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Einzeleintrag aus:
Liveblog zur Ehe für alle: Der historische Beschluss und die Reaktionen



30.06, 16:29h

Lesbische Paare offenbar teilweise weiter auf Stiefkindadoption angewiesen

Einen Haken, einen schweren und von vielen – auch uns – übersehenen Haken hat der Gesetzentwurf des Bundesrates: Er schafft rechtlich nicht automatisch zwei Mütter, wenn eine Frau Mutter wird oder ist. Bei einer heterosexuellen Ehe wäre der Ehemann nach dem BGB automatisch Vater oder zumindest Berechtigter für die Rolle, aber diese Formulierung im BGB (§ 1592 Vaterschaft) bleibt männlich und vom neuen Gesetz unangetastet. Ein lesbisches Paar, gleich ob verheiratet oder verpartnert, wäre daher zunächst weiter auf die Stiefkindadoption angewiesen.

Antje Schrupp hat den Ärger darüber heute in einem Blogbeitrag zusammengefasst: Die Ehe für alle gibt es bislang nur für Männer

In der Praxis ist vor allem das Problem, dass das Prozedere der Stiefkindadoption "langwierig" und "oft entwürdigend" ist, wie es der LSVD im Positionspapier "Regenbogenfamilien im Recht" ausdrückt (das so einige Reformen anmahnt).

Um das Problem noch etwas näher zu verdeutlichen, hier ein anonymisierter Eintrag eines Mitglieds von Quarteera, der Organisation russischsprachiger LGBTI in Deutschland, aus Facebook. Er ist der Vater eines Babys. Der Eintrag entstand am Donnerstag aus Verzweifelung und Vorfreude auf eine bessere rechtliche Regelung, die jetzt nicht eintritt.

Seit unser Sohn da ist, habe ich erfahren, zu wieviel Wut ich fähig bin. Ich spreche von der sog. Stiefkindadoption, dem "kleinen" Unterschied zwischen der Lebenspartnerschaft und der Ehe also, den die meisten Menschen in Deutschland entweder nicht wahrnehmen oder eben für "klein" halten. Dem Unterschied, der in unserem Fall (Mutter, Mutter, Vater, Kind) Erniedrigung und Diskriminierung staatlich legitimiert; uns Zeit, Geld und Nerven raubt; uns ohnmächtig und wütend macht.

Während in einer Ehe mit der Geburt eines Kindes beide Partner automatisch vor dem Gesetz als Eltern fungieren (egal wer der biologische Vater ist!), muss sich eine lesbische Familie in eing. Lebenspartnerschaft mehreren erniedrigenden Prüfungen, Hausbesuchen, medizinischen Attests usw unterziehen und sich unzählige Male anhören "Wer nun die richtige Mutter von den beiden ist?", um zu beweisen, dass sie ihr eigenes Kind adoptieren darf!

Es ist zum Geschirr gegen die Wand schmeissen!!!

Es sind nun über zehn Monate vergangen, seit dem der Antrag auf die Adoption eingereicht wurde. Nichts ist passiert. Rechtlich gesehen ist die zweite Mutter für ihren eigenen Sohn eine Fremde. Es wird weiterhin geprüft, ob es "dem Wohle des Kindes dient".

Ähnlich wie in Russland die sog. "Homopropaganda" unter dem Vorwand des "Kindeswohls" verboten wird, wird in Deutschland mit der selben verlogenen Konstruktion "Zum Wohle des Kindes" unzähligen LGBT-Familien das Leben vergiftet.



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