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- 17. Mai 2005 3 Min.
Der für August 2005 geplante World Pride in Jerusalem ist von den Veranstaltern abgesagt worden, soll dafür aber im nächsten Jahr stattfinden.
Von Micha Müller
Er sollte ein Zeichen setzen für Toleranz und Akzeptanz von Schwulen, Lesben und Transgendern in aller Welt: für die Zeit vom 18. bis 28. August 2005 war der World Pride in Jerusalem geplant. Es sollte eine große Eröffnungsveranstaltung geben, zahlreiche Partys, gemeinsame Gottesdienstbesuche, ein Filmfestival und als Höhepunkt die große Parade mit Straßenfest und Kundgebung. Doch nun hat der Veranstalter, das Jerusalem Open House (JOH), am 15. Mai die gesamte Veranstaltung abgesagt. Begründet wurde die Entscheidung mit dem Abzug Israels aus dem Gaza-Streifen, dessen Beginn kürzlich von Premierminister Ariel Sharon auf den 16. August gelegt worden war. "Toleranz, Pluralismus und Gleichheit sind die wesentlichen Prinzipien des World Pride", erklärte Noa Sattath, Vorsitzender des JOH, gegenüber den Medien. "Den World Pride während des Gaza-Abzugs zu veranstalten, würde diesen Prinzipien nicht gerecht werden. Wir haben die Entscheidung in Erwartung des extrem schwierigen politischen Klimas getroffen, das Israel im August beherrschen wird." Sattath fürchtet, dass der Rückzug aus dem Gaza-Streifen zu Unruhen führen könne und die Sicherheit der Teilnehmer am World Pride nicht gewährt sei. Die Absage des World Pride wurde von schwulen und lesbischen Organisationen mit Verständnis, häufig aber auch mit Kritik aufgenommen. So erklärte Mike Hamel, Vorsitzender der Vereinigung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern in Israel, die Absage sei ein Fehler. "Der World Pride könnte eine andere Seite Israels zeigen, eine Seite von Toleranz und Offenheit." Der World Pride Jerusalem soll laut JOH jedoch nicht ganz gestrichen sondern nur verschoben werden. Neuer geplanter Termin ist der 6. bis 12. August 2006.
Das JOH, ein 1997 gegründetes schwul-lesbisches Kulturzentrum in Jerusalems Innenstadt, veranstaltete 2002 erstmals mit "Liebe ohne Grenzen" einen Jerusalem Pride, der Tausende von Teilnehmer in die Stadt lockte. Die Bewerbung des JOH um den World Pride war auf der 22. InterPride-Konferenz 2003 in Montreal begeistert aufgenommen worden. Die 150 Delegierten aus 51 Städten weltweit hatten schließlich bei der Abstimmung über den Austragungsort für Jerusalem gestimmt. Der World Pride findet alle fünf Jahre in einem anderen Land statt, zuletzt war im Jahr 2000 Rom Gastgeber. Die Wahl Jerusalems - der Heiligen Stadt - als Austragungsort eines schwul-lesbischen Großevents hatte zu teils heftigen Kontroversen geführt. In seltener Einigkeit hatten sich Führer der drei Weltreligionen gegen den World Pride ausgesprochen. Anfang Mai hatte sich auch der israelische Vizepremier Simon Peres gegen die Veranstaltung ausgesprochen und erklärt, dass der Gay Pride die Gefühle religiöser Menschen verletzen könne.
17. Mai 2005














