Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?28227

"Gender-Gaga" im Landtag

CSU ließ sich von Birgit Kelle über "Gender" aufklären

Die Landtagsfraktion lobte danach die "engagierte und inspirierende Autorin".


Birgit Kelle bei einer "Demo für alle" in Stuttgart. "Ehe und Familie vor", hieß es auf dem von ihr mitgetragenen Banner, "Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder". (Bild: Norbert Blech)

  • Von Norbert Blech
    15. Februar 2017, 05:18h 28 4 Min.

Die homofeindliche Publizistin Birgit Kelle hat am Dienstag letzter Woche vor der CSU-Fraktion im Bayrischen Landtag einen Vortrag über Gender Mainstreaming gehalten. "Die engagierte und inspirierende Autorin" habe in einem "leidenschaftlichen Vortrag" vorgezeigt, "wie unter dem Schlagwort 'Gender' eine Politik betrieben wird, die Sprengkraft für unsere Gesellschaft in sich birgt", fasste die Partei den Auftritt danach auf Facebook zusammen.

Der Parlamentarische Geschäftsführer Josef Zellmeier habe eine "lebendige Diskussion über daraus resultierende Handlungsfelder" geleitet, heißt es weiter. Das lässt Schlimmes erahnen: Bereits im November hatte die CSU auf ihrem Landesparteitag ein neues Programm verabschiedet, das sich nicht nur gegen "Relativierungsversuche" der Ehe aus Mann und Frau richtet, sondern auch gegen eine "Gesellschafts- und Bildungspolitik, die Gender-Ideologie und Frühsexualisierung folgt" (queer.de berichtete).


Zur Vertiefung in die Anti-"Gender-Ideologie" verwies die CSU bei Facebook auch auf Artikel Kelles

Mit dem Kampfbegriff "Gender", oft gepaart mit "-Ideologie" oder "-"Wahn", belegen christliche Aktivisten und Politiker von konservativ bis ganz rechts so gut wie alle Aspekte einer modernen Gesellschaft: Fragen von Gleichstellung der Frau über LGBT-Rechte hin zu einer angemessenen Schulaufklärung über Homo- und Transsexualität sowie Sexualpädagogik, werden unter dem Begriff ebenso vermischt und bekämpft wie die jeweils sehr unterschiedlichen Verantwortlichen.

Kämpferin gegen die "Homo-Lobby"

Niemand verbindet dabei die ultraklerikale und die neurechte Szene so gut wie Kelle, die als CDU-Mitglied dennoch über gute Verbindungen in Massenmedien und in die Union hinein genießt: Sie schreibt in "Focus" und "Welt" ebenso wie in der "Jungen Freiheit", von der ihr ein Journalistenpreis überreicht wurde.

Die Politik ziehe gleichgeschlechtliche Paare "normalen Paaren" vor, behauptete die mehrfache Rednerin auf der homofeindlichen "Demo für alle" im "Presseclub"; in "Hart aber fair" sprach sie sich gegen ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare aus. Im Buch "Gender-Gaga" beschwerte sie sich: "Nichts bringt die Gender-Szene mehr in Aufruhr als das Angebot, Menschen dabei zu helfen, beispielsweise ihre Homosexualität, also ihr Geschlecht, abzulegen, zu verändern, zu überdenken. Da werden aus Therapeuten dann böse 'Homoheiler'" (queer.de berichtete).

Im "Focus" kritisierte sie zum Bildungsplan in Baden-Württemberg, "dass der Schüler einen Transsexuellen jetzt ganz normal finden soll, obwohl dieser doch laut WHO auf der Liste der psychisch Kranken mit Geschlechtsidentitätsstörung steht". Der Bildungsplan, gegen den die "Demo für alle" wegen des vorgesehenen zeitgemäßen Umgangs mit LGBTI-Themen Front gemacht hatte, sei Beispiel der Ideologie des "Gender Mainstreaming", "die jetzt nach unseren Kindern greift" und "an der Verwirrung", der 'Entnaturalisierung' der Geschlechter arbeitet".


Kelle wurde im letzten Herbst zusammen mit weiteren Gegnern von LGBTI-Rechten von Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU, rechts) empfangen

Kelle, die mehrfach beklagte, von "Schreihälsen der Homo-Lobby" als homophob bezeichnet zu werden, schrieb in einer weiteren "Focus"-Kolumne: "Alle sind irgendwie 'queer' – das ist Gender für Fortgeschrittene. Wenn es so weitergeht, wird wohl in absehbarer Zeit in unseren Schulen das Wort 'Hetero' als Bezichtigung verwendet. Denn wer nicht wenigstens bisexuell ist, gerät angesichts der Gender-Offensive demnächst mit seinem traditionellen heterosexuellen Geschlechtstrieb unter Rechtfertigungsdruck" (queer.de berichtete).

