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Die Verlogenheit der Glaubenskongregation
Krzysztof Charamsa packt aus
Nach seinem Coming-out im Oktober 2015 wurde der polnische Theologe vom Vatikan gefeuert – in seinem neuen Buch "Der erste Stein" rechnet er nun mit der katholischen Kirche ab.

Das Kollar musste er ablegen: Heute lebt Monsignore Krzysztof Charamsa zusammen mit seinem Partner im Homoviertel von Barcelona
- 27. April 2017, 05:39h 2 Min.
Als sich Krzysztof Charamsa, hochrangiger Würdenträger der katholischen Kirche und Mitglied der Glaubenskongregation im Vatikan, im Oktober 2015 öffentlich outet, geht die Nachricht um die Welt: Ein Priester, der an der päpstlichen Universität Gregoriana lehrt und lange Jahre über Fragen des Glaubens und der Sittlichkeit entscheidet, bekennt sich zur Liebe seines Lebens – zu einem Mann. Der Vatikan enthebt ihn umgehend aller Ämter (queer.de berichtete).
In seinem Buch "Der erste Stein" (Amazon-Affiliate-Link )berichtet Krzysztof Charamsa nun sehr persönlich von seiner Herkunft, seinem Werdegang und seiner Kirchenkarriere, demonstriert die Verlogenheit der Glaubenskongregation und beschreibt die Absurdität von Doktrinen wie dem Zölibat. Dabei greift er immer wieder die homophoben Strukturen der katholischen Kirche an.
Bereits im November 2015 hatte Charamsa dem Vatikan in einem Interview vorgeworfen, Schwule und Lesben psychologisch zu töten. Die katholische Verurteilung von Homosexualität stehe "der Haltung des islamischen Fundamentalismus näher als der Vernunft" (queer.de berichtete).
Das Coming-out als große Befreiung

Charamsas Buch ist auf Deutsch am 27. April im Verlag C. Bertelsmann erschienen
Sein Buch wird für Krzysztof Charamsa erneut zu einer Abrechnung mit der Doppelmoral. Sein Coming-out schildert er als große Befreiung. Seine persönliche Geschichte ist die Geschichte "einer Kirche, die besessen ist vom Sex, die der Sex krank macht", wie er in "Der erste Stein" schreibt.
Charamsa, Jahrgang 1972, hat Philosophie, Theologie und Bioethik in Polen, der Schweiz und Italien studiert. Er wurde 1997 zum Priester geweiht und lehrte seit 2009 an der Päpstlichen Hochschule Gregoriana in Rom; 2011 wurde er in die theologische Kommission der Glaubenskongregation berufen. Nach seinem Coming-out wurde er aller seiner kirchlichen Aufgaben und Ämter entbunden.
Der Ex-Priester lebt nun zusammen mit seinem katalanischen Lebensgefährten mitten im Homoviertel von Barcelona. Er hatte ihn im Oktober 2015 auf einer Pressekonferenz der Weltöffentlichkeit vorgestellt, wie auch ein Manifest mit zehn Thesen zum Umgang der Kirche mit Homosexuellen. Darin forderte er u.a. die Abschaffung eines Papieres der Glaubenskongregation aus dem Jahr 2005 zur Vermeidung der Weihe von schwulen Priestern, an dem er damals selbst mitgewirkt hatte. Heute verdient Charamsa seinen Lebensunterhalt als Autor sowie mit Vorträgen, vor allem zu LGBTI- und Frauenrechten. (cw/pm)
Der erste Stein. Als homosexueller Priester gegen die Heuchelei der katholischen Kirche. Aus dem Italienischen von Michael Jacobs. Gebundenes Buch mit Schutzumschlag. 320 Seiten. C. Bertelsmann Verlag. München 2017. 19,99 € (ISBN: 978-3-570-10327-2). Kindle-Edition: 16,99 €
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