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Methodistenkirche
Wegen Homosexualität: Wahl von Bischöfin ungültig
Die Wahl einer lesbischen Bischöfin in der zweitgrößten protestantischen Konfession in den USA führt zu einem heftigen Streit.

Karen Oliveto darf nach dem Urteil vorläufig im Bischofsamt bleiben
- 2. Mai 2017, 11:08h 3 Min.
Die amerikanische Methodistenkirche ringt mit ihrem Umgang mit Homosexuellen: Ein Kirchengericht hat am Freitag mit sechs gegen drei Stimmen die Wahl der lesbischen Geistlichen Karen Oliveto zur Bischöfin für ungültig erklärt. Laut dem Judicial Council, dem höchste Gericht der Methodisten, kann die Bischöfin vorerst in ihrem Amt bleiben. Über ihr Schicksal müsse nun in einem Disziplinarverfahren vor Ort entschieden werden.
Oliveto war im vergangen Juli zur Bischöfin des "Mountain Sky"-Bezirks im Westen der USA gewählt worden. Sie steht damit 400 Gemeinden in Colorado, Utah, Wyoming, Montana und Idaho vor.
Die Richter entschieden, dass die Wahl einer offen lesbischen Frau gegen die Richtlinien der Kirche verstoße. Diese verbietet nach einer 1972 beschlossenen Regel, dass "selbsterklärte praktizierende Homosexuelle" geweiht werden dürfen. Homosexualität sei "unvereinbar mit der christlichen Lehre", so die nach wie vor aufgeführte Begründung.
Oliveto hofft auf einen Meinungswandel
Oliveto erklärte als Reaktion auf das Gerichtsurteil, sie hoffe, dass sich die Diskussion schon aufgrund ihrer Anwesenheit ändern werde: "Es macht einen Unterschied, wenn [eine offen homosexuelle Person] im Raum ist."
Die Entscheidung, Oliveto zunächst im Amt zu belassen, führte zu scharfer Kritik von evangelikalen Teilen der Kirche, die nun offen mit einer Abspaltung drohen. Die evangelikale Methodisten-Gruppe "Good News" erklärte etwa in einer Pressemitteilung, die Entscheidung führe zu "Verwirrung". "Viele Methodisten werden daraus schließen, dass die Kirche nicht bereit ist, die biblischen, altehrwürdigen und fundierten Lehren über sexuelle Praktiken und die Ehe zu verteidigen."
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Die Methodisten sind mit 7,4 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte protestantische Konfession ("denomination") in den USA. Weltweit gibt es zwölf Millionen Methodisten, in Deutschland sind es 34.000.
Politisch gilt die Kirche in den USA als relativ liberal; sie setzt sich etwa für die Reglementierung von Waffenbesitz ein oder erkennt die Evolutionstheorie an. Beim Thema Homosexualität ist sie allerdings noch abwartend: Erst 2012 wurde bei einer Synode das Verbot von Ehezeremonien und Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare von der Mehrheit der Delegierten bestätigt. Bei der nächsten Synode im Jahr 2019 steht das Thema erneut auf der Tagesordnung.
Trotz des Homo-Verbots im Priesteramt werden offen homosexuelle Pfarrerinnen oder Pfarrer geduldet und Kandidaten für geistliche Ämter nicht nach ihrer sexuellen Orientierung befragt. Erst im vergangenen Jahr gab es ein Massen-Coming-out von mehr als 100 Amtsträgern (queer.de berichtete).
Das Thema Homosexualität ist auch in anderen evangelischen Kirchen der USA hoch umstritten: So schwelt seit über zehn Jahren ein Streit in der anglikanischen Episkopalkirche, die sich an der Wahl von Gene Robinson zum Bischof von Massachusetts im Jahr 2003 entzündet hatte (queer.de berichtete). Der Streit konnte bislang nicht beigelegt werden. Erst im vergangenen Jahr beschlossen die Anglikaner Sanktionen gegen die US-Kirche wegen ihrer homofreundlichen Haltung (queer.de berichtete). (dk)















1) Zu den Anglikanern sei hinzugefügt:
Die Anglican Church of Canada hat öffentliche Segnungsgottesdienste kirchenrechtlich erlaubt. Und offen homosexuelle Bischöfe wie Kevin Robertson in Toronto wurden ordiniert, ohne das es diesbezüglich "grossen Stress" gab.
Die anglikanische Episkopalkirche der Vereinigten Staaten ist bereits "ein Stück" weiter, als der Bericht es wiederspiegelt; nicht nur Gene Robinson auch weitere anglikanische Bischöfe, die offen homosexuell sind, wurden mittlerweile ordiniert (Mary Douglas Glasspool;).
2) Es gibt eine Reihe weiterer christlicher Kirchen, die in den USA homosexuelle Paare öffentlich segnen ("ein Ehesakrament gibt es bekanntlich seit der Reformation in den protestantischen Kirchen nicht"). Zu nennen sind unter anderem Metropolitan Community Church, United Church of Christ, Moravian Church (Herrnhuter Brüdergemeine), Church of Christ (Disiples of Christ), Unity Church, Quäker. Als letzte bedeutende christliche Kirche folgte vor drei Jahren dann die Presbyterian Church (USA), die sich homosexuellen Paaren öffnete und Segnungsgottesdienste ermöglichte.
3) Zu den Methodisten:
Dort "tobt" der Streit um die Anerkennung seit Jahren mittlerweile am Stärksten, weil die Methodisten eine gemeinsame religiöse Herkunft mit den Anglikanern haben ("die Methodisten sind eine Abspaltung von den Anglikanern"). Das Problem der UMC ist, dass dort nicht nur US-amerikanische Bischöfe auf Kirchenebene mitabstimmen, sondern auch afrikanische Bischöfe der UMC, wo die Methodisten missioniert haben.
Es bleibt abzuwarten, ob sich die Methodisten den anderen "mainline" Kirchen anschließen, was LGBT-Rechte angeht.