Und es wäre auch ein Zeichen, dass man sich nicht so leicht mit Almosen abspeisen lässt und sich zumindest dagegen wehrt.

    Das gebietet auch schon die Selbstachtung, so eine neuerliche Herabwürdigung nicht unwidersprochen hinzunehmen, sondern sich gegen diese unverschämte Ungerechtigkeit zu wehren.
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#11 RobinAnonym
  • 24.01.2017, 13:14h
  • >>> Fast 3.000 Verurteilungen zwischen 1948 und 1969 <<<

    Und da kommen dann nochmal die ganzen Verurteilten zwischen 1969 und 1994 dazu, denn auch wenn in dieser Zeit nur noch eine abgemilderte (aber nicht minder diskriminierende) Fassung des §175 galt, so gab es auch da noch genug Verurteilungen.

    Z.B. wenn ein 18-jähriger mit seinem 17-jährigen Partner Sex hatte. Bevor der eine 18 wurde, war es OK und dann plötzlich eine Straftat.

    Übrigens:
    auch Heiko Maas (SPD) hat ja versprochen, ALLE Opfer (bis einschl. 1994) zu rehabilitieren und entschädigen. Mal sehen, was von diesem Versprechen übrig bleibt... Bzw. ob er es überhaupt einlöst oder das nur wieder mal Wahlkampf-Getöse ist.
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#12 FinnAnonym
  • 24.01.2017, 13:19h
  • ----------------------------------------
    Paragraf 175: Rheinland-Pfalz dokumentiert seine Schuld
    ----------------------------------------

    Wenn jemand an etwas Schuld hat, muss er auch dafür gerade stehen und den entstandenen Schaden wieder gutmachen.

    Aber im Land des rosa Winkels bleibt es leider allzu oft bei Gelaber, dem keine Taten folgen.

    Nicht, dass dieses Dokument nicht richtig und wichtig wäre - aber es müssen auch endlich mal Taten folgen. Oder will die Politik das aussitzen?
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#13 JadugharProfil
  • 24.01.2017, 13:56hHamburg
  • Antwort auf #3 von schwarzerkater
  • Ich bin noch ein Kind aus dieser Zeit. Das Dumme war, daß man nicht sexuell aufgeklärt wurde. Sexualität war ein Tabu! Als ahnungsloser Jugendlicher hatte ich nicht gewußt, daß gleichgeschlechtliche Liebe, die ich dür ganz normal hielt, strafbar war und so näherte ich mich in aller Öffentlichkeit, so wie jeder andere auch, denjenigen zu, die ich begehrte. Jede Annäherung hätte mir Kopf und Kragen kosten können. Erst im Nachhinein nach vielen Jahren bekomme ich einen großen Schauder, auf welch dünnen Eis ich mich da bewegt hatte. Daß so viele Jugendliche verurteilt wurden, kann ich nur aus dieser Unaufgeklärtheit erklären.
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#14 JadugharProfil
  • 24.01.2017, 14:17hHamburg
  • Antwort auf #7 von Johannb
  • Das verstehe ich nicht ganz. Keinen Hetero hat es geschadet, als homosexuelle Männer hinter Gitter gebracht wurden, außer daß man als Steuerzahler die Gefängnisinsassen für Kost und Logis finanzieren muß und daß in der Wirtschaft ein paar Männer fehlen. Das hat die Gesellschaft eh schon immer verschmerzt. Auch die die Denunzianten erlitten keine Schädigungen und die Polizisten, Richter, Kleriker und Politiker wurden für ihr Handeln auch nicht zur Rechenschaft gezogen, so wie es hätte sein sollen müssen.
    Nenne mal konkrete Beispiele, wo es einen Heterosexuellen schadet, wenn Schwule wegen ihrer Sexualität ihrer Freiheit, Würde und Existenz beraubt werden, in einen Klima, wo die Gesellschaft Schwule haßt.
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#15 GerritAnonym
  • 24.01.2017, 14:40h
  • Wann bringt Bundesjustizminister Heiko Maas endlich das versprochene Gesetz zur Abstimmung in den Bundestag?

    Oder ist das wirklich nur wieder mal so ein typisches SPD-Wahlkampfmanöver?

    Ich bin sehr dafür, dass die Betroffenen danach auch noch ihren Verdienst- und Rentenausfall (inkl. Zinsen) einklagen. Aber dafür muss es erst mal die Rehabilitierung geben.
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#16 Patroklos
#17 SebiAnonym
  • 24.01.2017, 15:49h
  • Antwort auf #16 von Patroklos
  • Interessant:
    selbst Du SPD-Fan hälst Heiko Maas schon für so unfähig, dass er schon Hilfe aus der Bevölkerung braucht.

    Aber wieso sollen Bürger die Arbeit von Heiko Maas machen? Der bekommt das fürstlich bezahlt. Wenn er unfähig ist, soll er halt zurücktreten.

