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Nur acht Angeklagte vor Gericht erschienen

Nigeria: Prozess gegen 53 mutmaßliche Schwule beginnt

Ein Gericht hat Haftbefehl gegen mutmaßliche Schwule erlassen, die nicht zu einer Verhandlung erschienen waren. Den Männern wird die Teilnahme an einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit vorgeworfen.


Protestaktion gegen die staatliche Verfolgung von Homo­sexuellen in Nigeria (2014 in London) (Bild: Peter Tatchell Foundation)

  • 9. Mai 2017, 12:54h 17 2 Min.

Die meisten der vor gut drei Wochen festgenommenen 53 Männer, die angeblich an einer gleichgeschlechtlichen Eheschließung in der nordnigerianischen Stadt Zaria teilgenommen haben, sind nicht zu ihrem Prozess erschienen. Wie die nigerianische Zeitung "Daily Post" meldet, seien nur acht der Männer bei einer Gerichtsverhandlung am Montag aufgetaucht. Daher habe die Staatsanwaltschaft gegen die anderen 45 Männer, die auf Kaution freigekommen waren, Haftbefehl erteilt. Der Richter setzte einen neuen Verhandlungstermin für den 31. Mai fest.

Die Männer waren am 15. April in einem Hotel festgenommen worden, weil sie Gäste einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit gewesen sein sollen (queer.de berichtete). Darauf stehen in Nigeria bis zu zehn Jahre Haft.

Verteidiger Yunusa Umar, der mehrere der Beschuldigten vertritt, erklärte laut "Daily Post", die meisten Angeklagten seien Studenten und lebten weit entfernt. Einige von ihnen hätten angenommen, das Verfahren finde später statt. Ferner erklärte er, die Beschuldigten hätten nicht an einer verbotenen gleichgeschlechtlichen Ehe-Schließung teilgenommen, sondern an einer Geburtstagsfeier.

Bereits kurz nach der Festnahme hatte Umar scharfe Kritik an den Behörden geübt: So seien die meisten der Männer gesetzeswidrig für mehr als 24 Stunden festgehalten wurden, ohne dass ein Haftbefehl ausgesprochen wurde.

Aktivisten: Wer sich in Nigeria für LGBTI-Rechte einsetzt, wird verfolgt

Die Festnahme der Männer hatte zu scharfer internationaler Kritik geführt. So erklärte Maria Sjodin von der in New York ansässigen LGBTI-Organisation OutRight Action International, die Behauptung, die Männer hätten an einer gleichgschlechtlichen Eheschließung teilgenommen. sei eine "Ausrede für die Niederschlagung einer entstehenden LGBTQ-Bewegung" in Nigeria gewesen. "Nur die Polizei behauptet, es habe eine Hochzeitsfeier stattgefunden", so Sjodin gegenüber dem US-Sender NBC. "Die Polizei nutzt das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe als Vorwand für Massenverhaftungen. Vielleicht wollen einige Beamte damit auch Schmiergelder kassieren". Die Aktivistin kritisierte weiter: "Das nigerianische Gesetz geht viel weiter als bloß Homo-Ehen zu verbieten; jeder, der sich für die Bürgerrechte von sexuellen oder geschlechtlichen Minderheiten einsetzt, wird verfolgt."

Nigeria, mit 185 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas, hatte erst 2014 trotz scharfer internationaler Proteste seine Gesetze gegen Homosexuelle verschärft (queer.de berichtete). Unterstützt wird die Verfolgung von Homosexuellen im Land von einer großen Mehrheit der Bevölkerung. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2015 halten 87 Prozent der Nigerianer die Verfolgung von Schwulen und Lesben für gerechtfertigt. Auch die katholische Kirche unterstützt diese Politik (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 FinnAnonym
  • 09.05.2017, 15:12h
  • "Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2015 halten 87 Prozent der Nigerianer die Verfolgung von Schwulen und Lesben für gerechtfertigt. Auch die katholische Kirche unterstützt diese Politik"

    Da sieht man wieder mal:
    dort wo die Katholiban ungehindert hetzen kann, tut sie das auch. Nur dort, wo das schlecht fürs Marketing ist, haben diese Hassprediger Kreide gefressen.
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#2 SebiAnonym
  • 09.05.2017, 15:13h
  • Was für ein Barbarenstaat, wo fast 90% der Bürger die Verfolgung auch noch gutheißen.
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#3 panzernashorn
  • 09.05.2017, 15:40h
  • Wenn solche kriminellen Auswüchse auch noch von dem Großteil der Bevölkerung gut geheißen werden, ist das ein perfekter Beweis für geistige Unterentwicklung und zugleich für dringend nötige BILDUNG!

    "Wissen gegen Religiotie"

    Unglaublich, dass in der heutigen Zeit derartige Zustände noch möglich und sogar teilweise gefördert sind.
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