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Patrick Slapal
Jahrzehntelang gegen Homo-Rechte: LSU-Chef fordert Entschuldigung der CSU
Der Chef des kürzlich gegründeten bayerischen Landesverbandes der Lesben und Schwulen in der Union sieht die Zeit kommen, "wo sich die CSU entschuldigen muss".

Patrick Slapal ist der Chef der frisch gegründeten bayerischen LSU (Bild: Bundesverband LSU)
- 12. Juli 2017, 10:25h 2 Min.
Patrick Slapal, der Landesvorsitzende der bayerischen Lesben und Schwulen in der Union, hat in der "Abendzeitung" eine Entschuldigung der CSU für die jahrzehntelange Politik gegen Homo-Rechte gefordert: "Man muss die CSU auffordern, sich von den letzten Jahren und Jahrzehnten zu distanzieren, in denen sie Gleichstellung verhindert haben. Irgendwann wird die Zeit kommen, wo sich die CSU entschuldigen muss, um sich von dem Ballast zu befreien, den sie sich und den Schwulen und Lesben aufgeladen hat", erklärte das 29-jährige Parteimitglied.
Slapal verwies auch darauf, dass sieben von 56 CSU-Abgeordneten bei der Abstimmung zur Ehe-Öffnung am 30. Juni im Bundestag für die Ehe gestimmt haben. Zwei von ihnen, neben dem schwulen Politiker Bernd Fabritius auch die niederbayerische Abgeordnete Gudrun Zollner, würden am kommenden Samstag auf dem LSU-Wagen bei der CSD-Politparade in München teilnehmen. "Wir wollen zeigen, dass unsere Ansicht in der Partei breit akzeptiert ist", so Slapal. Im vergangenen Jahr war erstmals ein lesbisch-schwules Netzwerk der CSU mit einem Wagen beim Münchner CSD vertreten (queer.de berichtete).
Gegenüber der "Abendzeitung" spielte Slapal die vielen Nein-Stimmen aus der CSU herunter und zeigte sich davon überzeugt, dass viele Abgeordnete nur deshalb die Ehe-Öffnung abgelehnt hätten, weil sie die kirchliche Ehe schützen wollten. Diesen Parteifreunden empfahl Slapal, sich darüber zu freuen, "dass Schwule und Lesben konservative Werte wie die Ehe leben wollen".
Seehofer-Drohung gegen Homo-Paare ist "Platzpatrone"
Die Drohung von CSU-Chef Horst Seehofer, in Karlsruhe eine Klage gegen die Ehe für alle einzureichen, sieht der LSU-Chef dagegen gelassen als "Platzpatrone": "Die kommt sowieso nicht durch", prophezeit Slapal.
Der LSU-Landesverband Bayern ist erst Ende April gegründet worden (queer.de berichtete). Bei der Gründung dabei war auch Münchens CSU-Bürgermeister Josef Schmid, der sich schon seit mehreren Jahren für die Ehe für alle und das volle Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare einsetzt. So erklärte Schmid 2015: "Die Forderung nach der Gleichstellung homosexueller Paare ist keine exklusiv linke Position, sondern sie ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen." (dk)















Zunächst ging es ja nun darum, in den Unionsparteien für die eigene Position zu werben und Verständnis zu wecken. Und wie man sehen konnte war das nicht unbedingt einfach.
Inzwischen kann man das schon fast den Schützenbrüdern, CDU-Bürgermeistern und Feuerwehrmännern überlassen, die ihr Missfallen deutlich zum Ausdruck bringen, wenn Lesben und Schwule für gesellschaftliche Fehlentwicklungen verantwortlich gemacht werden. Und das ist ja schon mal toll.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Forderung nach einer Entschuldigung verfrüht ist, oder ob sie nicht der gerade jetzt nötige »Stopper« ist, um Sturköpfen klarzumachen, dass jetzt Schluss sein muss mit Pöbeleien gegen Lesben und Schwule.
So etwas wie eine Forderung einer Entschuldigung kann die Sturheit nämlich auch noch weiter erhöhen. Dennoch gibt es inakzeptable Entgleisungen, und da muss man ganz klar sagen: »Entschuldigen Sie sich, Sie Schmutzfink.«
So funktioniert das eben wenn Menschen gegenteiliger Ansicht sind, und dabei auch mal über die Stränge schlagen.