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Ehe-Verbot für Schwule und Lesben gefordert

Rumänien: Homophobes Referendum nimmt erste Hürde

Das EU-Land will seine Bürger darüber abstimmen lassen, ob in der Verfassung ein Ehe-Verbot für Schwule und Lesben verankert wird.


Nur wenige Parlamentarier stimmten gegen das gegen Schwule und Lesben gerichtete Referendum

  • 10. Mai 2017, 15:59h 51 3 Min.

Die Abgeordnetenkammer des rumänischen Parlaments hat am Dienstag mit überwältigender Mehrheit beschlossen, dass ein Referendum über eine homofeindliche Verfassungsänderung abgehalten werden soll. In Artikel 48 der Verfassung soll demnach die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert werden.

232 Abgeordnete stimmten für die Initiative, 22 votierten dagegen, 13 Parlamentarier enthielten sich. Damit ein Volksentscheid durchgeführt wird, ist noch eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Senat notwendig.

Damit das Referendum erfolgreich ist, würde eine einfache Mehrheit der Abstimmenden ausreichen. Notwendig ist lediglich ein Beteiligungsquorum von 30 Prozent aller Wähler – es müssten also mindestens fünf Millionen Rumänen an die Urnen gehen. Eine Mehrheit gilt als praktisch sicher – laut Umfragen spricht sich weniger als ein Viertel der Bevölkerung für die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht aus.

Anlass für die Entscheidung war eine von der orthodoxen Kirche unterstützte Petition der sogenannten "Koalition für die Familie", die im vergangenen Jahr drei Millionen Unterschriften für ein verfassungsmäßiges Verbot der gleichgeschlechtlichen Eheschließung gesammelt hatte (queer.de berichtete). Die Verfassung spricht bisher geschlechtsneutral davon, dass zwei Eheleute heiraten können. Schwulen und lesbischen Paaren ist die Ehe allerdings seit 2008 einfachgesetzlich verboten. Der Oberste Gerichtshof erklärte eine derartige Abstimmung nach einer Klage von LGBTI-Aktivisten für rechtmäßig (queer.de berichtete).

"Ein beschämenden Tag für das Parlament"

Die LGBTI-Organisation MozaiQ kritisierte die Entscheidung des Parlaments als "beschämenden Tag für das Parlament in Rumänien". Statt europäische Werte hochzuhalten, würde das Land dem Druck der orthodoxen Kirche und von aus den USA finanzierten evangelikalen Organisationen nachgeben. Die "Koalition für die Familie" ist über das europäische Bürgerbegehren "Vater, Mutter, Kind" auch lose mit der deutschen "Demo für alle" verbunden.

MozaiQ kündigte Protestaktionen an – beginnend mit dem CSD Bukarest, der am 20. Mai stattfinden wird. Bürgerrechtler hatten in der Vergangenheit stets Referenden zur Einschränkung von Minderheitenrechten kritisiert. Diese würden praktisch immer dazu beitragen, dass eine aggressive Atmosphäre gegen die entsprechende Bevölkerungsgruppe entstehe und zu gewalttätigen Übergriffe führe.

Sämtliche Nachbarländer Rumäniens haben bereits das Eheverbot für Schwule und Lesben in ihrer Verfassung verankert. Auch in mehreren weiteren Staaten im Osten der EU hat das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe Verfassungsrang, darunter auch Polen. Zuletzt gab es in Kroatien ein Referendum zu diesem Thema: 2013 stimmten fast zwei Drittel der Kroaten für die Festschreibung der Ehe als Verbindung von Mann und Frau (queer.de berichtete).

Das deutsche Grundgesetz enthält kein ausdrückliches Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe. Allerdings behaupten Unionspolitiker, dass in Artikel 6 ein implizites Ehe-Verbot enthalten sei (es heißt darin schlicht: "Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung"). Der CDU-Politiker und NRW-Spitzenkandidat Armin Laschet erklärte etwa unlängst: "Das Grundgesetz definiert Ehe als Verbindung von Mann und Frau und das Bundesverfassungsgericht hat diesen Ehebegriff präzisiert, in dem es die Ehe als juristische, soziale und emotionale, auf Dauer angelegte Partnerschaft von Mann und Frau versteht" (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 RobinAnonym
  • 10.05.2017, 18:17h
  • Man hätte Rumänien (ebenso wie Bulgarien, Polen und Ungarn) niemals in die EU aufnehmen dürfen.

    Zumindest so lange nicht, bis sich einiges grundsätzlich geändert hätte.

    Diese Blauäugigkeit einiger Eurokraten, die naiv dachten, das käme alles von alleine, hat der EU bereits massiv geschadet und wird noch viel Schäden anrichten.
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#2 usererEhemaliges Profil
  • 10.05.2017, 19:02h
  • Und wieder sind es Christen, die ihren religionsideologischen Hass in die säkulare Gesellschaft tragen.

    Man sollte allen Religionsvertreter_innen m. E. ein Verbot auferlegen öffentlich zu sprechen und ihre zerstörerische Kraft auf Erwachsene innerhalb ihrer Vereine begrenzen.
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#3 Paulus47Anonym
  • 10.05.2017, 20:24h
  • Antwort auf #2 von userer
  • @userer
    "Und wieder sind es Christen, die ihren religionsideologischen Hass in die säkulare Gesellschaft tragen.

    Man sollte allen Religionsvertreter_innen m. E. ein Verbot auferlegen öffentlich zu sprechen und ihre zerstörerische Kraft auf Erwachsene innerhalb ihrer Vereine begrenzen."

    --> Ja die orthodoxe Kirche Rumäniens "mischt" kräftig mit, so wie die anderen orthodoxen Kirchen Osteuropas im Unterschied zu den altkatholischen, anglikanischen , lutherischen, reformierten, unierten, quäkerischen, presbyterianischen und waldensischen Kirchen Nord-/Westeuropas und Nordamerikas, die gerade den gegensätzlichen Weg erfreulicherweise beschritten haben.

    *
    de.wikipedia.org/wiki/Segnung_gleichgeschlechtlicher_Paare

    -----

    ABER es sind ebenso die SOZIALDEMOKRATEN in Rumänien, die mit 159 Sitzen von 412 Sitzen die Rumänische Abgeordnetenkammer dominieren !!! Den Vorsitz in der Abgeordnetenkammer hat der Sozialdemokrat Liviu Dragnea. Und mit an Bord natürlich die Konservativen mit der PNL unter Klaus Johannis.

    *
    de.wikipedia.org/wiki/Abgeordnetenkammer_(Rum%C3%A4nien)

    ---> Es ist also eine große Koalition aus Sozialdemokraten gemeinsam mit Konservativen in Rumänien die dieses homophobe Referendum tragen und so zu "tun" als sei es nur die Orthodoxe Kirche, wie es der Artikel suggeriert, ist grundlegend falsch.

    Übrigens auch in der Slowakei verdanken wir es den dort alleinregierenden SOZIAILDEMOKRATEN unter Robert Fico, warum es dort im Unteschied zu Österreich und Tschechien bis heute keine staatliche Anerkennung gibt.
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