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Diese Klischees können Bi­sexuelle nicht mehr hören!

Wer sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlt, steht nicht automatisch auf Dreier. Antworten auf die sieben häufigsten Vorurteile.


Bisexuelle Menschen beim San Francisco Pride 2015 (Bild: Thomas Hawk / flickr)
  • Von Sophie Saint Thomas
    15. Juli 2017, 13:05h 29 4 Min.

Dieser Text erschien zuerst auf
REFINERY29
Das "B" in LGBTI wird meist ignoriert. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die "Bisexualität", für die das "B" steht, für Nicht-Bisexuelle ein Konzept ist, das man nur schwer zu durchdringt. Deswegen möchte ich ein wenig für Klarheit sorgen. Das fängt schon damit an, dass nicht jeder, der sich zu mehr als einem Genderkonzept hingezogen fühlt, notwendigerweise bisexuell sein muss – vielleicht ist er auch pansexuell oder einfach queer. Manche bezeichnen sich auch als queer und bisexuell – ich zum Beispiel.

Trotz all der Fortschritte, die wir als Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten gemacht haben, gucken die meisten Menschen einen noch immer wie ein Auto an, wenn man erklärt, dass man sich nicht nur zu einem Geschlecht hingezogen fühlt. Man fühlt sich einfach zu beiden hingezogen, das eine Geschlecht schließt das andere nicht aus.

1. Bisexualität = Promiskuität
Natürlich verdoppeln sich dadurch rechnerisch die Optionen, was sich in der Realität ganz und gar nicht in einer Vervielfachung der Sexpartner ausdrückt. "Nur weil mehr Menschen in Frage kommen, heißt das noch lange nicht, dass man sich auf alle einlässt", sagt die Sextherapeutin Dr. Kelly Wise.

2. Bisexuelle können nicht monogam leben
Ähnlich absurd ist die Annahme, alle Bisexuellen seien polygam. "Es ist ein bisschen so, als würden die Leute Bisexualität mit Polyamorie verwechseln", erklärt Dr. Wise. Dabei ist es so: Die Begriffe Polyamorie und Polygamie beziehen sich auf Menschen, die mit mehr als einer Person in einer Beziehung sind. Das kann aber grundsätzlich jeder, dazu muss man nicht bisexuell sein.

3. Bisexuelle wollen Aufmerksamkeit
Es gibt diesen stereotypen Traum von zwei knutschenden Teeniemädchen, der einen Rattenschwanz von Konsequenzen nach sich zieht: Das machen die nur, um die Blicke von Typen auf sich zu lenken. Was natürlich vollkommen falsch ist. Die knutschen einfach, weil sie es gerade wollen, was aber nicht bedeutet, dass sie an einem anderen Ort an einem Tag nicht auch mit einem Typen knutschen würden. Das gilt im Übrigens auch für Jungs. Bisexuelle fühlen sich zu mehr als nur einem Geschlecht hingezogen. Punkt. Aus. Ende. Sie wollen nicht mehr und nicht weniger Aufmerksamkeit als jeder andere auch.

4. Bisexualität ist nur eine Phase
Ist sie nicht. Bisexualität ist eine reale, valide sexuelle Orientierung. Es ist kein Experiment, keine Phase und keine Vorstufe zur Homosexualität, keine Tür, die man sich zur Heterosexualität offen hält. Natürlich kann sich die sexuelle Identität auch entwickeln, deshalb jedoch pauschal anzunehmen, alle Bisexuellen befänden sich "auf dem Weg" ist schlicht nicht wahr.

5. Bisexuelle lieben Dreier
Oh Mann, was für ein Klischee! Man erzählt jemandem, man sei bisexuell und hört als erstes: "Wow, das ist hot! Bock auf einen Dreier?" Auch wenn ernüchternd klingen mag, aber Bisexuelle sind nicht ständig auf Dreier aus, womit wir aber gegen die sexuelle Praxis des Dreiers nichts gesagt haben wollen.

6. Wenn du in einer monogamen Beziehung bist, bist du nicht mehr bisexuell
Noch einmal: Bisexualität bedeutet nicht, dass du mit zwei Menschen gleichzeitig zusammen sein musst. Du kannst, aber du musst nicht. Das heißt abschließend eben auch, dass meine Bisexualität nicht einfach Vergangenheit ist, wenn ich mit einem Menschen des anderen Geschlechts zusammen bin. "Die Identität ändert sich nicht anhand des Partners", sagt auch Dr. Wise noch einmal klipp und klar.

