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"Persönliche Erklärung"
Spaltung der AfD-Homos: Wenn selbst Mirko Welsch zu links ist
Der saarländische Kommunalpolitiker wirft seinen schwul-lesbischen Parteifreunden fehlende Abgrenzung zu Rechtsextremen vor.

Von seinen Parteifreunden verlassen: Mirko Welsch, Jahrgang 1977, ist nun der einzige Sprecher der "Homosexuellen in der AfD"
- 30. Januar 2017, 07:09h 3 Min.
Die Selbstzerfleischung der "Homosexuellen in der AfD" geht in die nächste Runde. In einer "Persönlichen Erklärung" hat ihr verbliebener Frontmann Mirko Welsch die Spaltung der Initiative am Sonntag für "amtlich" und "leider unvermeidlich" erklärt. Gleichzeitig machte er seinen schwul-lesbischen Parteifreunden schwere Vorwürfe.
Am vergangenen Donnerstag hatten der frühere Bundesvorsitzende Alexander Tassis, seine Stellvertreterin Jana Schneider und Beisitzer Phillip Christ überraschend die Gründung einer "Schwul – Lesbischen Plattform" in der AfD bekanntgegeben. Anlass war ein Streit um den Umgang mit LGBTI-Feindlichkeit in der eigenen Partei. So distanzierte sich die neue Gruppierung von Mirko Welsch, weil dieser den rheinland-pfälzischen AfD-Chef Uwe Junge wegen dessen homophober Äußerungen kritisiert hatte (queer.de berichtete).
Die "Homosexuellen in der AfD" seien im Mai 2013 nicht nur zur Unterstützung der Partei gegründet worden, sondern "auch um ein Stachel im System zu sein", schreibt Welsch in seiner Erklärung. "Genau dieser Anspruch ist in den vergangenen Wochen immer mehr vernachlässigt worden."
Auch die Meinungsfreiheit werde "bewusst mit Füßen getreten", so das Mitglied des Bezirksrats Dudweiler: "Meine berechtigte und sachliche Kritik an einer Spitzenkandidatur von Björn Höcke wurde dazu genutzt, um mich zu sanktionieren. Sogar eine Abwahl im Vorstand stand immer wieder im Raum."
Hitler-Posen auf dem Reichsparteitags-Gelände
Darüber hinaus kritisierte Welsch "die ständige fehlende Bereitschaft" einiger homosexueller Parteifreunde, sich von rechtsextremen Kontakten auch privat abzugrenzen: "Gleichzeitig ließen sich sogar Mitglieder im Vorstand in der Zeit am Nürnberger Reichsparteitag-Gelände genau an der Stelle ablichten, wo auch Hitler immer sprach und stand."
Während sich Alexander Tassis "ohne vorherige Absprache" in den Bundesvorstand der Patriotischen Plattform habe wählen lassen, sei der Kern der Arbeit vernachlässigt worden: "Übergriffe auf Schwule und Transsexuelle, Fehltritte durch linksgrüne Protagonisten sowie wichtige Entwicklungen (Schwuler AfD Stadtrat in Berlin, etc) wurden nicht erwähnt." Tassis und seine Anhänger hätten die Interessengemeinschaft "zu einem Feigenblatt kastriert".
In den vergangenen Jahren war allerdings auch Mirko Welsch nicht mit einem Einsatz für LGBTI-Rechte aufgefallen. Auf dem AfD-Bundesparteitag 2016 in Stuttgart unterstützte er einen Antrag gegen die "Propagierung der Homo- und Transsexualität" im Unterricht und für die Streichung aller Antidiskriminierungsgesetze (queer.de berichtete). Immer wieder sorgte er zudem mit beleidigenden Äußerungen für Schlagzeilen: Volker Beck bezeichnete er als "Krebsgeschwür der Schwulenbewegung in Deutschland", den LSVD als "linksgrüne Parasiten" (queer.de berichtete).
Auch die Kritik an den privaten Kontakten seiner Parteifreunde zu Rechtsextremen ist nicht sehr glaubwürdig: Im vergangenen Jahr kursierte ein Foto in Sozialen Netzwerken, auf dem Welsch die NPD-Politikerin Jacqueline Süßdorf küsst. (cw)
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