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Späte CDU-Karriere
Kohls schwuler Freund wird Minister in NRW
Stephan Holthoff-Pförtner, Rechtsanwalt und Miteigentümer der Funke-Mediengruppe, soll neuer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Medien werden.

Gut vernetzt: Als sich Stephan Holthoff-Pförtner 2013 verpartnerte, waren Helmut Kohl und Guido Westerwelle die Trauzeugen (Bild: VDZ)
- 29. Juni 2017, 11:12h 3 Min.
Der neue NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will den schwulen Rechtsanwalt Stephan Holthoff-Pförtner als Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Medien in sein Kabinett holen. Der 68-jährige Miteigentümer der Funke-Mediengruppe teilte bereits mit, dass er aus diesem Grund als Präsident des Zeitschriftenverlegerverbandes VDZ zurücktreten und sich aus allen operativen Geschäften seines Verlags zurückziehen werde.
Holthoff-Pförtner, derzeit Schatzmeister der NRW-CDU, war einer der engsten Vertrauten des kürzlich gestorbenen ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl. So vertrat er ihn 1999 als Anwalt in der CDU-Parteispendenaffäre. Die Staatsanwaltschaft Bonn eröffnete damals ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen Kohl, das 2001 nach einer Zahlung in Höhe von 300.000 Mark eingestellt wurde.
Mit Klaus Sälzer seit über 40 Jahren zusammen
Als sich Stephan Holthoff-Pförtner und sein Lebenspartner und Kanzleikollege Klaus M. Sälzer, mit dem er seit über 40 Jahren zusammen ist, im Sommer 2013 verpartnerten, waren Helmut Kohl sowie der damalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) die Trauzeugen (queer.de berichtete). Heute regelt der aus Essen stammende Anwalt zusammen mit dessen zweiter Frau Maike Kohl-Richter den Nachlass des Altkanzlers.
Helmut Kohl habe seine Homosexualität akzeptiert, schrieb Holthoff-Pförtner am 27. Juni in einem Nachruf: "Als Bundespräsident Köhler einen Empfang zu Ehren Kohls gab, war auch ich eingeladen", heißt es darin. "Wir hatten nie über meine Homosexualität gesprochen, Kohl wusste aber, dass ich seit vielen Jahren mit Klaus Sälzer zusammenlebe. Ich fragte ihn nun, ob ich allein zu dem Empfang kommen müsse. Er sah mich groß an und fragte nur sein typisches: 'Bist du jetzt ganz wahnsinnig?' Auch diese menschenliebende und großzügige Seite Helmut Kohls ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt: Jeder sollte so leben, wie er möchte."
Mit anderen Parteifreunden machte das langjährige CDU-Mitglied weniger gute Erfahrungen: "Nicht vor Journalisten fürchtete er sich, als seine Homosexualität bekannt wurde, sondern vor Politikern, vor Parteifreunden in der CDU", schrieb kress.de in der vergangenen Woche über Holthoff-Pförtner. So habe er bereits in den Achtzigerjahren eine politische Karriere angestrebt und Oberbürgermeister von Essen werden wollen. "Ein Landtagsabgeordneter sagte mir, dann müsse man sich mein Privatleben angucken. Das Signal hatte ich verstanden", wird der 68-Jährige von dem Medienmagazin zitiert.
Als Anwalt wurde Holthoff-Pförtner durch weitere Verfahren gegen Prominente bekannt: So verteidigte er 2005 den Fußballschiedsrichter Robert Hoyzer, der wegen Betruges im Rahmen des Wettskandals angeklagt wurde. Fünf Jahre später war Adolf Sauerland, damals CDU-Oberbürgermeister in Duisburg, sein Mandant. Sauerland musste sich nach dem Loveparade-Unglück verteidigen. Außerdem beriet Holthoff-Pförtner 2012 den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus in der EnBW-Affäre. Mappus machte sich vor allem als Gegner von Homo-Rechten im Südwesten einen Namen. (cw)














