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Einzelkommentar zu:
KKV kämpft mit Verschwörungstheorien gegen die Ehe für alle


#34 FaktencheckAnonym
  • 06.04.2017, 17:05h
  • Antwort auf #32 von Wehner KKV
  • "weil Ungleiches nicht gleich behandelt werden kann."

    Das stimmt. Ein kinderloses Hetero-Ehepaar sollte nicht gleich behandelt werden wie ein homosexuelles Paar mit Kindern. Alle Paare, die Kinder aufziehen allerdings schon, alle Paare ohne Kinder auch. Das gebietet das Gerechtigkeitsempfinden, das sich mittlerweile sowohl in der Mehrheit der Bevölkerung als auch beim BVerG durchgesetzt hat.

    Der Verweis auf rein theoretische Kinder hat noch nie ausgereicht, um das Argument realer Kinder, die eben in verschiedenen Konstellationen vorkommen, auszustechen. Mit Ihrem Argument der "eigenen" Kinder müsste man übrigens konsequenterweise alle Paare mit Adoptivkindern diskriminieren und alle Patchworkfamilien auch. Gesunder Menschenverstand geht anders.

    Das Recht auf Eheschließung ist in Deutschland nicht an die Fruchtbarkeit und nicht einmal an einen theoretischen Kinderwunsch gekoppelt. Das war es noch nie, und das hat auch einen guten Grund. Ihre Argumentation blendet die Realität einfach aus, dass es heterosexuelle Paare ohne Kinder und homosexuelle Paare mit Kindern gibt.

    Das BVerfG ist da weiter als Sie und hat inzwischen klargestellt, dass das Vorhandensein von Kindern längst nicht mehr generell wesenhaft für eine Ehe ist und dass Kinder auch von homosexuellen Paaaren in gleichwertigen Familienverhältnissen aufgezogen werden.

    "Im Übrigen kenne ich auch keine Gemeinschaften oder Gesellschaften von Menschen in der bisherigen Geschichte, die je für eine Mann-Mann oder Frau-Frau Beziehung ein Institut angeboten hätten, schon gar nicht mit der Bezeichnung Ehe."

    Nicht alles, was Sie nicht kennen, existiert deswegen nicht. Gleichgeschlechtliche Eheschließungen gab es immer wieder in verschiedensten Kulturen. Aktuell wird z.B. die traditionelle (!) Frauenehe in Tansania wieder populärer (einfach mal googeln).

    Mit dem Argument "das gab es bisher noch nirgendwo in der ganzen Geschichte" hätten übrigens auch der erste Ackerbau und die Erfindung des Rades verhindert werden können. Das ist also ein sehr dummes Argument.

    "Diese Sichtweise entspricht nicht nur dem christlichen Menschenbild"

    Das ist kein politisches Argument.

    "und dem Schöpfungsbericht der Bibel"

    Wohin es führen kann, religiöse Mythen zur Grundlage von Politik zu machen, sehen wir nicht unbedingt an den erfreulichsten Beispielen der Menschheitsgeschichte. Auch das ist also kein wirklich gutes Argument.

    "sondern auch dem gesunden Menschenverstand sowie dem Naturrecht."

    So gesund ist der Menschenverstand nicht, wenn er Diskriminierungen für sinnvoll hält. Das "Naturrecht" halte ich als Argumentationsgrundlage für ebenso fragwürdig wie religiöse Mythen. Was soll das sein, Naturrecht, und wer legt es fest? Auf das angebliche "Naturrecht" berufen sich immer nur Menschen, denen reale Argumente fehlen. Da werden rein ideologische Festlegungen für unhinterfragbar erklärt - eine höchst verdächtige Strategie.

    "Daher gehört es auch zur Grundstruktur des verfassungsrechtlichen Eheverständnisses, dass die Ehe von einer Frau und einem Mann eingegangen wird. Denn Ehe und Familie sind wesenhaft miteinander verknüpft."

    Das verfassungsrechtliche Verständnis von Ehe und Familie ist nicht statisch, wie Sie unterstellen, sondern es ändert sich soeben, da es sich auch gesellschaftlichen Entwicklungen anpasst. Dass auch Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern unter den Schutz des Art. 6 GG fallen, hat das BVerfG schon vor ein paar Jahren ausdrücklich und eindeutig festgestellt. Auch das können Sie leicht nachprüfen, wenn Sie es nicht einfach ignorieren wollen, als wäre es nicht passiert.

    "Schließlich ist die Gemeinschaft von Mann und Frau die einzige Verbindung, aus der Kinder hervorgehen können."

    Nein, das ist sie nicht. Jedenfalls gehört zum Kinderzeugen keine dauerhafte Gemeinschaft und schon gar keine Ehe. Entscheidender für den Fortbestand der Gesellschaft ist nicht das Zeugen, sondern das Aufziehen und Versorgen von Kindern. Hierfür braucht es keine Ehe, keine Heterosexualität und schon gar keine Diskriminierung.

    "Man kann es gar nicht oft genug wiederholen."

    Doch, kann man. Und es wird nicht wahrer durch Wiederholung, sondern allenfalls nerviger.

    "dass man das Eigenprofil der Ehe nicht schwächen sollte, indem man die gleichgeschlechtliche Partnerschaft der Ehe in allen Aspekten gleichstellt."

    Es wird kein einziges Kind weniger geboren, wenn man die Ehe öffnet. Diese Argumentation ist nicht nur unplausibel, sondern die Realität in allen Ländern mit der Eheöffnung widerlegt sie. Sie befinden sich da auf einem argumentativen Holzweg.

    "In der Hoffnung mit meinen Zeilen zur Versachlichung des Themas beigetragen zu haben"

    Im wiederholten Verweis auf religiöse Mythen sehe ich eher einen Beitrag zur Verunsachlichung. Die neueren Entscheidungen des BVerfG einfach zu ignorieren, spricht auch nicht gerade für Sachlichkeit, sondern für Realitätsverdrängung. Das selbe gilt für die vollkommen irrationale Idee, die Eheöffnung müsse dazu führen, dass weniger Menschen heiraten und Kinder bekommen.

    Alle Ihre Argumente sind abwegig, gerechtigkeitswidrig, unplausibel oder irrational. Oder alles auf einmal.
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