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Bulgarien

Rechtsextremisten bedrohen CSD Sofia

In der bulgarischen Hauptstadt weht den Pride-Organisatoren ein scharfer Wind entgegen.


Teilnehmer beim CSD in der bulgarischen Hauptstadt im Jahr 2016 (Bild: Sofia Pride)

  • 7. Juni 2017, 15:36h 12 2 Min.

Bei dem am Samstag stattfindenden Pride-Marsch in der bulgarischen Hauptstadt Sofia werden Übergriffe von Rechtsextremisten befürchtet. Die Bürgerrechtsorganisation "Human Rights Watch" warnt etwa vor der Neo-Nazi-Gruppe "Nationaler Widerstand", die für Samstag eine Protestaktion am selben Ort, an dem der CSD stattfindet, und zur selben Zeit angekündigt hat.

In einer Videobotschaft hat Blagowest Asenow, der Chef des "Nationalen Widerstandes", seine Anhänger aufgerufen, mit "Besen und Schaufeln" bewaffnet zum Sofia Pride zu kommen, "um Sofia vom Müll zu befreien". Die Organisation setzt sich laut ihrer Facebook-Seite dafür ein, "fremde Ideologien" zu bekämpfen – dazu zählten neben der liberalen Demokratie auch "die Propaganda für Unzucht" und "das Parasitentum der Minderheiten".

Das LGBTI-Portal "All Out" hat daher in Zusammenarbeit mit der kontinentalen CSD-Dachorganisation "European Pride Organisers Association" (EPOA) eine Petition an Sofias Bürgermeisterin Jordanka Fandakowa gestartet. Die konservative Politikerin wird darin aufgefordert, gegen Gewalt aufzurufen, den CSD zu schützen und selbst mitzumarschieren.

Direktlink | Eindrücke vom Sofia Pride 2016
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Auch europäische Politiker zeigten sich besorgt: So erklärte Guy Verhofstadt, der frühere Premierminister Belgiens und gegenwärtige Fraktionschef der Liberalen im Europäischen Parlament: "Ich rufe die bulgarischen Behörden und die Bürgermeisterin von Sofia auf, alle Menschen, die dieses Wochenende am Sofia-Pride-Marsch teilnehmen wollen, zu schützen. Rechtsextreme Gewalt gegen die LGBTI-Community hat in der Europäischen Union des Jahres 2017 keinen Platz."

"Hassrede wird in in unserer Gesellschaft immer populärer"

Der liberale bulgarische EU-Abgeordnete Ilhan Kjutschjuk ergänzte, dass sein Heimatland "unter die Kontrolle einer extrem nationalistischen Regierung" gefallen sei. "Hassrede wird in in unserer Gesellschaft immer populärer." Dass nun der CSD gefährdet sei, sei keine Überraschung, da Wolen Siderow – der Anführer der rechtspopulistischen Fraktion "Vereinigte Parioten", die als Juniorpartner gemeinsam mit den Konservativen das Land regiert – Homosexuelle als "abnormal" bezeichnet.

Unterstützung für den CSD hat unter anderem die US-Botschaft in Sofia angekündigt. Die Auslandsvertretung teilte mit, dass Demokratie "dann am stärksten ist, wenn alle Menschen frei und ohne Angst vor Gewalt und Diskriminierung leben können. Allerdings werden LGBTI noch immer angegriffen und schikaniert".

Der CSD von Sofia feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Zwischenfällen und aggressiven Gegendemonstrationen von Rechtsextremisten oder Aktivisten der homofeindlichen bulgarisch-orthodoxen Kirche.

Angesichts der größeren Kosten für den Schutz der CSD-Besucher bittet das Organisationskomitee um Spenden. "Trotz der Hasskampagne gegen den Pride setzt sich das Komitee dafür ein, eine stolze und positive Jubiläumsveranstaltung auf die Beine zu stellen", so die Veranstalter. (dk)

-w-

#1 FrageAnonym
  • 07.06.2017, 17:51h
  • Wird das Organisationskommittee in Sofia nicht von der Stadt unterstützt? Wenn Gewalt gegen den CSD droht, muss die Stadt doch reagieren.
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#2 Markusbln11Anonym
  • 07.06.2017, 18:51h
  • In der EU ist die freiheit, für sein anliegen zu demonstrieren, ein elementares grundrecht.

    Dieses grundrecht hat die staatsgewalt zu schützen. Auch durch die bulgarische.

    Oder feiert in Bulgarien noch immer die kommunistische unterdrückung andersdenkender fröhliche urstände. Nichts dazugelernt seit 1989.

    Das wäre nicht akzeptabel.
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#3 easykey
  • 07.06.2017, 19:44hLudwigsburg
  • Bulgarien ist sicherlich in seinen Grundfesten noch immer kommunistich geprägt. Allerdings sollte man als EU-Mitglied sich den allgemeinen Gepflogenheiten, Umgangsformen und Regeln stellen....und nicht nur das Geld nehmen und sonst "Knüppel aus dem Sack" spielen.
    Die rechtsradikalen Gruppen sind hingegen ja kein regionales Problem, aber hier sollte die Regierung ein klares Zeichen setzen und konsequent durchgreifen! Wenn diese jedoch diese "Eier" nicht haben, muss man diesen Umstand entsprechend laut diskutieren und solche Länder anprangern - was nicht heißt, dass man sich auf politische Reaktionen alleine verlässt - jeder Einzelne kann hierzu seinen Teil beitragen, ganz einfach durch sein Konsumverhalten. Europa kann nicht bis in alle Ewigkeit die ewig Gestrigen mit sich herumschleppen wenn es in unserer Sache weiter vorwärts gehen soll.
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