Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?28067

Wichtiges Zeichen

Model Hanne Gaby Odiele outet sich als intersexuell

Das belgische Supermodel spricht sich gegen Operationen an Kindern aus, die nicht einem Geschlecht zugeordnet werden können.


Hanne Gaby Odiele 2013 bei der New Yorker Fashion Week auf dem Laufsteg für Michael Kors (Bild: CHRISTOPHER MACSURAK / wikipedia)

  • 24. Januar 2017, 16:34h 6 3 Min.

Mit einem Interview in der Tageszeitung "USA Today", einer Presseerklärung und Einträgen in sozialen Netzwerken hat sich am Montag das belgische Supermodel Hanne Gaby Odiele als intersexuell geoutet.

Die 29-jährige Belgierin, die ihre Karriere vor rund zehn Jahren nach ihrer Entdeckung durch Tom Van Dorpe bei einem Konzert auf den Laufstegen in New York begann, gab zugleich bekannt, sich zukünftig dem Aktivismus für die Rechte Intersexueller zu verschreiben. Ihre Karriere als Model für Chanel, Givenchy, Prada, Mulberry oder DKNY Jeans und die Aufmerksamkeit durch Cover für unter anderem Marie Claire, Vogue und Elle garantieren ihr dabei Aufmerksamkeit.

"Ich habe einen Punkt in meinem Leben erreicht, in dem ich mich bereit fühle, diesen wichtigen Teil von dessen, was ich bin, mit der Öffentlichkeit zu teilen", so Odiele in einer Presseerklärung der Organisation "interACT". Es sei Zeit für intersexuelle Menschen, sich in das Bewusstsein der Menschen zu drängen und auf "unnötige und gefährliche Operationen" hinzuweisen, "die viele in unserer Kindheit ausgesetzt waren". "Intersexuelle Kinder, die heute geboren werden, stehen immer noch unter dem Risiko, diesen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt zu werden."

Frühe Operationen


Odiele zierte in den letzten Jahren zahlreiche Cover weltweit

In dem Interview mit "USA Today" berichtete die in New York lebende Odiele, sie sei als Kind mit Androgenresistenz diagnostiziert worden und habe Chromosomen und Körpereigenschaften besessen, die eher bei Männern gefunden werden. Auch wurden interne, in der Lage veränderte Hoden gefunden. Die Ärzte rieten den Eltern, diese zu entfernen: "Sie warnten, ich könnte sonst Krebs bekommen und ich würde mich nicht als normales, weibliches Mädchen entwickeln."

Mit zehn Jahren wurde Odiele operiert. "Später wurde mir erklärt, dass ich keine Kinder haben kann. Ich bekam keine Periode". Acht Jahre später und kurz nach Beginn der Modellkarriere folgte eine weitere Operation zur Rekonstruktion der Vagina. "Es ist kein großer Deal, intersexuell zu sein", so das Model. Aber die Operationen und eine mangelnde Aufklärung verfolgten sie bis heute.

Organisationen verweisen auf die Schicksale von Menschen, die oft erst im späteren Leben erfahren, dass sie interesexuell geboren und später operiert wurden. Oft benötigen sie als Folge der Behandlung eine Hormontherapie, ohne davon zu wissen. Nicht selten haben Ärzte auch Kindern per Operation ein Geschlecht zugeordnet, mit dem diese sich später nicht identifizieren. Nachweisbare Belege über ein Krebsrisiko oder sonstige Gefahren durch einen Verzicht auf zu frühe Operationen gebe es dabei kaum.

Tabuisiert und ignoriert

Fast zwei Prozent der Bevölkerung wiesen zur Geburt intersexuelle Merkmale auf, betont InterACT – das entspräche dem Anteil Rothaariger an der Bevölkerung. Das Thema werde aber weiter tabuisiert und von Politikern ignoriert. Behandlungen an Kindern, die diese psychisch und physisch für immer belasteten, seien an der Tagesordnung, obwohl sie nur in den seltensten Fällen medizinisch geboten seien. Vielmehr spiele die Angst von Medizinern und Eltern vor nicht binär zuzuordnenden Körpern eine große Rolle.

Odiele sagt, sie habe im letzten Jahr vielen Freunden von ihrer Geschichte erzählt und erwarte im Model-Business keine Anfeindungen. "Ich war schon immer ich selbst und musste nicht in bewusste Rollen passen." Ihr Ehemann, das Model John Swiatek, meinte, er sei "unglaublich stolz und glücklich" über das Coming-out seiner Liebsten.

#1 SebiAnonym
  • 24.01.2017, 17:56h
  • Intersexualität ist nach wie vor ein großes Tabu-Thema.

    Gut, wenn sich Promis als intersexuell outen und das Thema mehr in die Öffentlichkeit bringen.
  • Direktlink »
#2 ursusEhemaliges Profil
  • 24.01.2017, 18:29h
  • "Eine neue Studie, die erstmals die Zahl geschlechtsverändernder Operationen an nicht zustimmungsfähigen intergeschlechtlichen Kindern untersucht hat, kommt zu dem Schluss, dass die Zahl der Eingriffe nicht wesentlich zurückgegangen ist. Zwar sind seit 2005 die ärztlichen Leitlinien in Deutschland überarbeitet worden, dies hat aber nur zu einer Verschiebung auf leicht andere Diagnosen, nicht zu einem Rückgang der umstrittenen Operationen geführt.

    Die Anfang Dezember erschienene Studie Zur Aktualität kosmetischer Operationen uneindeutiger Genitalien im Kindesalter stellt fest, dass im untersuchten Zeitraum zwischen 2005 und 2014 jedes Jahr rund 1.700 Kinder zwischen null und neun Jahren operiert werden. Die Datenanalyse hat gezeigt, dass dabei die Anzahl der klassischen Intersexdiagnosen gesunken, aber die Zahl der Diagnosen, die zu den Variationen der körperlichen Geschlechtsmerkmale zu rechnen sind, erheblich gestiegen ist.

    Zu vermuten ist, dass die Ärzte die Veränderung der Leitlinien zur Behandlung von Kindern mit klassischen Intersex-Diagnosen so verarbeitet haben, dass sie die Diagnosen verändert haben und die Operationen weiterhin durchführen."

    www.taz.de/!5361693/
  • Direktlink »
#3 tti3_alliance
  • 24.01.2017, 19:33h
  • ... Intersexualität ist in Deutschland seit 1933 ein Tabu Thema, denn zu Zeiten des preussischen Landrechts (Preußen, Weimarer Republik), gab es klare Regelungen. Kinder wurden nicht verstümmelt (IGM) und im Übergang zum Erwachsenen konnte Menschen damals selbst Ihren Namen und Geschlecht wenn gewünscht bestimmen.

    Aktuell gibt es in den deutschen LSBTI / LGBBTI / HLGBAPTTIQ* Community wenig Unterstützung.

    Die Pressemitteilung von Intersexuelle Menschen e.V. haben nur wenige verbreitet und pressseitig veröffentlicht.

    Das DE Projekt zeigt dem 18.Deutschen Bundestag seit dieser Woche die gelb-rote Karte für die 'Verbrechen gegen die Menschlichkeit' die zu Ungunsten der tti Bereiche und nicht-binärer Menschen gegeben sind.

    www.trans-alliance.de

    Jedes Geschlecht verdient Respekt
  • Direktlink »