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Polizeimeldung
Mehrere junge Schwule ausgespäht, erpresst und bedroht
Staatsanwaltschaft und Polizei in Bremen ermitteln in mindestens zehn Fällen gegen einen 29-Jährigen, der mit Fakeprofilen Dutzende Straftaten verübt haben soll.
- 12. Juni 2017, 09:15h 3 Min.
Unter der Überschrift "Umfangreiche Ermittlungen nach homophoben Straftaten" berichtet die Bremer Polizei am Montag von einer einzigartigen Verbrechensserie, der vor allem junge Schwule zum Opfer fielen.
Demnach ermitteln Staatsanwaltschaft und Polizei in mindestens zehn Fällen gegen einen 29 Jahre alten Bremer. Ihm wird vorgeworfen, seinen Opfern über einen längeren Zeitraum nachgestellt, sie erpresst und bedroht zu haben.
Zu den Tatbeständen gehörten Internetbetrug, Nachstellung, Missbrauch von Notrufen, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, üble Nachrede, Nötigung, Fälschung beweiserheblicher Daten, Ausspähen von Daten, Bedrohung und räuberische Erpressung. Die Liste sei noch nicht abschließend, betont die Bremer Polizei.
Der mutmaßliche Täter gab sich als seine Opfer aus
Der mutmaßliche Täter agierte hauptsächlich über das Internet und benutzte speziell soziale Netzwerke. Er erstellte falsche Accounts, die unter anderem vortäuschten, von den verschiedenen Opfern selbst zu stammen. Auf diese Weise erhielt er Zugang zu Freundeskreisen, erlangte damit Informationen und konnte gezielt Nachrichten streuen. Teilweise gab er sich selbst als Opfer aus, um so das Vertrauen zu erlangen und um weitere Informationen zu gewinnen, die er für seine Taten missbrauchte.
Ziel war es stets, den jungen Schwulen Probleme zu bereiten und ihnen das Leben schwer zu machen. Einige wurden beispielsweise über das Internet geoutet. Ein damals 17 Jahre altes Opfer gab gegenüber Radio Bremen an, innerhalb eines halben Jahres mindestens fünftausend Mal von dem Stalker kontaktiert worden zu sein, etwa mit Facebook-Posts, Anrufen oder Whatsapp-Nachrichten. Der mutmaßliche Täter gab sogar eine Todesanzeige mit dem Namen des Jungen auf und ließ einen Trauerkranz an seine Schule schicken.
In anderen Fällen soll der 29-Jährige über Kleinanzeigen Tickets und Mobiltelefone im Namen seiner Opfer verkauft haben. Die Ware wurde nie geliefert, die jungen Männer bekamen dadurch große Probleme, da ihre Namen, Telefonnummern und teilweise auch ihre Adressen bei den betrügerischen Verkäufen angegeben wurden.
"Die Opfer haben große Beeinträchtigungen in ihren persönlichen Lebensumständen erfahren", heißt es in der Polizeimeldung. "Dabei haben sie u.a. ihre Rufnummern wechseln und sich mit Rechnungen und Inkassounternehmen auseinandersetzen müssen."
Die Ermittlungsakten umfassen nach Angaben von Radio Bremen mehrere hundert Seiten. Anklage gegen den 29-Jährigen wurde noch nicht erhoben. Der mutmaßliche Täter befindet sich weiter auf freiem Fuß.
Polizei geht von weiteren Opfer aus
Die Bremer Polizei vermutet, dass es weitere Betroffene geben könnte. In ihrer Mitteilung hebt sie hervor, dass nicht alle Opfer homophober Gewalt den Weg zur Polizei oder in die Öffentlichkeit finden, "weil Homosexuelle aus Angst vor Repressalien nicht selten ihre Identität zu verbergen versuchen". Dadurch könnten aber auch Wiederholungstaten "schwer verhindert werden, weil sich die Täter in Sicherheit wiegen und weitere Straftaten ohne Angst vor Strafverfolgung begehen können".

Sven Rottenberg ist seit 2015 Ansprechpartner der Bremer Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen
Seit 2015 können sich Opfer homo- und transphober Straftaten in Bremen an Sven Rottenberg als Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen wenden (queer.de berichtete). Er ist zu Bürozeiten per E-Mail an oder telefonisch unter (01522) 296 96 85 zu erreichen. (cw/pm)
















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