https://queer.de/?29010
Episkopalkirche macht den Anfang
Großbritannien: Erstmals kirchliche Ehe für Schwule und Lesben geöffnet
Die schottische Episkopalkirche bietet erstmals britischen Anglikanern die Chance, kirchlich zu heiraten.

In den pittoresken Kirchen der "Episcopal Church", wie hier in der Kleinstadt Largs, werden sich bald schwule und lesbische Paare das Ja-Wort geben (Bild: Ben Sutherland / flickr)
- 9. Juni 2017, 11:32h 3 Min.
Als erste der Traditionskirchen in Großbritannien hat die "Scottish Episcopal Church" bei ihrer Synode in Edinburgh am Donnerstag entschieden, dass Schwule und Lesben kirchlich heiraten dürfen. Für den Beschluss war eine Zweidrittelmehrheit bei den Laien, dem Klerus und unter den Bischöfen notwendig. Allerdings haben Pfarrer nach wie vor das Recht, sich zu weigern, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen.
"Ich freue mich sehr, dass viele Paare nun ihre Beziehungen von der Kirche anerkennen und von Gott segnen lassen können", erklärte John Armes, der Bischof von Edinburgh, nach der Entscheidung. Er erkenne jedoch an, dass nicht alle Christen diese Änderung befürworteten. "Als Bischof kann ich deren Schmerz mitfühlen", so Armes.
Zwar ist die Episkopalkirche mit 54.000 Mitgliedern nach der reformierten "Church of Scotland" und den Katholiken nur die drittgrößte christliche Glaubensgemeinschaft in Schottland. Als Teil der anglikanischen Gemeinschaft dürfen dort aber alle Anglikaner Ehen schließen, die nicht aus Schottland stammen müssen. Das könnte zu einem Heiratstourismus unter homosexuellen Christen führen.
Die anglikanische Kirche, der weltweit rund 80 Millionen Gläubige angehören, streitet bereits seit Jahren über die Gleichbehandlung von Homosexuellen. Insbesondere in Afrika und Asien, aber auch bei konservativen Anglikanern in westlichen Ländern, führte die Anerkennung von sexuellen Minderheiten zu Drohungen, aus der Anglikanischen Gemeinschaft auszutreten.
Widerstand von Konservativen
Traditionalisten haben daher bereits Widerstand gegen die Entscheidung der schottischen Kirche angekündigt. So erklärte der amerikanische Erzbischof Foley Beach: "Die Entscheidung der schottischen Episkopalkirche, die biblische und historische Definition der Ehe zu ändern, macht es notwendig, diejenigen Schotten zu unterstützen, die von ihren Anführern marginalisiert werden", so Foley. Kein "wirklich gläubiger Christ" könne die "Neudefinition" der Ehe gut heißen. Beach ist ein Bischof der "Anglican Church in North America", die sich von der amerikanischen Episkopalkirche, der größten anglikanischen Kirche der USA, abgespalten hat. Die konservativen Anglikaner kritisieren neben der Gleichbehandlung von Homosexuellen auch, dass Frauen bei liberalen Anglikanern zu Pfarrerinnen oder Bischöfinnen gewählt werden können.
Die Liberalisierung in der schottischen Episkopalkirche könnte auf den britischen Inseln nur der Anfang sein: Bereits im Mai hatte die "Church of Scotland", die größte Kirche im britischen Landesteil, beschlossen, dass bis zur Synode im nächsten Jahr die Voraussetzungen dafür geschaffen werden sollen, die Ehe für Schwule und Lesben zu öffnen. Außerdem entschuldigte sich die Kirche für die "Geschichte der Diskriminierung" homosexueller Menschen durch Anglikaner.
Im vergangenen Jahr sorgte bereits die anglikanische Kirche von Kanada mit der Öffnung der Ehe für Schlagzeilen (queer.de berichtete). (dk)











