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"Wir dulden keine Diskriminierung"
Berliner Politik stellt sich hinter schwulen Kita-Erzieher
Ein Kita-Streit um homophobe Eltern und einen schwulen Erzieher erreicht die Berliner Politik.

In mehreren Bundesländern klären Info-Materialien schon an Kitas über Vielfalt auf (Bild: MFFJIV Rheinland-Pfalz)
- 29. März 2017, 10:53h 2 Min.
Berliner Politiker betonen nach erheblichen Protesten gegen einen schwulen Kita-Betreuer, dass Diskriminierung in der Hauptstadt nicht geduldet werde. Anlass war ein Bericht des "Tagesspiegel" vom Montag, in dem von muslimischen Eltern die Rede war, die im Bezirk Reinickendorf massiv gegen einen homosexuellen Erzieher mobil gemacht hätten.
Um welche Kita es sich handelt, ist unklar – alle Angaben und Namen wurden anonymisiert. "Sie gingen auf die Barrikaden", zitiert die Zeitung die Geschäftsführerin der Einrichtung, in der fast ausschließlich Kinder von Migranten betreut würden, mit drastischen Worten: "Für einige von ihnen ist ein Homosexueller automatisch ein Kinderschänder." Die Kita habe den Erzieher gegen die Anfeindungen unterstützt. Laut "Tagesspiegel" leide er jedoch unter dem Druck und Misstrauen der homophoben Elternschaft.
Auch muslimische Eltern müssen "andere sexuelle Orientierungen" akzeptieren
"Wir dulden keine Diskriminierung", erklärte die Berliner Jugend- und Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD) nach Bekanntwerden der Vorwürfe. Sie verwies darauf, dass männliche Erzieher generell einen schweren Stand an Kitas hätten und möchte gegensteuern: "Wir möchten den Anteil der männlichen Erzieher in den Kitas erhöhen, da diese ein wichtiges Rollenvorbild für die Kinder sind." Derzeit liegt die Männerquote bei Kitas in Berlin bei unter zehn Prozent.
Melanie Kühnemann, die Berliner SPD-Sprecherin für Familien-, Jugend- und Queerpolitik, betonte außerdem: "Muslimische Eltern haben zu akzeptieren, dass es auch andere sexuelle Orientierungen gibt." Ähnliche Äußerungen kamen auch von Vertretern anderer Parteien. So erklärte die CDU-Abgeordnete Katrin Vogel: "Wenn man Religionsfreiheit fordert, gilt das auch für die sexuelle Orientierung." Hakan Tas von der Linkspartei sagte, man müsse aufklärerische Gespräche mit muslimischen Eltern führen – auch die islamischen Verbände seien bei diesem Thema "in der Pflicht".
Freilich gibt es nicht nur unter Muslimen Vorbehalte gegen schwule Kita-Betreuer: Bei einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr gab einer von fünf Deutschen an, er lehne es ab, dass ein homosexueller Mann seine kleinen Kinder betreut (queer.de berichtete).
Auch lesbische oder schwule Mitarbeiter bei christlichen Kinder-Einrichtungen müssen noch heute mit offener Homophobie rechnen. So entließ ein katholischer Kindergarten in Neu-Ulm 2012 eine Erzieherin wegen ihrer Homosexualität (queer.de berichtete). 2015 feuerte die katholische Kirche eine Lehrerin in Remscheid, weil diese sich verpartnert hatte (queer.de berichtete). Dabei hatte die katholische Kirche erst kurz zuvor ihr Arbeitsrecht ein wenig liberalisiert und versprochen, weniger Schwule und Lesben zu feuern (queer.de berichtete). Wegen der anhaltenden Bedrohung rät der Lesben- und Schwulenverband nach wie vor allen Nicht-Heterosexuellen, die für die katholische Kirche arbeiten, eine Verpartnerung geheim zu halten. (dk)















--> Das hat die Deutsche Bischofskonferenz der Katholiken nicht nur versprochen, sonderen das ist in den reformierten kirchenarbeitsrechtlichen Regelungen festgeschrieben.
Eine arbeitsrechtliche Kündigung eines Mitarbeiters wegen seiner sexuellen Orientierung oder wegen Eingehens einer Lebenspartnerschaft am Standesamt, bei der Katholischen Kirche ist in allen (!!!) Bistümern in Deutschland mittlerweile verboten und eine solche Kündigung hat vor den katholischen Kirchengerichten kein Bestand. Die Leitung der Caritas hat diese arbeitsrechtliche Reform ausdrücklich begrüßt.
Es ist erfreulich, dass zumindest diesbezüglich sich mit dem Amtsantritt von Papst Franziskus die Rechtslage bei den Katholiken im Arbeitsrecht zugunsten homosexueller Mitarbeiter verbessert hat.