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Oppositionsantrag gescheitert

Litauen: Parlament stimmt gegen Einführung von Lebenspartnerschaften

Gleichgeschlechtliche Paare werden in dem baltischen Staat weiterhin nicht rechtlich anerkannt.


Regenbogenprotest vor dem Seimas in Vilnius in diesem Mai (Bild: Wiki Commons / Marcin Bialek / by sa 3.0)
  • 16. Juni 2017, 10:20h 14 3 Min.

Das litauische Parlament hat am Donnerstag gegen eine Gesetzesinitiative gestimmt, mit der das Land eingetragene Lebenspartnerschaften eingeführt hätte. Für die Vorlage aus der oppositionellen Fraktion der Liberalen stimmten 29 Abgeordnete, 59 stimmten dagegen und 20 enthielten sich.

Die Organisation Lithuanian Gay League (LGL) zeigte sich dennoch erfreut über die Abstimmung, da sie zeige, dass "die Unterstützung für gleichgeschlechtliche Paare" in dem Land wachse. Für die Vorlage hatten unter anderem auch einzelne Abgeordnete der größten Oppositionspartei, der Christdemokraten, sowie der regierenden Sozialdemokraten gestimmt.

Der Gesetzentwurf sah verschiedene Rechte für das neue Institut vor, das homo- wie heterosexuellen Paaren offen gestanden hätte und vor einem Notar abgeschlossen worden wäre. Bereits vor zwei Jahren hatten Abgeordnete der Sozialdemokraten und Liberalen einen gemeinsamen Antrag für die Schaffung von eingetragenen Lebenspartnerschaften eingebracht, der aber auf die Ablehnung des Parteichefs der Sozialdemokraten und damaligen Premierministers Algirdas Butkevičius fiel und vor der Parlamentswahl im letzten Oktober nicht mehr aufgegriffen wurde.

Grün-Rot für kleinere Lösung

Seit der Wahl 2016 führt ein Bündnis aus dem Bund der Bauern und Grünen Litauens, der überraschend stärkste Kraft im Seimas wurde, und der Sozialdemokraten die Regierung. Diese hatte im Mai einen Entwurf für die Schaffung einer Kohabitations-Vereinbarung zwischen zwei oder mehr Personen vorgelegt.

In der ersten Lesung hatten 46 Abgeordnete für die Vorlage gestimmt, sechs dagegen und 17 enthielten sich – sie wird damit in den Parlamentsausschüssen weiter beraten. Die formlos oder vor einem Notar erklärte rechtliche Verbindung würde keine verwandtschaftlichen Verhältnisse schaffen und wird deswegen von LGBTI-Organisationen als Enttäuschung angesehen, weil gleichgeschlechtliche Paare so weiterhin keine Familie darstellen. Die zwanglose Vereinbarung soll zusammenlebenden Paaren, Verwandten oder Freunden rechtliche Absicherungen etwa im Eigentumsrecht bieten.

Litauen, das kürzlich mit der Aufnahme zweier schwuler Flüchtlinge aus Tschetschenien für Schlagzeilen sorgte, gilt bei LGBTI-Rechten noch als rückständig. Noch in der letzten Legislaturperiode mussten Organisationen gegen eine Gesetzesvorlage kämpfen, die Homo-"Propaganda" wie in Russland unter Strafe gestellt hätte – obwohl eine ähnliche Regelung an öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Bibliotheken bereits seit einigen Jahren in Kraft ist (queer.de berichtete).

Das "Propaganda"-Gesetz hatte wie diverse andere homofeindliche Gesetzesanträge der Abgeordnete Petras Gražulis von einer damals an der Regierung beteiligten rechtsliberalen Partei eingebracht. Der Politiker machte auch weltweit Schlagzeilen, weil er mehrfach Teilnehmer des CSD in der Hauptstadt Vilnius beschimpft und sogar körperlich angegriffen hatte.

Schlusslicht im Baltikum

Im benachbarten Lettland werden gleichgeschlechtliche Paare bislang rechtlich auch nicht anerkannt – eine erste Initiative zur Einführung von Lebenspartnerschaften scheiterte 2015 im Rechtsausschuss des Parlaments. Unter anderem durch das Coming-out des Außenministers Edgars Rinkēvičs 2014 und die erfolgreiche Abhaltung des Europrides 2015 in Riga ist aber ein Aufbruch erkennbar.

Das als liberalste Baltikum-Land geltende Estland hatte im Januar 2016 Lebenspartnerschaften eingeführt, die aber bislang aufgrund noch nicht verabschiedeter Ausführungsgesetze größtenteils rechtlos sind. Gerichte hatten allerdings zuletzt im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen als Ehen und nicht als Lebenspartnerschaften anerkannt (queer.de berichtete). (nb)

-w-

#1 RobinAnonym
  • 16.06.2017, 12:41h
  • Dieses Land hätte niemals in die EU aufgenommen werden dürfen.

