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Ein Gesamtkunstwerk
Eurovision: Montenegro überrascht mit queerer Club-Nummer
"Wir können in der Sünde eins sein", verlangt Slavko Kalezic unter allerlei sexueller Anspielungen beim Ausleben seiner "feuchten Träume".

Strike a Pose: Mit Promobildern wie diesem machte der Sänger auf die bevorstehende Veröffentlichung seines ESC-Beitrags aufmerksam.
- 11. März 2017, 04:22h 2 Min.
Es gibt Leute, die brauchen kein Coming-out. In Montenegro sorgt der Schauspieler, Tänzer und Sänger Slavko Kalezic schon seit Jahren mit oft weiblichen Outfits und der gleichzeitigen Betonung des männlich-muskulösen Körpers sowie tuntigen bis trashigen Tanzeinlagen für Schlagzeilen.

Seitdem das Ensemble-Mitglied des Nationaltheaters im letzten Dezember vom Staatssender RTCG als Vertreter beim diesjährigen Eurovision Song Contest im Mai in Kiew angekündigt wurde, herrschte angespannte Vorfreude: Würde der – noch immer recht homophobe – Balkan seinen eigenen Conchita-Wurst-Moment bekommen?

Was erste Promo-Pics aus dem Video-Dreh erahnen ließen, ist nun am Freitag mit der Veröffentlichung des Musikvideos Gewissheit: Der 31-Jährige setzt, in einer offensichtlichen Verbeugung vor der Gruppe Kazaky aus dem Gastgeberland Ukraine und mit einer kleinen Prise George Michael, auf eine Optik und Perfomance irgendwo zwischen Trash, Camp und Erotik. Und statt um Akzeptanz und Stolz wie bei Conchita geht es, dabei ebenso mit Rollen spielend, schlicht um Sex. Und das ist auch mal gut so.
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Er ergebe sich seinen feuchten Träumen und wilden Albträumen, singt Kalezic halbnackt tanzend und zopfschwingend in leichtem broken English: "Komm in mich rein von innen, wir können in der Sünde eins sein." Das Raumschiff stehe bereit, um zu blasen, auf dem Weg durch die Galaxien mit dem Sänger als Venus und Mars. "Space" heißt das verrückte Stück, denn, wenn schon nicht auf der Erde, könne man sich schließlich im Weltraum vereinigen.
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Die sehr passend dazu recht simpel geratene Musik wurde von ESC-erfahrenen Schweden komponiert (u.a. Stefan Örn, der den 2011-Gewinner "Running Scared" schrieb) und dürfte den Song Contest beleben: Zum einen fällt er dieses Jahr insgesamt sehr balladenlastig aus, etwas Uptempo kann da nicht schaden. Zum anderen fehlen beim Contest in Kiew, der unter dem Motto "Celebrate Diversity" steht, bislang die queeren Momente (auch wenn Litauen – Litauen! – sich beim Vorentscheid am Samstag noch für die in einer Vorrunde rausgekegelte und per Online-Voting zurückgeholte Drag Queen Lolita Zero entscheiden könnte).
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So bleibt also zu hoffen, dass Kalezic es nicht nur in den Weltraum schafft, sondern auch ins ESC-Finale am 13. Mai. Montenegro tritt im ersten Halbfinale an, Deutschland stimmt beim zweiten ab. (nb)















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