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Australien

Studie: LGB-Teenager meiden Team-Sport

Schwule, lesbische und bisexuelle Schüler beteiligen sich nur halb so häufig an außerschulischem Sport wie ihre heterosexuellen Altersgenossen.


Sportvereine müssten sich inklusiver zeigten, fordern die Autoren der Studie, und mehr Fitnessangebote abseits des Mannschaftssports anbieten

  • 23. Februar 2017, 16:19h 5 2 Min.

Schwule, lesbische und bisexuelle Teenager beteiligen sich erheblich weniger an Team-Sport als ihre heterosexuellen Altersgenossen. Das ergab eine Untersuchung der Universität von British Columbia, für die Daten einer jährlichen Gesundheitsumfrage unter australischen Schülern des McCreary Centre Society ausgewertet wurden.

Insgesamt standen den Forschern die Angaben von fast 100.000 Schülern aus den Jahren 1998 bis 2013 zur Verfügung, im Alter von 13 bis 18 Jahren. "In jedem Jahr nahmen LGB-Jugendliche nur halb so wahrscheinlich oder noch seltener an einer Sportart mit Trainer teil als heterosexuelle", sagte Studienleiterin Elizabeth Saewyc. Der Abstand habe in den letzten Jahren noch zugenommen, bei einem gleichzeitigen allgemeinen Abstieg der Sportinteressierten.


Gerade bei Jungs zeigten sich Unterschiede bei der Beteiligung am Sport und gerade bei schwulen Jungs nahm der Abstand zuletzt noch zu

Nahmen 1998 noch fünf von zehn schwulen Schülern an außerschulischem Sport teil, waren es 2013 nur noch rund 30 Prozent. Bei lesbischen Mädchen blieben die Zahlen in den letzten Jahren halbwegs konstant – ihr Abstand zu heterosexuellen ist auch der kleinste. Aber auch bei bisexuellen Mädchen und Jungen gab es sinkende Teilnehmerzahlen.

Konsequenzen für die Gesundheit

Die Studie zeige, wie wichtig es für Sportvereine und andere Anbieter sei, ihr Programm auszuweiten und "einen willkommenden, inklusiven Ort für LGBT-Jugendliche zu schaffen", sagte Studien-Co-Autorin Annie Smith. Die Studie zeige auch eine Abnahme von Interesse gerade homo- und bisexueller Jugendlicher an sogenannten "Pick-up Games", also am teils spontanen Amateur- oder Freundessport etwa in öffentlichen Parks.

"Die Abnahme der Beteiligung in sowohl informalen als auch formalen Sportarten sagt uns, dass es zusätzlich eine Reihe von Bewegungs-Angeboten für junge Leute geben muss, die nicht an traditionellen Teamsportarten teilnehmen wollen." Smith betonte, dass der Sport der Jugendlichen sich nicht nur direkt positiv auf die psychische und physische Gesundheit auswirke, sondern auch die Wahrscheinlichkeit erhöhe, später ein sportliches und gesundes Leben zu führen.


Die Zahlen für Mädchen

Die genauen Gründe für den Interessenabstand zwischen LGB- und heterosexuellen Jugendlichen am Teamsport sowie die Abnahme in den letzten Jahren könne die Studie nicht erklären. Es sei aber nicht von der Hand zu weisen, dass Stigmatisierung und Diskriminierung bzw. die Angst davor eine große Rolle spielen könnten.

Programme gegen Homophobie im Sport wie durch den amerikanischen Hockey- oder den britischen Fußballverband seien daher ebenso wichtige Zeichen und "ermutigend" wie immer mehr Profi- und Amateur-Sportler, die sich outen und ein Vorbild seien, so Saewyc. (nb)

-w-

#1 Homonklin44
  • 25.02.2017, 05:31hTauroa Point
  • Schätze schon, dass das mit der allgemeinen problematischen Situation in Teamsportarten zusammenhängt, wenn es zur Zurückhaltung in der Teilnahme bei "Anderssexuellen" kommt.Man bräuchte da mal Vergleichsstudien, ob das auch bei anderen Gruppen so ist, die viel mit Hänselei und Ausgrenzung zu kämpfen haben, etwa Dicke, oder SchülerInnen mit Behinderung.

