Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://www.queer.de/detail.php?article_id=28588
Home > Kommentare

Einzelkommentar zu:
KKV kämpft mit Verschwörungstheorien gegen die Ehe für alle


#49 SVFvSilberhornAnonym
  • 07.04.2017, 16:46h
  • Antwort auf #32 von Wehner KKV
  • ""Schließlich hat sich die auf Dauer ausgelegte heterosexuelle Beziehung (= Ehe) im Verlauf der Menschheitsgeschichte relativ kulturübergreifend nicht nur als überaus stabile Institution erwiesen, sondern sie ist auch die einzige Form menschlichen Zusammenlebens, das auf die Zeugung von Kindern ausgelegt ist und deshalb die Grundlage eines jeden Staates ist. Sie ist in diesem Sinne unvergleichbar mit anderen Formen menschlichen Zusammenlebens. ""

    Entspricht beides nicht der (einzigen) Wirklichkeit, erstens ist die Menschheitsgeschichte hier nur sehr kurz beleuchtet und die "Ehe-Kultur" wohlrecht auf das christliche Weltbild reduziert. Es wäre auch gar nicht möglich, alle Kulturen und ihre verschiedenen Paarbildungsformen seit den Australopithecenen hier nachzuvollziehen, soweit darüber etwas erforscht wurde. Zweitens gehen auch aus nicht ehelich beschlossenen Paarverbindungen Kinder hervor, was sogar verleugnete Kinder von katholischen Geistlichen beweisen, noch mehr zig Tausende so genannter unehelich gezeugter Kinder einschließlich aller Kinder aus flüchtigen Kontakten, One-Night-Stands ect. Auch Bisexuelle zeugen Kinder und es gibt moderne Methoden, Kinder sogar außerkörperlich zu zeugen, Invitrofertilisation. Weitere Möglichkeiten sind biologisch nicht abwegig. In nahender Zukunft wird es kein sonderliches Problem sein, ein Kind aus den Anteilen mehrerer Personen oder von gleichgeschlechtlichen Elternteilen zu zeugen, das aber nur zur biologischen Aussicht.
    In vielen dieser Verbindungen gibt es die Absicht, Kinder zu zeugen, in anderen nicht.

    Mit der von Ihnen erwähnten Besonderheit einer Eheform mit Zeugungsbedingung werden auch viele Heterosexuelle ausgeschlossen, zum Beispiel Menschen jenseits des gebährfähigen Zeit-Rahmens, also Alte und Hochbetagte. Es werden heterosexuelle Paare diskriminiert, die zeugungsunfähig sind, oder aus Gründen des hohen Risikos erbgenetischer Krankheiten keine Kinder zeugen können. Es werden Heterosexuelle diskriminiert, die für ihr Leben keine Kinder einplanen oder aus der Überzeugung keine zeugen wollen, lieber für Adoptiv- oder Pflegekindern ein Elternpaar zu sein.
    Wie erklären Sie diesen Paaren, dass sie aufgrund einer definitiven Zeugungsbedingung keine Ehen schließen können?

    Und im gleichen Maße lehnt Ihr Konzept Menschen ab, die gute Eltern sein können, oder ihre Familienzusammengehörigkeit darauf hinaus auslegen, Kindern ein Heim, eine gesicherte Zukunft und elterliche Liebe, Geborgenheit zu geben, rein deswegen,weil sie ihrer Natur entsprechend eineN PartnerIn des gleichen Geschlechts heiraten möchten.

    Hier fehlen Argumente eines "gesunden" Menschenverstands, es scheinen viel mehr starr ideologische oder hermeneutische, möglicherweise auch rein theosophisch herangeleitete Grenzen aufrecht erhalten zu werden.

    Für Lesben und Schwule hat die Gleichstellung in der Ehe nicht nur eine symbolische Gewichtung inne. Es geht darum, allen konsensbefähigten Menschen dasselbe Recht, dieselbe Würde, dieselben Möglichkeiten zuzugestehen, so, wie das in der Verfassung der BRD garantiert wird.
    Wir hoffen noch darauf, dass die Würde es Menschen sich nicht in verschiedene Qualitätsklassen unterteilt, und nicht je nach Vereigenschaftung der Person, je nach natürlicher Verortung ihrer Partnerwahl Abstriche in diesem Rechte-Pflichten-Verhältnis hinzunehmen hat.
    Wir hoffen darauf, dass diese Abscheidekultur ein Ende in der Erkenntnis finden kann, die Qualität der menschlichen Essenz nicht anhand der Ästhetik einer Weltanschauung gemessen zu sehen.
    Es geht also nicht darum, wie viele lesbische und schwule Ehepaare faktisch entstehen mögen, sondern um die grundsätzliche Selbstverständlichkeit gleicher bürgerlicher Möglichkeiten, wie sie evtl. auch einem zeugungsunfähigen oder hochbetagten Ehepaar offen stehen. Es geht um die Augenhöhe in der Anerkennung als vollwertiger Mensch.

    Es wäre nicht schön, wenn die Festsetzung auf einen Kinderzeugungs-Soll rein aufgrund der Kosequenz logischer Schlussfolgerung dazu führt, dass in Zukunft Ehen von wie weiter oben aufgeführten Heterosexuellen annulliert werden müssen, weil aus jenen keine Kinder hervor gingen.

    Mit nachdenklichem Gruße,

    Sebastian V. F. v. Silberhorn
  • Antworten » | Direktlink » | zu #32 springen »

» zurück zum Artikel