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LGBTI-Aktivisten schlagen Alarm
Schwules Paar in Flüchtlingsheim attackiert
Die Lage von queeren Flüchtlingen in Deutschland ist dramatisch: Erst diese Woche wurde ein schwules Paar aus Serbien in einem Flüchtlingsheim angegriffen und schwer verletzt.

Einer der beiden attackierten Schwulen bei der Behandlung in einer Klinik. Aus Sicherheitsgründen sind viele Details des Vorfalls nicht öffentlich. (Bild: Queer Refugees For Pride)
- 13. Juli 2017, 14:00h 3 Min.
Javid Nabijew, der Gründer der LGBTI-Flüchtlingsgruppe "Queer Refugees for Pride", hat am Mittwoch von einem brutalen Übergriff auf ein aus Serbien geflohenes schwules Paar in einem deutschen Flüchtlingsheim berichtet. Demnach seien die beiden Männer bereits wiederholt vom Sicherheitspersonal schikaniert und von anderen Flüchtlingen angegriffen worden. Am Dienstag seien die beiden dann attackiert und schwer verletzt worden. "Sie sind fast gestorben", erklärte Nabijew in einem Facebook-Video. Beide würden jetzt in einem Krankenhaus behandelt.
Die beiden Männer waren aus Serbien geflohen, weil sie von ihrer eigenen Familie wegen ihrer Homosexualität verfolgt wurden und die Behörden sie nicht beschützt hätten. Selbst hier halten sie ihren genauen Aufenthaltsort und sogar das Bundesland, in dem sie leben, geheim, weil Verwandte von ihnen auch in Deutschland wohnten und sie befürchteten, von diesen angegriffen zu werden.
Kritik an deutschen Behörden
Nabijew kritisierte, dass die beiden Männer trotz mehrmaliger Anfragen in den letzten Wochen nicht in ein anderes Flüchtlingsheim transferiert wurden, weil es dafür extrem hohe Hürden gebe. Außerdem bemängelte er, dass die deutschen Behörden Angriffe gegen Homosexuelle in Flüchtlingsheimen nicht hart genug ahndeten. Er forderte, dass LGBTI-Flüchtlinge besonders geschützt werden müssten und eigene Heime erhalten sollten. "Wie viel muss denn noch passieren?", fragte Nabijew.
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Erst im Mai hatten die "Queer Refugees for Pride" eine Umfrage veröffentlicht, nach der sich zwei Drittel der LGBTI-Flüchtlinge in Deutschland nicht sicher fühlten (queer.de berichtete). Viele versteckten aus Angst ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität gegenüber den anderen Geflüchteten in ihrem Heim. Zudem drohe queeren Flüchtlingen oft auch die Abschiebung, weil die deutschen Behörden die Fluchtgründe nicht ernst nähmen.
Diese Woche beklagte auch das "Queer Refugee Network Leipzig", dass das Bundesamt für Flüchtlinge (BAMF) die Anträge von mehreren irakischen Flüchtlingen abgelehnt habe – einem der Bewerber attestierten die Beamten, dass er "aufgrund seines Verhaltens und seiner Kleidung" nicht für schwul gehalten werde (queer.de berichtete).
"Wie haben Sie den Geschlechtsverkehr empfunden?"
Am Verhalten des BAMF gegenüber Homosexuellen gibt es mehr und mehr Kritik, auch in den Medien: Am Montag berichtete etwa die "Süddeutsche Zeitung" über "peinliche Fragen an homosexuelle Asylbewerber". So sei ein Pakistaner gefragt worden: "Wie oft hatten Sie mit Ihrem Freund Geschlechtsverkehr?" und "Wie haben Sie den Verkehr empfunden?"
Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck attestierte: "Wenn es um Lesben und Schwule geht hat die Missachtung asylrechtlicher Vorgaben beim BAMF System." Der grüne Politiker kritisierte auch, dass die Behörde Schwule und Lesben aus Verfolgerstaaten mit dem Argument ablehnte, sie könnten ihre Homosexualität in ihrem Heimatland verstecken. Beck verwies darauf, dass diese Argumentation gegen EU-Recht verstößt: Bereits 2013 hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, dass Schwulen und Lesben nicht zuzumuten sei, ihre sexuelle Orientierung geheim zu halten, um eine Verfolgung in ihrem Heimatland zu vermeiden (queer.de berichtete).
Erschwerend kommt hinzu, dass in Deutschland mit dem Senegal und Ghana auch zwei Länder, die Homosexuellen wegen ihrer sexuellen Orientierung mit Haftstrafen drohen, das Prädikat "sichere Herkunftsstaaten" erhalten haben – und somit die Anerkennung von Verfolgten extrem schwer ist. Nach dem Willen der Großen Koalition sollten auch Algerien, Tunesien und Marokko als "sicher" erklärt werden, obwohl dort immer wieder Homosexuelle im Gefängnis landen. Das Prädikat für die drei Maghreb-Staaten wurde aber von Grünen und Linken im Bundesrat gestoppt (queer.de berichtete). (dk)















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Es kann durchaus sein, dass die Herkunftsfamilie auch im Jahre 2017 einem noch Schwierigkeiten bereitet. Das wird in Deutschland und Frankreich bisweilen auch so sein. Ein Asylgrund ist dies nicht.