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Pride-Statement jetzt im Fenster
Regenbogenfahne am Balkon: Vermieter drohte mit fristloser Kündigung
Im Flaggenstreit von Gröbenzell folgte der schwule Mieter der Aufforderung des Eigentümers – und fand eine viel auffälligere Lösung, die den Vorschriften entspricht.

Am Donnerstagmittag hing die Regenbogenfahne noch rechts auf der Terrasse – am Abend leuchteten dann zwei Flaggen aus den beiden Schlafzimmerfenstern (Bild: Christof Demuth)
- 14. Juli 2017, 06:34h 2 Min.
Der Streit um eine Regenbogenfahne auf einer Dachterrasse in Gröbenzell wird immer absurder. Am Montag hatte der schwule Mieter Christof Demuth von Eigentümer Joachim Netschert die erste Aufforderung erhalten, die Flagge zu entfernen – die er jedoch ignorierte (queer.de berichtete). Am Donnerstag folgte nun ein Einschreiben mit einer letzten Frist bis Freitag um 12 Uhr.
"Sollten Sie unserer Aufforderung nicht nachkommen, werden wir ohne weitere Mahnung Ihren Mietvertrag fristlos wegen Eigentumsstörung und Gefährdung des Hausfriedens aufkündigen", heißt es in dem Brief, der queer.de vorliegt. "Wir dulden in unserem Haus keine dauerhaften politischen Demonstrationen mittels Fahnen, Aufklebern, Plakaten oder ähnlichem", schrieb Neufert, ein ehemaliger CSU-Gemeinderat, zur Begründung. "Diese Fahne hängt jetzt seit dem 30.06.2017 und stellt eine politische Äußerung dar. Ihrem Anspruch auf freie Meinungsäußerung ist damit über Gebühr entsprochen."

Kein Sichtschutz mehr am Geländer: Um der Kündigung zu entgehen, entfernte Christof Demuth die Regenbogenflagge von seiner Terrasse (Bild: Christof Demuth)
Demuth wirft dem Vermieter sowohl Homophobie als auch eine Racheaktion vor. "Die Flagge hing letzten Sommer zwei Monate dort. Keine alte Sau hat das gejuckt", erklärte er gegenüber queer.de. Zudem habe sich das Verhältnis zur Grundstücksgesellschaft Netschert im letzten Herbst deutlich verschlechtert, nachdem er erfolgreich zwei Mieterhöhungen abgewehrt habe.
Die bunte Fahne entfernte Demuth dennoch am Donnerstagabend von seiner Dachterrasse – und hängte sie stattdessen in einem Schlafzimmerfenster seiner Wohnung auf, direkt links vom Geländer. "Und weil ich zwei dieser Flaggen habe und weil ich denke, die Flaggen dürften so einfach besser zu Geltung kommen, werde ich bis auf weiteres – 24/7 – das Licht in meinem Schlafzimmer brennen haben", meinte der schwule Mieter. "Nächtigen werde ich auf meiner Schlafcouch im Wohnzimmer. Nun entspricht alles den Vorschriften."
Die Fenster als Ausweichort hatte der Vermieter in einem ersten Schreiben selbst ins Gespräch gebracht. (mize)