7. Bisexuelle denken nur in binär-geschlechtlichen Strukturen
Nur weil in "bisexuell" auch "bi" steckt, heißt das nicht, dass ich als bisexuelle Cis-Frau nur mir Cis-Männern und -Frauen schlafen würde. Das "bi" bezieht sich nämlich nicht nur auf binär, sondern ist ein lateinisches Präfix für zwei. Ohnehin stammt der Begriff ja aus einer Zeit, als man es noch nicht für eine gute Idee hielt, Leute mit einer Dur-Tonart zu bezeichnen. Je mehr man über die Sache nachdenkt, desto klarer wird, dass Begriffe in dieser Angelegenheit sowieso nie zufriedenstellend greifen. Doch als Merksatz gilt: Wer sich von mehr als einem Geschlecht angezogen fühlt, muss dadurch nicht automatisch seine eigene Identität mitdefinieren.

#1 Komischer VogelAnonym
  • 15.07.2017, 13:28h
  • um was klar zu stellen:

    Ich bin BI und ich steh dazu Dreier, Vierer, Fünfer und Gruppensex bis zum undefinierbaren Kneul zu haben.
    So what?
    (und bevor hier das gekreisch los geht, mein Mann ist meist mit dabei und Safer sex only)

    Viele anderen Bi's sogar meiner Erfahrung nach die weit grössere Mehrheit sind Monogam .
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#2 FinalmSposato
  • 15.07.2017, 13:59h
  • Ich finde den Artikel gut und wichtig um mit Vorurteilen aufzuräumen.

    Das für mich entscheidende und darüber muss sich ein Schwuler der sich in einen Bisexuellen verliebt und eine Beziehung eingeht im Klaren sein:

    "Die Identität ändert sich nicht anhand des Partners".

    Ich denke, wäre mein Mann bi, hätte es durchaus auch mit uns zwei klappen können, doch wäre da etwas für ihn elementares was zu seiner Identität gehört, mir aber gleichzeitig total fremd ist.

    Z.B. müsste ich akzeptieren dass er sich auf Frauen einen runterholt, weil das was ganz natürliches ist, wenn man auf Frauen steht, wo ich mich aber ausgeschlossen fühlen würde. Heute ist es amüsant, lustig und sehr antörnend, wenn man den anderen mal gelegentlich bei einem Porno "erwischt" und kann gleich mitmachen.

    Aber das wäre ja noch nicht alles. Er würde mir auch sagen, zum Beispiel in einem Café, dass er diese und jene die gerade vorbeigeht total heiss und scharf findet. So wie wir das eben heute manchnal bei einem Kerl machen. Oder er würde im Schlafzimmer statt eines kunstvollen Kalenders mit nackten Kerlen auch einen mit Frauen aufhängen wollen. Sicher gäbe es noch mehr solcher Beispiele.

    Ganz ehrlich, ich bin deshalb froh ist mein Mann genauso schwul wie ich selbst. Zumindest unter Männern, glaube ich, dass die Wahrscheinlichkeit damit eine gleichgeschlechtliche Beziehung auf Dauer klappt, bedeutend höher ist, wenn beide entweder schwul oder bisexuell sind.
    Ansonsten stelle ich mir als dauernde Herausforderung an.
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#3 bipedalAnonym
  • 15.07.2017, 16:17h
  • Why Is This Still A Thing?

    Ich verstehe nun wirklich nicht, warum im 21. Jahrhundert noch immer versucht wird Leute in Schubladen zu stecken. Meine Sexualität ist zwar ein Teil von mir, aber es ist der Teil von mir, der nur mich was angeht. Erstens.
    Zweitens, ich definiere mich nicht über meine sexuellen Vorlieben zu einem vernunftbegabten Menschen, sondern darüber, was ich sage und tue, und wie ich mit anderen Menschen umgehe. Drittens, Coming Out ist für mich wegen Klischees, Stereotype und Vorurteilen inzwischen so kompliziert und nervig geworden, dass ich mich darauf festgelegt habe zu sagen "Ich habe keinen Schrank mehr, Coming Out ist Geschichte, denkt und glaubt was ihr wollt."
    Viertens, Schwule und Lesben sollten sich in Demut und Toleranz üben, denn alle übrigen, ja sogar die Heten, können das viel besser.
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