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Deutliches Interview
Kadyrow: Tschetschenisches Blut von Schwulen reinigen
In einem TV-Interview mit dem amerikanischen Sender HBO nahm der Präsident der Republik kein Blatt vor den Mund: Schwule sollten nach Kanada gebracht werden.

Das tschetschenische "Oberhaupt" Ramsan Kadyrow in dem HBO-Interview. Bislang sah die russische Politik über jahrelange Menschenrechtsverletzungen des "Statthalters" in Grosy hinweg.
- 15. Juli 2017, 10:39h 3 Min.
Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow hat in einem Interview mit dem US-Sender HBO erneut eine Verfolgung von Schwulen in der autonomen russischen Republik abgestritten.
Auf die Frage des Sportjournalisten David Scott, was er zur berichteten Verschleppung und Folter schwuler Männer in Tschetschenien sagen wolle, meinte der 40-Jährige: "Warum ist [der Journalist] hierher gekommen? Was ist der Sinn dieser Fragen? Das ist Schwachsinn. Wir haben hier keine dieser Leute. Wir haben keine Schwulen. Wenn es welche gibt, bringt sie nach Kanada. Gott sei gepriesen. Bringt sie sehr weit weg von uns, so dass wir sie nicht hier zu Hause haben. Um unser Blut zu reinigen: Wenn es hier irgendwelche gibt, nehmt sie."
Der in die tschetschenische Hauptstadt Grosny gereiste Scott wollte in einer Nachfrage wissen, ob es Kadyrow nicht besorge, wenn er die Berichte junger Männer über tagelange Folter lese, auch aus Sicht von Recht und Gesetz in seiner Republik. Diese Männer seien "Teufel", so Kadyrow. "Sie stehen zum Verkauf. Sie sind keine Menschen. Gott soll sie für das verdammen, was sie uns vorwerfen. Sie werden sich vor dem Allmächtigen dafür verantworten müssen."
/ yashar | Einer der vorab veröffentlichen Ausschnitte des Kadyrow-Interviews von HBO Real Sports2. Kadyrov says if there are any gay people in Chechnya they should be removed in order to purify the blood of the Chechen people. pic.twitter.com/oTshkbFGLO
— Yashar Ali (@yashar) July 14, 2017
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In einem weiteren vorab verbreiteten Interviewausschnitt bedrohte Kadyrow die USA, die eine anti-russische Politik betrieben: "Sie wissen, dass ich bereit bin, mein Leben für Russland zu geben, und dass ich eine gute Armee habe, die fähig ist, zu attackieren und zu verteidigen. Wir werden sehen, wie die Dinge für jeden laufen werden."
Amerika sei "nicht stark genug", um als Feind Russlands zu gelten, so Kadyrow. "Wir haben eine starke Regierung und Atomwaffen. Selbst wenn unsere Regierung komplett zerstört würde, würden automatisch Atomraketen abgefeuert. Wir werden die ganze Welt in die Knie zwingen und sie von hinten ficken."
Erstes westliches TV-Interview seit Jahren
Grund des makabren Interviews für die HBO-Sendung "Real Sports" ist die Begeisterung des Präsidenten für den Kampfsport Mixed Martial Arts – Kadyrow promotet den Sport in seiner Region und ließ, unter Protest des russischen Sportverbands, zu seinem letztjährigen Geburtstag einen Wettkampf im Fernsehen übertragen, an dem sogar drei acht- bis zehnjährige Söhne des Präsidenten teilnahmen.
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Das Interview, das erste von Kadyrow mit einem westlichen Medium seit Jahren, soll am 18. Juli ausgestrahlt werden. Zusammen mit dem Magazin "Vice" hatte der Pay-TV-Sender HBO vor einigen Wochen bereits eine Reportage aus einem außergesetzlichen Gefängnis in Tschetschenien veröffentlicht, in dem schwule Männer gefoltert worden sein sollen (queer.de berichtete). Die Verantwortlichen vor Ort stritten das ab.
Auch Kadyrow selbst hatte die Verfolgungswelle mehrfach abgestritten. Unter Tschetschenen habe es nie Homosexuelle gegeben, sagte er im Mai: "Es sei denn, wir sprechen von denen, die sich so bezeichnen, damit sie in den Westen gehen können" (queer.de berichtete). Zu den ersten Berichten über die Verschleppungen sagte seine Sprecher: "Du kannst keine Personen verhaften oder unterdrücken, die in der Republik nicht existieren. Falls solche Menschen in Tschetschenien existieren würden, hätten ihre Verwandten sie zu einem Ort geschickt, von dem sie nicht zurückkehren können" (queer.de berichtete).
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Nach Berichten des russischen LGBT Network wurden im Frühjahr mehrere hundert Männer in Tschetschenien wegen vermuteter Homosexualität durch Sicherheitskräfte verschleppt und in sechs außergesetzlichen Gefängnissen gefoltert. Mindestens sechs Männer wurden durch die Beamten oder durch Verwandte getötet. Nach einem zwischenzeitlichen Stopp der Verschleppungen gab es zuletzt Meldungen über erneute Festnahmen.
Mehr zur aktuellen Lage in Tschetschenien in dem gestrigen Bericht: Tschetschenien: Volker Beck ermahnt russischen Außenminister. (nb)
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Na, Ramsan, ein erster, zaghafter Versuch eines Coming Outs?