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Gräueltät in Bagdad
Irak: Entsetzen über brutalen Mord an jungem Schauspieler
Karar Noshi könnte wegen seines Aussehens getötet worden sein, spekulieren Medien im In- und Ausland – manche vermuten die gezielte Tötung vermeintlicher Homosexueller als Motiv.

Auf vielen Bildern bei Facebook zeigte sich Karar Noshi mit langem Haar und auffälliger, gestylter Kleidung (Bild: Facebook)
- Von Norbert Blech
7. Juli 2017, 11:57h 4 Min.
In irakischen Medien sorgt seit Tagen ein brutaler Mord an einem jungen Zivilisten für eine Debatte über den Einfluss gewalttätiger Milizen. Karar Noshi, Kunststudent, Model und Schauspieler, war am Wochenende in seiner Heimatstadt Bagdad getötet worden.
Zwei Tage nach seinem Verschwinden war der Leichnam Noshis auf der Palästina-Straße gefunden worden, eine mehrspurige Straße mit einigen Geschäften im Osten der Hauptstadt. Der Körper des Mannes wies zahlreiche Einstiche sowie Hinweise auf Folter auf. Die Hintergründe der Tat sind bislang nicht bekannt.
Noshi, der auch für eine Satiresendung arbeitete, hatte auf Facebook tausende Follower, nachdem sich Bilder von ihm als Model verbreitet hatten. Er postete dort viele Bilder von sich, aber auch Aussagen zu einer modernen Gesellschaft im Einklang mit dem von ihm gelebten muslimischen Glauben. Auf Spott, er sei der "Schönheitskönig von Irak", antworte er, die wahren Schönheitskönige des Landes seien "alle jungen Männer, die mit all ihrer Ehre kämpfen, die Nation zu verteidigen".
Bekämpft weil er anders war

Noshi zeigte sich in vielen Einträgen bei Facebook als gläubig
Entgegen manchen Medienberichten ist nichts über Noshis sexuelle Orientierung bekannt. Schlagzeilen, er habe sterben müssen, weil er "zu schwul" ausgesehen habe, entstanden zuerst in ausländischen Medien. Abwegig ist der Gedanke allerdings auch nicht.
So äußerten Freunde des Mannes durchaus, dass er wegen seines ungewöhnlichen und modischen Aussehens ermordet worden sein könnte. Zuletzt sei er in sozialen Netzwerken heftigst angegriffen und bedroht worden, auch weil das Gerücht auftauchte, er würde an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen – was er abgestritten hatte.
Die zahlreichen Bilder auf Facebook zeigten seine Arbeit vor der Kamera, auf die er stolz sei, schrieb Noshi auf Facebook. "Ich schätze meine persönliche Freiheit, mir ein einzigartiges äußeres Erscheinungsbild zu schaffen. Ich schweige zu den den schimpfenden Reaktionen, die zweifellos das Niveau ihrer Autoren widerspiegeln."
Homo- und Transsexuelle seit Jahren auf Todeslisten von Milizen

Mit diesem Bild brüsteten sich Milizen mit dem Tod eines vermeintlichen Schwulen im Jahr 2012
Irakische Medien und Freunde des Schauspielers vermuten, dass er von lokalen schiitischen Milizen ermordet wurde – nicht vom "Islamischen Staat", wie vor allem einige deutsche Boulevardmedien behaupteten, sondern von Gruppen, mit denen die Regierung teilweise gegen den IS ankämpft. Die Terrororganisation hatte in den von ihr eingenommenen Gebieten im Irak und Syrien in den letzten Jahren dutzende Menschen wegen angeblicher Homosexualität getötet und oft Aufnahmen der Hinrichtungen verbreitet (queer.de berichtete).
Allerdings hatten auch die Milizen im Irak seit 2006 Homo- und Transsexuelle ermordet, wobei sie das oft einfach an Kleidung oder Frisur der Opfer festmachten – 2012 machten so in vielen Medien Berichte über eine Mordwelle an "Emos" die Runde (queer.de berichtete), die wohl auch non-konforme Jugendliche traf, aber nach einer Untersuchung der BBC und von Menschenrechtsorganisationen wohl klar auf Homosexuelle und auch Transpersonen zielte. Opfer wurden teilweise gefoltert und zur Tötung von Hochhäusern gestürzt oder mit Betonsteinen erschlagen (queer.de berichtete).
In Vierteln tauchten damals öffentliche "Todeslisten" auf mit Namen von Menschen, denen angeraten wurde, ihr Verhalten zu ändern – ansonsten müssten sie sterben. Neben fanatischen Milizen seien auch Polizei und Militär an den Säuberungen beteiligt gewesen, so die BBC. Die Organisation Human Rights Watch vermutet, dass nach einer ähnlichen Flugblätter-Kampagne im Jahr 2009 bis zu mehrere hundert Schwule ermordet wurden (queer.de berichtete).
Noch heute komme es zu solchen Morden, berichtet die von einem aus dem Irak nach Schweden geflohenen Aktivisten gegründete Organisation IraQueer. Im Januar seien sieben Menschen aus mutmaßlich ähnlichen Gründen wie Karar getötet worden, sagte Amir Ashour dem US-Magazin "Daily Beast". Gerüchten zufolge hätten sie auf einer "Todesliste" mit 100 Namen gestanden.
Die Probleme der LGBT-Community würden mit dem Fall des "Islamischen Staates" nicht enden, befürchtet Ashour: "Der größte Gegner von LGBT ist die Regierung selbst. Sie bieten uns nicht nur keinen Schutz, sondern sie beteiligen sich an der Verletzung unserer Rechte." Der Staat arbeite mit mörderischen Milizen zusammen und unternehme keine Schritte, Menschen zur Verantwortung zu ziehen, die Homo- und Transsexuelle töteten.















"Die Probleme der LGBT-Community würden mit dem Fall des "Islamischen Staates" nicht enden, befürchtet Ashour: "Der größte Gegner von LGBT ist die Regierung selbst. Sie bieten uns nicht nur keinen Schutz, sondern sie beteiligen sich an der Verletzung unserer Rechte.""
Bitte was? Das größte Problem ist erstmal der Mörder und seine Motive selbst. Wenn die Regierung es unterstützt sind sie dem Mörder gleichzusetzen.
Wie er aber richtig sagt, mit dem Fall des islamischen Staates werden die Probleme nicht enden, sondern ganz im Gegenteil noch weiter in die Welt hinausgetragen. Ein Großteil der islamistischen Kämpfer des IS kommen ja aus anderen Ländern. Aus der EU kommen tausende, dorthin werden sie auch wieder, mit noch weiteren, zurück kehren.
Kontrollen gibts ja nicht.
Wir können uns noch auf einiges gefasst machen.