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  • 08. Juni 2005 23 3 Min.

Zur anstehenden Bundestagswahl gibt sich die BAG Schwulenpolitik der Grünen kämpferisch.

Von Norbert Blech

Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Schwulenpolitik der Grünen hat auf ihrer jüngsten Tagung den Bundestagswahlkampf vorbereitet, mit der Setzung der wichtigsten Themen und auch Personalentscheidungen. Jörg Ebel aus Hamburg wurde einstimmig in seinem Amt als Sprecher der BAG bestätigt, der Bundstagsabgeordnete Volker Beck aus Köln bekam ein einstimmiges Votum für die Kandidatur auf der NRW-Landesliste.

ADG, Paare, Kinder

Die BAG, die aus zwei Delegierten je Landesverband, den Fachabgeordneten der Landtage, Volker Beck als Vertreter der Bundestagsfraktion und Claudia Roth als zuständigem Bundesvorstandsmitglied besteht, beschloss zahlreiche Ziele für das Bundestagswahlprogramm. "Die Wahl im Herbst wird zur Richtungsentscheidung in der Gleichstellungspolitik. Die schwulen Grünen gehen geschlossen und kämpferisch in diese Auseinandersetzung", schrieb Jörg Ebel in einer Pressemitteilung.

So kämpfe man "mit Nachdruck" für "ein wirkungsvolles Antidiskriminierungsgesetz auch für Schwule und Lesben", wie es bereits bei den letzten beiden Bundestagswahlen versprochen wurde. Nichteheliche Paare, gleich ob heterosexuell oder gleichgeschlechtlich, sollen mit mehr Rechten augestattet werden, Regenbogenfamilien, also Schwule und Lesben mit Kindern, sollen "gestärkt" werden, fasst Ebel zusammen.

Ehe-Öffnung zweifelhhaft

Von all den Forderungen ist jedoch die nach der Öffnung der Ehe für Homo-Paare die überraschendste. "Die Zeit ist reif für die Öffnung der Ehe", sagt Ebel, dies sei das "zentrale Wahlziel". "Wir wollen dieses Ziel im Bundestagswahlprogramm verankern, damit Bündnis 90/Die Grünen die erste Partei werden, die nicht nur gleiche Rechte, sondern auch das gleiche Rechtsinstitut für Lesben und Schwule wie für Heterosexuelle fordern."

Jahrelang verfolgte die Partei das Ziel einer mit der Ehe halbwegs gleichgestellten Lebenspartnerschaft - was zu zahlreichen Änderungen in Gesetzestexten (bis zum Milch- und Margarinegesetz) und rätselhaften Bürokratenformulierungen in Standesämtern und bei Notaren führte - sowie zu der Situation, gleiche Pflichten, aber nicht gleiche Rechte zu haben.

Dazu führte die Blockade des Ergänzungsgesetzes durch die Union im Bundesrat, letztlich aber bereits die Formulierung, das Institut Lebenspartnerschaft. Dass diese der Ehe gleichgestellt werden könne, hatte das Bundesverfassungsgericht zur Freude Aller geurteilt. Aber auch, dass es nicht zu einer Gleichstellung kommen muss, da Ehe und Lebenspartnerschaft zwei verschiedene Institute sind.

Im Recht liegt auch eine Schwierigkeit der Forderung nach Öffnung der Ehe. Zwar ist in der Verfassung die Ehe nicht näher definiert, zahlreiche Urteile des Bundesverfassungsgerichts, auch noch das zur Homo-Ehe aus dem Jahr 2002, legen sie jedoch als Verbindung von Mann und Frau aus. Im Jahr 1980 urteilte das Gericht, die Ehe als Verbindung von Mann und Frau gehöre zu den Art. 6 GG gewährleisteten Strukturprinzipien, "die der Verfügungsgewalt des Gesetzgebers entzogen" seien.

