https://queer.de/?28466
Philippinen
"Weil wir Katholiken sind": Präsident Duterte lehnt Ehe-Öffnung ab
Im Wahlkampf hatte Rodrigo Duterte noch die Bibel kritisiert, weil darin Schwule und Lesben nicht erwähnt werden. Jetzt nennt er die Heilige Schrift als Grund, warum er gegen die Ehe für alle ist.

Präsident Rodrigo Duterte gewann sein Amt nach einem populistischen Wahlkampf ein halbes Jahr vor dem Sieg von Donald Trump
- 20. März 2017, 14:33h 3 Min.
Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat am Sonntag Bestrebungen zur Ehe-Öffnung in seinem Land kritisiert. Bei einer Veranstaltung vor Exil-Philippinern in Myanmar begründete er laut Medienberichten die Ablehnung mit dem katholischen Glauben. Damit führt der frühere Bürgermeister von Davao-Stadt offenbar eine 180-Grad-Wende durch: Im vergangenen Jahr hatte er im Wahlkampf erklärt, er habe keinerlei Probleme mit der Ehe für alle.
Duterte begründete seine Ablehnung in Myanmar mit einer aktuellen Titelgeschichte des US-Nachrichtenmagazins "Time", in der es um die sich verändernde Definition von Geschlecht geht: "Das ist deren Kultur", sagte Duterte, der nicht weiter darauf einging, ob er sich nur auf Amerikaner oder generell auf den Westen berufe. "Das ist für diese Leute. Das kann nicht auf uns zutreffen, weil wir Katholiken sind". Außerdem gebe es auf den Philippinen Gesetze, wonach die Ehe nur zwischen Mann und Frau gestattet sei. Niemand habe das Recht, das zu ändern und damit "die tiefe Kluft zwischen Mann und Frau zuzuschütten."
Der Präsident behauptete ferner, dass er kein Problem mit Schwulen und Lesben habe. Immerhin seien zwei seiner Schwager und einige weitere Angehörige homosexuell. Aber man müsse trotzdem die Lehren der Bibel berücksichtigen.
Duterte beklagte einst "Fehler in der Bibel"
Im Wahlkampf hatte Duterte noch ganz anders geklungen. Im Januar 2016 hatte er etwa gesagt, dass es scheinbar einen "Fehler in der Bibel" in Bezug auf die Ehe gebe. Eigentlich müssten Ehen für "Adam, Eva und die Homosexuellen" möglich sein.
Als Präsident machte der Politiker, der wegen seiner populistischen Äußerungen berüchtigt ist, aber vergangenen Sommer auch mit einer homophoben Attacke gegen den damaligen US-Botschafter in seinem Land von sich reden: Das Staatsoberhaupt bezeichnete Philip Goldberg als "schwulen Hurensohn" (queer.de berichtete).
Über 80 Prozent der 100-Millionen Einwohner auf den Philippinen sind Katholiken. Laut Umfragen sprechen sich zudem mehr als zwei Drittel der Bevölkerung gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht aus. Dennoch hatte es wiederholt Anläufe im Parlament für die Ehe für alle gegeben, den ersten bereits 1999. Derzeit blockieren allerdings die Abgeordneten Gesetzesentwürfe, die LGBTI-Rechte ausweiten. Zu den Senatoren gehört auch der homophobe Boxer Manny Pacquiao, der in der Vergangenheit unter Verweis auf die Bibel die Todesstrafe für Homosexuelle gefordert hatte (queer.de berichtete).
Präsident Duterte wies in Myanmar auch scharfe Kritik von europäischen Politikern an seiner Menschenrechtspolitik zurück – mit gewohnt markigen Sprüchen. Das Europaparlament hatte vergangene Woche die "hohe Zahl" illegaler Tötungen im philippinischen Anti-Drogen-Kampf beklagt, weil Tausende mutmaßliche Dealer und Süchtige in den letzten zehn Monaten seit Dutertes Amtsantritt unter ungeklärten Umständen zu Tode kamen, davon viele in Polizeigewahrsam. Duterte hatte als Kandidat und Präsident jedoch stets betont, dass er Selbstjustiz gegen Dealer unterstütze. Die Europäer sollte sich "um ihre Sachen kümmern", forderte er nun. Weiter erklärte der 71-Jährige: "Warum wollt Ihr uns verarschen, verdammt noch mal?" (dk)















"Der seit dem 30. Juni 2016 als Präsident der Philippinen amtierende Rodrigo Duterte tat sich bereits im Wahlkampf mit populistischen Sprüchen hervor. Nun zieht er durch, was er angekündigt hat: Er hat die Öffentlichkeit dazu aufgerufen, alle umzubringen, von denen bekannt sei, dass sie Drogen gebrauchen. Bis Ende Januar 2017 sind dem Mordaufruf über 7000 Menschen zum Opfer gefallen, mindestens 2.500 von ihnen wurden von der Polizei getötet.
Duterte vergleicht sich selbst gerne mit Adolf Hitler: "Hitler hat drei Millionen Juden massakriert. Hier sind drei Millionen Drogenabhängige. Ich würde sie gerne umbringen", sagte er öffentlich in seiner Heimatstadt. Nur so sei das Problem mit den "kriminellen" Drogengebraucher_innen auf den Philippinen zu lösen - es gelte, die nächste Generation vor dem Verderben zu bewahren."
magazin.hiv/2017/02/23/stoppt-die-morde-an-drogengebraucher_
innen/