    Laut Europäischer Grundrechte-Charta darf niemand aufgrund seiner sexuellen Orientierung benachteiligt werden. Genau das tut Litauen aber (genau wie Polen, Ungarn, etc.).

    Und das schlimme ist:
    die EU hat exakt 0 (in Worten: null) Einflussmöglichkeiten auf solche Länder. Das betrifft ja z.B. auch die Einschränkung von Grundrechten wie der Rede-, Versammlungs und Pressefreiheit in Ungarn und Polen. Oder die Verfassungsreformen in Polen, die quasi die Gewaltentrennung aufheben und die Justiz zur Unterabteilung der Regierung machen.

    Und gegen all das kann die EU NICHTS unternehmen, weil sie einfach keine Handhabe hat. Irgendwelche naiven Eurokraten hatten gedacht, dass das alles von alleine funktioniert.

    Dieser Konstruktionsfehler der EU und die vorschnelle Erweiterung mit diversen Ost-Staaten, wird noch für sehr viel Probleme sorgen und hat das Potential, irgendwann die gesamte EU wie ein Kartenhaus zusammenbrechen zu lassen.

    Aber ganz ehrlich:
    um eine EU, die nicht mal Grundrechte und nicht mal ihre eigene Charta durchsetzen kann und das nicht allen EU-Bürgern garantieren kann, tut es mir auch nicht leid. Vielleicht gibt es ja eine Nachfolge-Organisation, wo man dieselben Konstruktionsfehler nicht macht und auch nur Staaten aufnimmt, die bestimmte Dinge garantieren (und dass man Staaten, die diese Garantieren brechen, notfalls auch wieder schnell und problemlos rausschmeißen kann).
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#2 Maximilian WeberAnonym
  • 16.06.2017, 13:08h
  • Antwort auf #1 von Robin
  • So allgemein verfasst ist mir Ihr Blickwinkel zu pessimistisch, auch wenn ich Ihre Grundbeobachtung für zutreffend halte.

    Vermutlich ist die momentane Ernüchterung gegenüber der Euopäischen Idee tatsächlich auf die EU-Osterweiterung von 2004 zurückzuführen, vermutlich auch der sog. "Brexit".

    Dennoch: Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Die EU wird so schnell nicht zusammenbrechen. Hier genügt der Blick nach England, das vermutlich noch in zehn Jahren EU-Mitglied sein wird.

    Wäre es nicht sinnvoller, sich über eine EU der verschiedenen Geschwindigkeiten und der Unterschiede Gedanken zu machen?

    Wäre es nicht sinnvoller, wenn sich EU-Staaten stärker zusammenschliessen, die gemeinsame kulturelle und politische Werte und Wurzeln teilen?
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#3 Paulus46Anonym
  • 16.06.2017, 13:09h
  • Antwort auf #1 von Robin
  • Nicht nur in der Slowakei, in Rumänien und in Bulgarien sondern auch in Litauen scheitern die dortigen Sozialdemokraten: in der Slowakei regiert seit Jahren die Sozialdemokraten unter Roberto Fico und sie verhindern dort jede staatliche Anerkennung homosexueller Paare.

    Und nun also auch in Litauen: auch dort ist ein Scheitern der Sozialdemokraten zu sehen; von den Konservativen erwarte ich es nicht anders.

    Schlimm aber das die in Litauen regierenden GRÜNEN (!!!) ebenso gegen das Gesetz gestimmt haben.

    UND wiedereinmal waren es so wie im Vereinigten Königreich die LIBERALEN die dort das Lebenspartnerschaftsinstitut mit Verwandtschaftsverhältnis gefordert haben, so wie sie es auch in Polen bereits versucht haben, und dort von den Konservativen niedergestimmt wurden.

    Daher wer die Hauptkraft für LGBT-Rechte in Europa und in Deutschland unterstützen will, der wählt LIBERALE Parteien und dies sind in Deutschland vorrangig die FDP, die ich als rechtsliberal einstufe, sowie die Grünen, die ich als linksliberal einstufe. Beides sind aber für mich liberale Parteien, wobei die Grünen sich doch leider mittlerweile mit Ihrer Bevormundung (Veggie-Day, Fahrgeschwinigkeitsverbote auf Autobahn und Bundesstraßen, usw.) immer mehr zu einer Verbotspartei entwickeln. Davon halte ich nichts und für mich ist das Gut, der Freiheit, das von den Liberalen Parteien ganz vorne auf ihrer Agenda steht, daher auch maßgebend, welche Partei ich wähle. Ich achte immer zuerst darauf, wie schränkt mich ein Gesetz in meiner Freiheit ein und daher finde ich liberale Parteien so gut.
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