Die CSU auf AfD-Kurs

Als auch Bayern seine Unterrichtspläne den modernen Zeiten und der Existenz von LGBTI anpassen wollte (queer.de berichtete), schrieb Birgit Kelle auch dagegen an – ihr Text bildete im letzten Sommer die Grundlage für eine Online-Petition der "Demo für alle" an Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, die Pläne zu stoppen.

Genau in jenen Wochen trat Kelle zugleich mit einem Anti-"Gender"-Vortrag im Franz Josef Strauß-Haus auf, in einer Debatte mit der CSU-Bundestagsabgeordneten Katrin Albsteiger unter dem Titel "'Gender Mainstreaming' und seine Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft". Nach den Sommerferien empfing Spaenle dann "Demo für alle"-Organisatorin Hewdig von Beverfoerde und Birgit Kelle (queer.de berichtete) in seinem Ministerium, stellte die neuen Richtlinien zunächst auf Eis, um sie dann zu entschärfen: Statt mit Akzeptanz ist LGBTI nun etwa mit Respekt zu begegnen (queer.de berichtete).


Die CSU hat kürzlich den Wahlkampf begonnen und ließ sich dabei wohl auch von Kelle inspirieren

Im letzten Sommer hatte übrigens auch die AfD gegen die vermeintliche "Frühsexualisierung" durch die Pläne Spaenles Front gemacht. Darauf hat die CSU nicht nur mit ihrem neuen Programm reagiert, das solche Kampfbegriffe übernimmt, sondern auch mit einer beginnenden AfD-artigen Stimmungsmache in sozialen Netzwerken, etwa Anfang Januar gegen den "Genderwahn", der sich in Unisex-Toiletten zeige (queer.de berichtete). Und auch Kelles Gesprächspartnerin Albsteiger postete auf Facebook eine Grafik mit dem Spruch "Grün heißt: Den Gang zur Toilette regulieren, aber unsere Grenzen nicht".

-w-

#1 Habukaz
  • 15.02.2017, 07:28h
  • Es ist mir völlig unverständlich, wie es Frauen geben kann, die für alte Geschlechterrollen sind, damit wollen sie die ihnen zugeschriebene Minderwertigkeit als Frauen gegenüber Männern bestätigen. Sie entziehen sich damit selbst jede Authorität. Diesen Widerspruch scheint diese Person nicht zu begreifen. Ein weiterer Beweis, dass es sich hierbei um keinerlei rationale Einstellung handelt.
  • Direktlink »
#2 markusbln11Anonym
  • 15.02.2017, 07:32h
  • Leider positioniert sich die CSU immer mehr am rechten rand, ausserhalb der gesellschaftlichen mitte. Das habe ich so noch nie erlebt. Wir müssen derzeit dinge erdulden wie die

    Aufkündingung der konstruktiven zusammenarbeit mit nachbarländern, bei der maut etwa

    Ablehnung der europäischen integration bis in den parteivorstand hinein

    Missachtung grundlegender gesellschaftlicher werte und rechte, von lgbt -wie wir sehen, anderer minderheiten

    Pflege randständiger staatsoberhäupter ohne aussenpolitische zuständigkeit (doe liegt beim bund), nachdem man die stimmung mit österreich versaut hat

    Es überradcht mich doch, dass die CSU frau merkel als kanzlerkanditatin unterstützt. Eigentlich sollte die CDU nach bayern ausgedehnt werden. Danm würde die CSU aufgrund des drucks aus der mitte sicher wieder zur konstruktivität zurückfinden und frau kelle hätte eine klare perspektive in der afd.
  • Direktlink »
#3 goddamn liberalAnonym
  • 15.02.2017, 08:16h
  • Antwort auf #1 von Habukaz
  • Mir ist es vollkommen unverständlich, wie sich eine Regierungspartei von einer inkompetenten homophoben Aktivistin mit abgebrochenem Jura-Studium über sozial- und geisteswissenschaftliche Fragen 'informiert' werden will.

    Selbst wenn sie reaktionär bis auf die Knochen ist wie die CSU.

    Frau Kelle hat von Genderfragen einfach keine Ahnung und faselt launiges Zeug, das dumpfbackige Hintlerwäldler gerne hören.

    Sie bekämpft die Rechte von NS-Opfern im Land des rosa Winkels.

    Es wird Zeit, dass wir, aber auch die vielen Gender-Forscherinnen an bayerischen Unis sich gegen diese lebensgefährlichen braunschwarzen Umtriebe wehren.
  • Direktlink »