    Im Teamsport ist nicht nur die Angst vor Erfahrungen ausschlaggebend, in denen man peinlich gemacht oder negativ beurteilt und vorgeführt wird, vor anderen heruntergemacht oder kritisiert wird. Sowas kommt wirklich auch vor, und wenn eh schon gewisse Gerüchte über SchülerInnen herum gehen, wird da natürlich auf alles eingehackt, was dahingehend Hinweise geben könnte.
    Ein anderer Stil, sich zu bewegen, sich zu kleiden, eine Körperhaltung, was auch immer, wie hart oder nicht hart man einen Ball tritt, was auch immer es gerade sein mag.

    Dass sich LGBTIQ-SchülerInnen das nicht unbedingt geben möchten, kann man verstehen.

    Allerdings ist da auch der allgemeine Abstieg, wie das hier genannt wird, und wahrscheinlich gibt es den nicht nur bei Schüler-Altersgruppen.
    Wenn man mal bedenkt, wie schwierig es ist, auf den Gay-Portalen nur so viel als Sportinteressierte kennen zu lernen. wahrscheinlich waren die meisten GLBTIQ-Leute früher nicht sehr an Sport interessiert, und wenige haben es heute dazu gebracht.
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#2 andreAnonym
  • 25.02.2017, 08:59h
  • Team-Sport in der Schule, Völkerball mit den Mädchen. Fußball und das mußte ich oft war der Horror. Man hat es gemerkt. Bin immer als Letzter, in eine Mannschaft gewählt wurden.
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#3 headinthecloudsAnonym
  • 25.02.2017, 09:23h
  • Hochinteressant wie meine persönlichen Erfahrungen immer häufiger durch Studien bestätigt werden. Mit 17 ist das unangenehmste Schulfach (erinnert mich nicht dran, am Donnerstag ist es wieder so weit) der Sportunterricht. Nicht etwa weil ich Bewegung nicht gut fände, sondern eher weil mir die Inhalte, größtenteils Teamsportarten nicht zusagen.

    "Es sei aber nicht von der Hand zu weisen, dass Stigmatisierung und Diskriminierung bzw. die Angst davor eine große Rolle spielen könnten."

    Bei dem Satz musste ich ersteinmal schallend lachen. Sport ist wohl eines der homophobsten Gesellschaftsgebiete überhaupt allgemein. Aber auch im Sportunttericht, wenn in der Umkleide der Schweiß und das Testosteron in der Luft liegt, geht es nur um eines: Zu beweisen wer der Männlichste ist. Wie viele Weiber gef*ckt wurden etc etc. Das ist nicht nur unangenehm vom zuhören her sondern auch gefährlich. Die kleinste Abweichung vom heterosexuellen Mannesbild ist absolut tödlich und endet in jahrelangem Mobbing. Ich kenne da konkrete Beispiele auch in meiner Stufe.
    Es ist weniger der Sport an sich, sondern eher die Interaktion mit diesem engstirnigen Gedankengut, das "drumherum" das sich schwule & lesbische Jugendlich gegen Teamsportarten entscheiden. Es ist schade finde ich, denn auch Jungs die durchaus sehr tolerant gegenüber LGBT sind mutieren in Umkleiden zu Arschlöchern. Warum ausgerechnet Sportumkleiden zur letzten Bastion der "Männlichkeit" erkoren worden sind bleibt mir schleierhaft. Vielleicht ja wirklich weil es keine schwulen Vorbilder im Fußball gibt. Ich weiß es nicht. Aber es muss sich etwas ändern. Und bis dahin gehe ich weiter lieber joggen.
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