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HIV-Prävention
Auch Belgien übernimmt PrEP-Kosten
HIV-Negative können ab Sommer die Pillen zum Schutz vor einer Infektion erhalten, wenn ein Arzt die Behandlung für sinnvoll hält.

Das Medikament Truvada kann HIV-Negative davor schützen, sich mit dem Virus anzustecken
- 19. Mai 2017, 18:04h 2 Min.
Die belgische Gesundheitsministerin Maggie De Block hat am Freitag angekündigt, dass Menschen mit einem erhöhten Risiko, sich mit HIV anzustecken, ab Juli die Kosten für eine Prophylaxe mit dem Medikament Truvada erstattet bekommen können.
Das Angebot richtet sich vor allem an schwule Männer und Menschen aus Subsahara-Afrika, wenn ein Arzt die tägliche Vorab-Behandlung in einer individuellen Entscheidung für sinnvoll hält. Die Betroffenen sollten dann nur einen Eigenbetrag von zwölf Euro pro Monat leisten müssen.
Die Ministerin plant dafür rund 1 Million Euro pro Jahr bis 2023 ein und hofft, dadurch bis zu 3.200 HIV-Infektionen zu verhindern. Derzeit infizieren sich in Belgien rund drei Personen pro Tag mit dem Virus.
Die Debatte zur PrEP ist kompliziert
Aids-Aktivisten werben bereits seit längerem für die Einführung von Medikamenten wie Truvada für die Nutzung als Präexpositions-Prophylaxe (PrEP). Täglich korrekt eingenommen, kann die Pille eine HIV-Infektion recht zuverlässig verhindern. Sie ist deshalb als Ergänzung zu bestehenden Präventionsstrategien interessant und betrifft eine überschaubare Gruppe von Menschen.
Die PrEP ist aber auch ein komplexes Politikum, weil die Kosten pro Monat derzeit noch rund 800 Euro betragen – einige Politiker beklagen die Kosten für die Allgemeinheit, Aktivisten kritisieren zugleich, dass Safer Sex nicht nur etwas für Reiche sein dürfe. Der Patentschutz für Truvada läuft vermutlich im Sommer ab, was zu günstigeren Generika und einfacheren Entscheidungen führen kann.

Maggie De Block von den Flämischen Liberalen und Demokraten hat als Gesundheitsministerin eine noch seltene Entscheidung getroffen. Sie gilt als eine der beliebtesten Politiker des Landes. Bild: Voka Kamer van Koophandel Limburg / flickr
Erst im April hatte Schottland bekannt gegeben, dass Menschen mit einem erhöhten Risiko einer Infektion die Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) kostenlos erhalten können (queer.de berichtete). Die Europäische Kommission hatte erst im August 2016 die Einführung des Aids-Medikamentes als PrEP zugelassen (queer.de berichtete), im Oktober beschloss Norwegen die kostenlose Abgabe unter bestimmten Bedingungen (queer.de berichtete).
Truvada, das die Wirkstoffe Tenofovir und Emtricitabin enthält, ist bereits ein etabliertes Medikament: Es wird in Europa seit 2005 bei HIV-Positiven eingesetzt, um die Ausbreitung des Virus im Körper zu hemmen. Eine korrekte Nutzung stoppt auch die Infektiosität anderen gegenüber. Außerdem kommt Truvada bei HIV-Negativen bereits als Post-Expositionsprophylaxe in Kombination mit einem anderen Medikament zur Nutzung: Es verhindert eine Infektion, wenn es binnen 24 Stunden nach einem Risikokontakt erstmals eingenommen wird.
In Deutschland ist das Medikament zwar zur Vorbeugung einer HIV-Infektion verordnungsfähig, allerdings kommen die Krankenkassen nicht für die Kosten auf. Die Deutsche Aids-Hilfe und weitere Gruppen fordern bereits seit längerem die Erstattung, außerdem müsse der Produzent die Preise senken. (nb)















Ein ehemaliger Vorsitzender und nach wie vor Großaktionär ist übrigens ein gewisser Donald Rumsfeld