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Einzelkommentar zu:
Tschetschenien: Bundesregierung in Kontakt mit verfolgten Schwulen


#15 orchidellaProfil
  • 28.04.2017, 01:16hPaderborn
  • Antwort auf #13 von TheDad
  • Volker Beck, vormaliger Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, hat die Hintergründe für Gabriels kalkulierte Konfrontationsansage ein Stück weit aufgeklärt.

    Demnach hat er von befreundete Knesset-Abgeordeten erfahren, dass das israelische Außenministerium der deutschen Botschaft in Tel Aviv im Vorfeld des Staatsbesuchs die Gespräche mit Breaking the Silence und BTselem nicht kategorisch abgelehnt, wohl aber angeregt hatte, weitere Vertreter*innen der israelischen Zivilgesellschaft einzubeziehen. Dieses Ansinnen habe die deutsche Botschafter jedoch strikt zurückgewiesen.

    Ferner berichtet die regierungskritische israelische Zeitung Haaretz, ein Telefonat von Natanyahu mit Gabriel sei vom Auswärtigen Amt abgeblockt worden.

    Quelle:
    www.volkerbeck.de

    Lauter Indizien dafür, dass Gabriel zu keinem Zeitpunkt an einer Deeskalation des sich abzeichnenden Konflikts interessiert war, ganz im Gegenteil. Dazu noch die Selbststilisierung als Erpressungsopfer der israelischen Regierung und die ganz von sich eingenommene, die eigene Position und Bedeutung maßlos überschätzende Erklärung, für ihn sei es kein Problem, dass das Treffen mit Netanjahu nicht zustande kam. Wie realitätsblind darf ein deutscher Außenminister auf dem spiegelglatten Parkett der deutsch-israelische Beziehugen agieren? Wenn ein amtierender Außenminister bei einem Staatsbesuch vom Ministerpräsidenten ausgeladen wird, ist das alles andere als eine diplomatische Petitesse. Zumal es Gabriel war, der den Eklat in der Öffentlichkeit breittrat und nicht die - bis zuletzt eher um Diskretion bemühte - Regierung Netanjahu.

    Marieluise Beck macht nach eigenem Bekunden seit Jahren ihre Freunde von «Peace Now» und anderen linken NGOs in Israel darauf aufmerksam, dass ihre berechtigte Kritik an der israelischen Siedlungspolitik, soweit sie in internationalen Kampagnen transportiert wird, in Deutschland auf einen «hochkomplexen Resonanzboden» treffe, «in dem noch mehr Antisemitismus schlummert, als sie sich vorstellen mögen». Vor diesem Hintergrund fordert sie von der deutschen Diplomatie, den Effekt einer Verstärkung latent antisemitischer Ressentiments, oft getarnt hinter der Fassade einer wohlfeilen «Israelkritik», mitzubedenken.

    Quelle:

    www.sueddeutsche.de/politik/marieluise-beck-beifall-leider-v
    on-der-falschen-seite-1.3479403!amp


    Ich denke mal, dass Gabriel ganz kühl und opportunistisch auf Konfrontationskurs gegangen ist, um Beifall (und potentielle Wählerstimmen?) in eben jenem latent antisemitischen Milieu einzuheimsen, das von der deutschen Politik seit Jahr und Tag fordert, viel «selbstbewusster» gegenüber Israel aufzutreten.

    Ich erinnere mich noch mit Grausen daran, dass Günter Grass, ganz der Waffen-SS-Panzerschütze, der er einst war, zur Freude dieses ganz besonderen Publikumssegments mit letzter (Tinten-)Patrone scharf gegen Israel schoss, dessen Bewohner (und Nachkommen) die deutsche Mehrheitsgesellschaft ja schon in seinen Kindheits- und Jugendjahren zur Gefahr für den Weltfrieden erklärt hatte...

    Ich wünschte, Gabriel würde jenen Machthabern Nachhilfeunterricht erteilen, die Demokratie und Menschenrechte tatsächlich mit Füßen treten. Stattdessen geht er mit einem lupenreinen Autokraten wie Putin auf Kuschelkurs («Wenn man in die Vergangenheit schaut, ins Jahr 2000, dann ist überhaupt nicht klar, warum sich unsere beiden Länder in komplett unterschiedliche Richtungen entwickelten», Gabriel im Kreml, 29.10.2015 - als hätte es die völkerrechtswidrige Einverleibung der Krim und die den generalstabmäßigen Einsatz prorussischer Terroristen und eigener Soldaten in der Ostukraine nie gegeben).

    Marieluise Beck und Volker Beck - ihre kritischen Stimmen werden im kommenden Bundestag fehlen, auch als Gegengewicht zu den vielen braun-blauen Hetzern, Brunnenvergiftern und Putinverehrern, die dort im September erstmalig Einzug halten werden.
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