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Indonesien
Zwei Männer wegen Homosexualität zu 85 Stockhieben verurteilt
Die Provinz Aceh macht ernst: Zwei mutmaßliche Schwule müssen wegen ihrer Homosexualität eine brutale Folterstrafe über sich ergehen lassen.

Die Folterstrafe wird in Aceh in der Öffentlichkeit durchgeführt
- 17. Mai 2017, 10:05h 2 Min.
Ein Schariagericht hat am Mittwoch – am Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie – im indonesischen Banda Aceh einen 20- und einen 23-Jährigen zu je 85 Stockhieben verurteilt, weil die Männer ein schwules Liebespaar sein sollen. Damit führte erstmals das 2015 in der erzkonservativen Provinz Aceh eingeführte Verbot von Homosexualität zu einer Verurteilung. Beide Männer sollen in Haft bleiben, bis die Folterstrafe am 23. Mai von einem maskierten Beamten durchgeführt wird. Dieser wird als "Algojo" (Henker) bezeichnet.
Nach einem Bericht der BBC weinte einer der Angeklagten bei der Urteilsverkündung. Der andere habe das Gericht um eine mildere Strafe gebeten.
Urteil noch über der Forderung der Staatsanwaltschaft
Das Gericht ging mit dem Urteil sogar noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus. Sie hatte vergangene Woche 80 Stockhiebe gefordert und keine Haft bis zur Umsetzung des Urteils verlangt (queer.de berichtete).
Als Maximalstrafe sind nach dem neuen Gesetz auf sexuelle Aktivitäten unter Männern bis zu 100 Stockhiebe vorgesehen. Das Scharia-Gesetz gilt nur für Muslime. In Aceh tritt das aber praktisch auf die gesamte Bevölkerung zu: Nach offiziellen Angaben gehören über 98 Prozent der Bewohner muslimischen Glaubensgemeinschaften an.
Die Beschuldigten waren vor gut einem Monat verhaftet worden, nachdem ein homophober Mob in ihre Wohnung eingedrungen war und sie offenbar im Bett erwischt hatte (queer.de berichtete). Im Internet ist ein verwackeltes Video veröffentlicht worden, das die beiden verzweifelten "Täter" zeigen soll.
Zwar ist im Rest von Indonesien Homosexualität offiziell nicht verboten. Allerdings hat sich in letzter Zeit die Situation von LGBTI im gesamten Land verschlechtert: Im letzten Jahr warnte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch etwa, dass ein "nie dagewesener Angriff" auf LGBTI-Rechte im 250 Millionen Einwohner zählenden Land stattgefunden habe (queer.de berichtete). So hätten Regierungsvertreter Stimmung gegen LGBTI geschürt, etwa Verteidigungsminister Ryamizard Ryacudu, der meinte, dass die Akzeptanz Homosexueller schlimmer sei als ein Atomkrieg (queer.de berichtete). Daher müssten Schwule und Lesben mit "einer Art moderner Kriegsführung" bekämpft werden.
Im Januar kritisierte das Europäische Parlament die "wachsende Intoleranz" in Indonesien und forderte, "die Rechte von LGBTI-Personen nicht noch weiter zu beschneiden" (queer.de berichtete). (dk)














