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"B.Z."-Interview

Für Jens Spahn müssen Ausländer wohl homophob sein

Der schwule CDU-Bundestagsabgeordnete missbraucht den Messerangriff auf den "Iron"-Türsteher in Köln, um Ressentiments gegen Migranten zu schüren.


Jens Spahn ist seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestags und seit Dezember 2014 Mitglied des CDU-Präsidiums (Bild: Jörg Klaus)
  • 12. Februar 2017, 11:38h 83 3 Min.

Der Vorfall erschütterte nicht nur Köln: Am 28. Januar gegen 4.30 Uhr stach ein aus dem Irak stammender Kölner mit einem Messer auf den Türsteher der Szenebar "Iron" ein, weil er nicht hineingelassen worden war. Das 34-jährige Opfer, das ebenfalls einen Migrationshintergrund hat, erlitt dabei schwere Verletzungen (queer.de berichtete).

Obwohl es keine Hinweise auf einen homophoben Hintergrund gibt und ein Mitarbeiter noch in der selben Nacht erklärte, der Vorfall hätte sich in "jeder anderen Bar (egal ob Homo oder nicht)" ereignen könnte, machte der Bundestagsabgeordnete Jens Spahn in einem Interview mit dem Berliner Boulevardblatt "B.Z." aus dem Vorfall einen schwulenfeindlichen Angriff: "Der Türsteher eines schwulen Clubs wurde niedergestochen. Der Täter stammte aus dem Irak. Aber nicht die Abstammung ist das eigentliche Thema – weil ich ja immer diese Rassismus-Vorwürfe höre -, sondern die in diesem Land erlernte Kultur, die offensichtlich mit Schwulen ein Problem hat."

Mit "Leitkultur" gegen die Homophobie der Fremden

In dem am Samstagabend veröffentlichten Interview unter der Überschrift "Wem unsere Art zu leben nicht gefällt, der kann ja wieder gehen" forderte der homosexuelle Politiker mit markigen Sprüchen Migranten dazu auf, die deutsche "Leitkultur" zu akzeptieren, und stellte sie dabei unter einen Generalverdacht der Homophobie: "Natürlich leben wir Vielfalt in unserem Land. Aber es gibt Bruchstellen zwischen unseren Werten und denen anderer Kulturen", sagte Spahn. Bei der Akzeptanz von Homosexualität dürfe man keine Abstriche machen: "Die Probleme, die ich in der Szene erlebe, entstehen vor allem, weil Menschen aus Ländern kommen, wo man mit Schwulen nicht zimperlich umgeht."

Er bekomme dies selbst immer wieder zu spüren, meinte das 36-jährige Mitglied des CDU-Präsidiums: "Ja, im Alltag prallen Kulturen aufeinander. In der U-Bahn, beim Ausgehen in meiner Heimat im Münsterland oder beim Einkaufen mit meinem Freund in Berlin, wo wir uns kürzlich in der Schlange stehend als schwules Paar unflätig beschimpfen lassen mussten. Und der Akzent war jedenfalls nicht schwäbisch." Auch im Rheinland sei es nicht besser: "Letztes Wochenende war ich mit Freunden in Köln unterwegs, da wirste auf der Straße schon auch frech angemacht."

In dem "B.Z."-Interview behauptete Spahn zudem, dass homophobe Gewalt, die von Menschen mit Migrationshintergrund verübt wird, tabuisiert werde: "Mich nervt einfach, dass wir dieses Problem gar nicht besprechen – aus Angst, man könnte sich irgendwie verheddern in seinem Multikulti-Wohlfühldasein." Gleichzeitig ging der Bundestagsabgeordnete auf Distanz zur Alternative für Deutschland: "Die Spalter von der AfD blasen Probleme künstlich auf, um damit Ressentiments zu schüren."

Auf die Nachfrage, inwiefern sich Spahns Tiraden von der Strategie der AfD unterscheiden, hat "B.Z."-Redakteurin Ulrike Ruppel leider verzichtet. (mize)

-w-

#1 SanottheEhemaliges Profil
  • 12.02.2017, 13:22h
  • Es erschüttert mich immer wieder, wie kleingeistig manche Mitglieder "unserer" "Community" sind. Eigentlich müssten sie am besten wissen, wie es ist, pauschal ausgegrenzt zu werden. Aber es fühlt sich halt so gut an, noch weiter nach unten zu treten.

    Eine Schande.
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#2 GeorgG
  • 12.02.2017, 13:48hBerlin
  • Ganz sicher sind für Jens Spahn nicht alle Ausländer, die sich in Deutschland aufhalten, homophob. Diesbezüglich gibt es für schwule Männer so gut wie keine Probleme mit Asiaten, mit Afrikanern oder mit Lateinamerikanern. Probleme gibt es jedoch mit moslemischen homophoben Jugendlichen, die aggressiv auf schwule Männer reagieren. Erst kürzlich wurde ich von arabischen Jugendlichen beschimpft und das nur aufgrund der Tatsache, dass ich mit meinem Lebenspartner an der U-Bahn Berlin-Nollendorfplatz auf die Bahn wartete.
    Solche Vorfällen dürfen von schwulen Medien nicht totgeschwiegen werden.
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#3 OrthogonalfrontAnonym
  • 12.02.2017, 14:07h
  • Antwort auf #2 von GeorgG
  • Tut mir leid für euch. Das habe ich auch schon etliche Male erlebt. Ist quasi Alltag der Großstadt und niemand tut was dagegen. Auch die Community ist tuef gespalteb, da für bestimmte Leute in der Community sowas gar nicht passieren DARF (weil dann der Multi-Kulti-Fantasmus zusammenbricht) und jeder der einfach von seinen Erfahrungen berichtet wird gnadenlos niedergemacht und ausgegrenzt. So als wäre man verplichtet diesem Multi-Kulti-Fantasmus Tribut zu zollen und sich als Opferlamm darzubieten. Kommt gar nicht in Frage! Mein Widerstand gilt ALLEN LGBTTIQ-Hassern, mir gleich ob diese ebenfalls einer Minderheit angehören. Einer Minderheit anzugehören ist allein genommen kein Qualitätsmerkmal. Kinderschänder sind auch eine Minderheit und trotzdem hasst die jeder ZU RECHT!!! Und nein, das ist KEINE Gleichsetzung von Migranten mit Kinderschändern. Ihr braucht also gar nicht zu versuchen mir das unterzuschieben. Es ist lediglich eine Methode um meine Aussage zu bestärken, dass einfach zu einer Minderheit zu gehören kein Qualitätsmerkmal ist!
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