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Cardiff
Uni will die Begriffe "homosexuell" und "heterosexuell" verbannen
Eine walisische Hochschule gibt Studenten und Mitarbeitern Tipps, wie eine nicht diskriminerende Sprache auszusehen hat. Auf der Liste der unerwünschten Begriffe steht auch "homosexuell".

Die Hochschule in Cardiff möchte Studenten und Mitarbeiter sprachlich sensibilisieren (Bild: Prifysgol Caerdydd)
- 6. März 2017, 17:07h 2 Min.
Die Cardiff Metropolitan University hat vergangene Woche einen neuen "Verhaltenskodex für eine nichtausgrenzende Sprache" veröffentlicht. Darin werden Studenten und Hochschulpersonal unter anderem aufgefordert, die Nutzung der Worte "homosexuell" und "heterosexuell" zu unterlassen. Wer sich nicht an diese Richtlinien hält, drohen unter Umständen disziplinarische Maßnahmen wegen Mobbings.
Im Kapitel "Sexualität und Beziehungen" heißt es, dass die Begriffe "homosexual" und "heterosexual" aus der Zeit gefallen seien und Werte der Vergangenheit transportierten. Stattdessen solle man die Begriffe "same-sex"/"other-sex" (gleichgeschlechtlich/verschiedengeschlechtlich) verwenden. Auch Begriffe wie Ehepartner/Ehepartnerin ("spouse"), Ehemann ("husband") oder Ehefrau ("wife") sollten vermieden werden, wenn man über den Partner oder die Partnerin seines Gegenübers spreche – zumindest solange, bis man wisse, welcher Begriff von der betroffenen Person bevorzugt werde.
Viele Begriffe, die sich einseitig auf das männliche Geschlecht beziehen, sollten zudem durch andere ersetzt werden. Dazu gehört etwa der "right-hand man" (die rechte Hand), "mankind" (Menschheit), "sportsmanship" (Sportsgeist) oder der auch im Deutschen verwendete Begriff "Gentleman's Agreement", der eine mündliche Vereinbarung umschreibt. Auch das Wort "housewife" (Hausfrau) kam auf die Schwarze Liste.
Begriffe wie "transgender" könnten laut den Richtlinien ebenfalls problematisch sein. Man müsse hier zunächst die "bevorzugte Terminologie seines Gegenübers" herausfinden.
Gegen den Kodex gibt es auch Widerstand. So erklärte die Bildungsexpertin Joanna Williams von der Universität im englischen Kent gegenüber dem "Daily Telegraph", dass diese Richtlinien "nicht notwendig" und eine "Beleidigung für Studenten und Angestellte" seien. Viele der Worte hätten für die Allgemeinbevölkerung keine sexisitischen Untertöne.
Uni: Es geht nicht um "politische Korrektheit"
Die Universität in der walisischen Hauptstadt sieht den Kodex dagegen als guten Weg, gegen Diskriminierung und Mobbing vorzugehen, die an allen Hochschulen des Königreichs noch immer weit verbreitet seien. In einer Pressemitteilung erklärte die Hochschule, dass nichts verboten werde, sondern vielmehr betont werden solle, dass Vielfalt einer der Grundpfeiler des Hochschullebens sei. Die Universität wies den Vorwurf der "sogenannten politischen Korrektheit" als alten Hut zurück.
Ohnehin scheint der Kodex trotz der Androhung disziplinarischer Maßnahmen nicht zu eng gesehen zu werden. Darin heißt es nämlich auch: "Seien Sie nicht zu ängstlich mit ihrem Umgang mit der Sprache. Blinde Menschen benutzen etwa Ausdrücke wie 'Wir sehen uns später'. Wenn eine Person zu vorsichtig ist, macht sie ein Gespräch zur Tortur für Menschen, die sich unterhalten." (dk)
Links zum Thema:
» Die Cardiffer Richtlinien als Word-Datei















Wieder mal irgendjemand überkorrektes, der es besonders toll machen will, aber letztlich nur eine Orwell'sche Sprachpolizei installiert.
Ich bin schwul. Punkt. So bezeichne ich mich selbst und ich will auch, dass andere das so sehen. Und ich fühle mich deshalb keineswegs ausgegrenzt.
Im übrigen ist sowas (ebenso wie das ProfX im Deutschen statt Professor oder Professorin, etc.) doch nur Wasser auf die Mühlen der Populisten.
Man kann und darf Menschen ihre Sprache nicht diktieren. Und erst recht keine Sanktionen androhen.
Solange nicht beleidigt wird, sollte das alles in Ordnung sein.