    Übrigens:
    der Gesetzentwurf von Grünen und Linkspartei war in wenigen Wochen fertig. Wenn die SPD das nicht hinbekommt, kann sie ja den Gesetzentwurf nehmen, den offenbar fähigere Leute gemacht haben.
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#18 ursus
  • 24.01.2017, 18:22h
  • Antwort auf #14 von Jadughar
  • "Nenne mal konkrete Beispiele, wo es einen Heterosexuellen schadet, wenn Schwule wegen ihrer Sexualität ihrer Freiheit, Würde und Existenz beraubt werden, in einen Klima, wo die Gesellschaft Schwule haßt."

    ich nehme an, dass viele heteros mitleiden, wenn ihre schwulen freunde oder familienmitglieder eingesperrt oder gefoltert werden und/oder wohnung und arbeitsplatz verlieren. mir würde es jedenfalls das herz zerreißen, wenn so etwas einer_m freund_in von mir passieren würde. homos leben ja nicht in einem isolierten ghetto, in dem sonst niemand mitbekommt, was da passiert.

    was nur ihr eigenes leben betrifft, geht es bei den heteros weniger um konkrete nachteile, sondern darum, dass offenheit und respekt bzw. umgekehrt intoleranz und abwertungen dinge sind, die selten auf eine einzige gruppe beschränkt bleiben, sondern eine gesellschaft insgesamt prägen.

    wenn eine bestimmte gruppe von menschen wegen persönlicher merkmale abgewertet wird, dann geht das nur in einer gesellschaftlichen atmosphäre, die ein solches verhalten überhaupt okay findet. und derselbe mechanismus ist dann auch schnell auf andere merkmale übertragbar.

    in letzter zeit ist oft von der möglichkeit die rede, "ohne angst verschieden zu sein". ich weiß gar nicht, von wem diese formulierung ursprünglich stammt (bitte ergänze das jemand), aber sie trifft m.e. genau den entscheidenden punkt. wenn minderheiten das können, dann können es auch die angehörigen der mehrheiten leichter. denn jede_r ist in irgendeiner weise verschieden, und alle haben irgendeinen punkt, bei dem diese verschiedenheit angstbesetzt ist.

    man könnte also sagen: heteros haben nicht alle direkt etwas davon, wenn homos nicht diskriminiert werden. aber sie haben alle etwas davon, in einer insgesamt respektvollen und toleranten gesellschaft zu leben, in der persönliche merkmale nicht zu abwertungen oder sogar zu entrechtungen führen.
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#19 tti3_alliance
  • 24.01.2017, 19:42h
  • Wird das Land Rheinland-Pfalz sich auch der historischen NS Aufarbeitung von Menschen die den heutigen tti Bereichen und nicht-binären Menschen stellen?

    Das betrifft Menschen die damals u.a. als Transvestiten, Damenimitatoren... bezeichnet wurden und nach §175, aber nach §182, §360... verurteilt, inhaftiert und teilweise ermordert wurden u.a.a. unter Anwendung der Aktion T4.

    Bis 12-2016 waren nur 22 Namen NS Opfer für ganz Deutschland bekannt, wobei allein Berlin >tausend Menschen gelebt haben, auch aus RP.

    .

    Geschichtliche Aufarbeitung der Nachkriegszeit in beiden Teilen Deutschland gibt es bislang auch nur spärlich.

    .

    Jedes Geschlecht verdient Respekt
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#20 Patroklos
#21 Miguel53deProfil
  • 25.01.2017, 00:07hOttawa
  • Antwort auf #3 von schwarzerkater
  • Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie fuerchterlich die Erkenntnis fuer einen Jugendlichen war, wenn er sich seiner Homosexualitaet bewusst wurde.

    Der Druck war ja nicht nur oeffentlich extrem. Im Regelfall war auch die Familie eine Belastung. Oftmals eine Bedrohung.

    Ich weiß, wovon ich rede, denn ich war 22 und lebte in einer extrem katholischen Familie, als zumindest eine entscheidende Veraenderung dieses unseligen Paragraphen beschlossen wurde. Verantwortlich dafuer Innenminister Gustav Heinemann, der schon damals den Paragraphen komplett abschaffen wollte. Doch selbst der eher vorsichtige Kompromiss am Ende gelang gegen den erbitterten Widerstand von CDU/CSU natuerlich. Die Parteien, die heute immer noch behaupten, es bestünde Diskussionsbeitrag zur Herstellung einer vollen Gleichberechtigung.

    Ja, die Diskriminierung geht weiter. Das neue Lehrprogramm in Bayern spricht von Toleranz, also Ertragung und richtet sich dabei nach der Vorstellung von Homophoben, die am liebsten den 175 wieder eingesetzt haetten. Da muss man sich keinerlei Illusionen hingeben.

    Das Verhalten um diese neuen Richtlinien und diese Diskussion im Parlament sind entlarvend.
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#22 Miguel53deProfil
#23 nonameAnonym
  • 25.01.2017, 02:36h
  • nicht ein(!) einziger kommentar, der erklärt, dass er gut findet, was da in RLP stattfand. sondern nur das typisch deutsche geseiere: heul,heul, heul, heul...

    dass da viel unrecht geschah und man jetzt nicht juhu und hurra schreit, akzeptiere ich!
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#24 Patroklos
#25 JadugharProfil
  • 25.01.2017, 13:32hHamburg
  • Antwort auf #18 von ursus
  • Da fällt mir auch ein, daß durch Unrechtgesetze wie den §175 auch heterosexuelle Männer zum Opfer fielen, wenn sie verleumdet wurden. Man kann dann als Schwuler abgestempelt werden, wenn jemand einen nicht mag! Ich erinnere mich auch an das heterosexuelle Mädchen in Israel, welches bei einer CSD-Veranstaltung von einen orthodoxen religiösen Fanatiker niedergestochen wurde. Homophober Haß kann jeden treffen, direkt oder indirekt!
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#26 ursus

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