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Zunahme an Gewalttaten

LGBTI-feindliche Angriffe in Berlin erreichen neuen Höchstwert

Die Beratungsstelle ReachOut registrierte im vergangenen Jahr 70 Angriffe mit homo- oder transphobem Hintergrund – 62 Prozent mehr als 2015.


Ein Foto aus unserem Archiv: Damian Furtch wurde 2011 in New York City Opfer eines schwulenfeindlichen Angriffs

ReachOut, die Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, zählte für das Jahr 2016 insgesamt 70 Gewalttaten gegen LGBTI. Dies stellt eine Zunahme von 62 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 43 Fällen dar, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Jahresstatistik. Zwischen 2008 und 2014 wurden in der Hauptstadt jeweils zwischen 9 und 44 Angriffe auf queere Menschen gezählt.

Die LGBTI-feindlichen Angriffe geschehen meistens nachts, hauptsächlich in Kreuzberg, Neukölln, Mitte und Tiergarten – dort kam es 2016 zu jeweils zwischen 10 und 12 Gewalttaten. "Dabei handelt es sich um innerstädtische Bezirke, in denen es Treffpunkte und Partymöglichkeiten gibt und die Betroffenen davon ausgehen, dass sie sich frei bewegen können", heißt es dazu in einer Pressemitteilung von ReachOut. Im Szene-Stadtteil Schöneberg wurden im vergangenen Jahr sechs Angriffe dokumentiert (Bezirksstatistik als PDF).

Auch rassistische Gewalt nimmt zu

Insgesamt verzeichnete ReachOut 380 Angriffe aus gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit für das Jahr 2016. Das stellt einen Anstieg von fast 20 Prozent der Gewalttaten und massiven Bedrohungen im Vergleich zu 2015 dar. Rassismus steht als Tatmotiv im Vordergrund. Im Umfeld von Geflüchtetenunterkünften erfuhr das Projekt von 41 Angriffen.

ReachOut ist ein Projekt von ARIBA e.V. und wird gefördert durch das Berliner Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Seit 2003 veröffentlicht es jährlich die recherchierten Angriffszahlen. Nicht gezählt werden Propagandadelikte, Beleidigungen und Sachbeschädigungen, wenn keine Personen dabei gefährdet sind. Differenzen zu polizeilichen Angaben ergeben sich nach Angaben des Projekts unter anderem durch unterschiedliche Einschätzungen der Tathintergründe. Außerdem erfährt ReachOut von Fällen, die nicht angezeigt werden.

Senator fordert "deutliche Reaktionen von Polizei und Justiz"

Die neuen Zahlen von ReachOut verlangten "deutliche Reaktionen von Polizei und Justiz für die Täter und unser aller Solidarität für die Opfer", erklärte Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Donnerstag in einer Pressemitteilung. Er ließ jedoch offen, was genau er damit meint: "Dass wir Menschen in diesen Situationen eine professionelle Hilfe über ReachOut anbieten können, zeigt, wie wichtig die Förderung zivilgesellschaftlicher Projekte gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie ist. Wir müssen der Realität ins Auge blicken, dass wir auch im liberalen Berlin rechter Gewalt entschlossen entgegen treten müssen."

In einem Gastbeitrag für queer.de forderte Berlins schwuler CDU-Generalsekretär Stefan Evers Anfang des Monats mehr Videoüberwachung zum Schutz vor homo- und transphober Gewalt. (cw)

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#1 Torsten IlgAnonym
  • 16.03.2017, 18:31h
  • Eine Unterscheidung aus welchen Gründen LGBTI-Menschen Opfer von Gewalt werden ist sicher wichtig und richtig. Pauschalierte Begriffe wie Hasskriminalität vernebeln die Zusammenhänge und erschweren die Arbeit der Polizei. Aber jede verbesserte Kriminalitätsstatistik wird nur dann sinnvoll, wenn neben politischen Motiven auch andere Merkmale, wie z.B. der kulturell-ethnologische Hintergrund, soziale Komponenten, sowie religiöse Bindungen beleuchtet werden.
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#2 SebiAnonym
  • 16.03.2017, 19:08h
  • Was muss noch alles passieren, ehe die Politik endlich aufwacht?
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#3 TheDad
  • 16.03.2017, 22:27hHannover
  • Antwort auf #1 von Torsten Ilg
  • Blanker Unsinn..

    "Hasskriminalität" dient als Begriff nicht nur der Verdeutlichung der Motivlage, sondern dann auch Strafverschärfend für die Täter*innen..

    Zusätzlich geht es hier auch nicht nur um Angriffe gegen LGBTTIQ*-Menschen, sondern auch um Antisemitische Überfälle, und um rassistische Überfälle..

    Was hier übrigens auch deutlichem macht mit welchen Verursachern man es mit den Täter*innen AUCH zu tun hat..
    Einheimische..

    ""Aber jede verbesserte Kriminalitätsstatistik wird nur dann sinnvoll, wenn neben politischen Motiven auch andere Merkmale, wie z.B. der kulturell-ethnologische Hintergrund, soziale Komponenten, sowie religiöse Bindungen beleuchtet werden.""..

    Solche "Merkmale" werden erfasst..
    Bis auf den "religiösen Hintergrund"..
    Der unterliegt dem Datenschutz..
    Veröffentlicht werden diese Daten auch weiterhin nicht, sie dienen nur dem "internen Gebrauch" bei Polizei und Justiz..
  • Direktlink »