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"Er wird nie wieder auf der Bühne stehen"
Jürgen Marcus schwer erkrankt
Der schwule Star der Siebziger nimmt wegen einer Lungenerkrankung Abschied vom Showgeschäft.

Jürgen Marcus auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Ein Plattencover aus dem Jahr 1975
- 20. April 2017, 10:03h 2 Min.
Jürgen Marcus wird wegen einer Erkrankung seine künstlerische Laufbahn beenden. Das erklärte sein Manager und Lebenspartner Nikolaus Fischer nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa. "Er wird nie wieder auf der Bühne stehen und seinem Beruf nachgehen", so Fischer am Mittwoch.
Bereits seit 2002 leide der heute 68-Jährige an COPD, einer chronischen Erkrankung der Lunge. Vor fünf Jahre habe sich der Gesundheitszustand massiv verschlechtert, daher habe sich der Sänger bereits damals aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.
Mit der Bekanntgabe der Krankheit wolle das Paar "wirre Spekulationen" beenden, die in der Öffentlichkeit kursierten. Fischer bat darum, die Privatsphäre des Sängers zu respektieren. Fischer und Marcus sind seit 1995 ein Paar und leben in München.
Star der Siebzigerjahre
In den Siebzigerjahren gehörte Marcus, ein gelernter Maschinenschlosser aus Herne, zu den erfolgreichsten deutschen Schlagersängern und war Dauergast in der ZDF-Hitparade. Zu seinen größten Erfolgen zählen "Ein Festival der Liebe", "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben" und "Ein Lied zieht hinaus in die Welt". 1976 nahm er mit dem französischsprachigen Lied "Chansons pour ceux qui s'aiment" für Luxemburg am Eurovision Song Contest teil und erreichte Platz 14.
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In den Achtzigerjahren war sein Heile-Welt-Schlager mit dem Aufkommen der Neuen Deutschen Welle allerdings nicht mehr gefragt. Marcus versuchte vergeblich, mit Chansons oder englischsprachigen Titeln an alte Erfolge anzuknüpfen.
Marcus sprach sich gegen Ehe-Öffnung aus
Marcus hatte sich nach dem Niedergang seiner Karriere in den Neunzigerjahren geoutet. Ein schwules Aushängeschild wollte er jedoch nie sein, auch weil er seine sexuelle Orientierung nur schwer mit seinem katholischen Glauben in Einklang bringen konnte. Das führte etwa dazu, dass er sich öffentlich gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht aussprach – und gleichgeschlechtliche Paare, die heiraten wollen, in der "Bild"-Zeitung als "lächerlich" bezeichnete. "Nikolaus und ich haben uns mit dem Herzen verpflichtet", so Marcus damals. "Ich finde es lächerlich, wenn Schwule heiraten. Man sollte Respekt haben vor der christlichen Institution der Ehe. Heiraten sollte nur, wer zusammen Kinder haben möchte – und haben kann!"
2013 geriet Marcus erneut in die Schlagzeilen, als er Privatinsolvenz anmelden musste. Damals sagte der Sänger, er habe sich mit einem gekauften Mietshaus in Berlin übernommen, weil die Mieter nicht zahlen würden. (dk)














