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Dieses Mal in Boston
Wegen Homophobie: Erneut Boykott von St.-Patrick's-Day-Parade
Während die irische Kult-Parade in New York inzwischen die Diskriminierung von LGBTI beendet hat, haben die Organisatoren in Boston die Teilnahme von homo- und transsexuellen Kriegsveteranen verboten.

Die LGBTI-Veteranen sind den Veranstaltern der St.-Patrick's-Day-Parade offenbar zu schlüpfrig (Bild: Facebook / OutVets)
- 9. März 2017, 16:04h 2 Min.
Der Ausschluss einer LGBTI-Organisation bei der St.-Patrick's-Day-Parade in Boston hat ein politisches Nachspiel: In dieser Woche haben sowohl Bürgermeister Marty J. Walsh als auch Charlie Baker, der Gouverneur des Bundesstaates Massachusetts, ihre Teilnahme an dem Event abgesagt, das jedes Jahr am 17. März Hunderttausende Zuschauer in die Ostküstenmetropole lockt.
Die Veranstalter der Parade, das "Allied War Veterans Council of South Boston", hatten am Dienstag auf ihrem Treffen mit neun zu vier Stimmen den Ausschluss von "OutVets" beschlossen, einer Organisation von LGBTI-Veteranen des US-Militärs. Die "OutVets" hatten in den beiden Jahren zuvor an der Parade teilgenommen.
Eine Begründung für den Ausschluss lieferten die Organisatoren nicht. Die "OutVets" erklärten allerdings auf ihrer Facebook-Seite, dass nach den Beratungen der offensichtliche Grund die LGBTI-Ausrichtung sei. "Das ist ein trauriger Tag für die LGBTQ-Community und für alle Veteranen", so die Organisation.
Bürgermeister Walsh erklärte daraufhin am Mittwoch: "Ich werde in unserer Stadt Diskriminierung jeglicher Art nicht dulden. Wir sind ein Boston – und das bedeutet, dass niemand ausgeschlossen werden darf". Der Demokrat versprach, nicht mitzumarschieren, solange das Verbot nicht aufgehoben wird. Gouverneur Baker sagte ebenfalls, dass er keine Einladung zur Teilnahme annehmen werde, solange LGBTI-Organisationen nicht gleichbehandelt werden.
Die wegen der vielen irischen Einwanderer insbesondere in den USA beliebten St.-Patricks-Day-Paraden sorgen teils seit Jahrzehnten mit Homophobie für Schlagzeilen. 1995 sprach der amerikanische Supreme Court den Bostoner Veranstaltern das Recht zu, Homo-Gruppen grundsätzlich von der Parade auszuschließen. Daraufhin stoppte die traditionell liberale Stadt die Förderung der Parade. 2015 erlaubten die Organisatoren dann die Teilnahme der "OutVets" als erste LGBTI-Organisation. Ein Jahr später erneuerten sie die Erlaubnis.
Veranstalter könnten Verbot noch aufheben
Das Verbot könnte noch aufgehoben werden: Am Donnerstag meldeten Lokalzeitungen, dass die Veranstalter für Freitag eine Krisensitzung einberufen haben, um erneut über das Thema zu sprechen.
Über Jahre hatte auch das Homo-Verbot der Parade in New York für Aufregung gesorgt. Nach mehreren Boykotten – etwa 2014 durch den neugewählten Bürgermeister Bill de Blasio – hoben die Veranstalter alle Restriktionen gegen LGBTI auf (queer.de berichtete). (dk)