Ob das Parlament mit einem einfachen Gesetz die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule beschliessen kann, ist bei Juristen seitdem umstritten (eine auch für Nichtjuristen spannende Abwägung bietet ein Vortrag von Dr. Kerstin Strick an der Universität zu Köln, der online als PDF nachzulesen ist). Die Grünen, die 1995 mit einer Ergänzung des § 1353 BGB die Ehe schon einmal öffnen wollten, haben sich zumindest in der Koalition mit der SPD nicht an das heiße Eisen getraut.

Schwerer Wahlkampf

"Wir werden auf den CSDs Präsenz zeigen und um jede Stimme kämpfen. Für Schwule und Lesben steht nicht weniger auf dem Spiel, als die Fortsetzung der Gleichstellungspolitik", sagte Ebel. Auf die Homo-Grünen kommt im Wahlkampf die große Aufgabe zu, Reformen zu fordern, die nach sieben Jahren rot-grüner Bundesregierung noch immer nicht umgesetzt sind. Die Rettung sucht man offenbar in der Flucht nach Vorne.

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-w-

#1 TOMAnonym
  • 08.06.2005, 16:59h
  • Na, endlich eine vernünftige Forderung. Die eingetragene Partnerschaft wird im Vergleich zur echten Ehe immer eine Ehe zweiter Klasse und damit diskrimierend sein. Sie ist nur als Notlösung anzusehen. Nur eine Öffnung der Ehe für Homopaare bedeutet echte Gleichstellung!!

    Allerdings frage ich mich auch, ob das nur ein Wahlkampfthema zum Stimmenfang ist oder ob es den Grünen wirklich ernst ist. Nicht nur, dass sie bisher dieses Thema ausgeklammert haben, sondern sie sind z.B. beim Thema Adoptionsrecht sogar noch hinter den Forderungen der FDP geblieben und haben nur das sog. "kleine" Adoptionsrecht durchgesetzt (was nicht zuletzt auch den Kindern schadet). Auch das Beispiel Magnus-Hirschfeld-Stiftung ist zeigt, warum viele Schwule und Lesben den Grünen in letzter Zeit den Rücken gekehrt haben (wie ja auch Wahlanalysen zeigen).

    Wenn die Grünen das verspielte Vertrauen der Schwulen und Lesben wieder zurückgewinnen wollen, müssen sie zeigen, dass es ihnen diesmal wirklich ernst ist und sie nicht nach der Wahl von ihren Versprechungen nichts mehr wissen wollen, bzw. diese nur teilweise umsetzen. D.h., dass die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare nicht nur Wahlkampfthema sein darf, sondern auch im Erfolgsfall festes Thema des Koalitionsvertrags sein muss.
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#2 Ehe im WandelAnonym
  • 08.06.2005, 17:14h
  • Spanien, Belgien und die Niederlande haben die Ehe geöffnet. Kanada wohl auch?
    Damit ist der Begriff im Wandel. Diesen Wandel hat das Bundesverfassungsgericht immer für möglich gehalten, aber eben noch nciht festgestellt. Insofern eine interessante juristische Debatte.
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#3 FelixAnonym
  • 08.06.2005, 17:15h
  • Eines muss den Grünen klar sein: wenn das nur Wahlkampftaktik zum Stimmenfang ist und danach nicht zur Grundvoraussetzung für Koalitionsvereinbarungen gemacht wird haben sie ihre letzte Chance vertan die Homowähler zurückzugewinnen. Bisher haben die Grünen ja bei Homorechten zu oft gegenüber der SPD zurückgesteckt.

    Sollte nach diesem großen Versprechen bei einem Wahlerfolg und damit verbundener Regierungsbeteiligung wieder nur das Nötigste folgen (wie bisher bei der eingetragenen Partnerschaft, womit zwar viele Pflichten, aber nur wenig Rechte verbunden sind) dann haben die Grünen es sich endgültig mit ihren Homowählern verdorben.

    Die Forderung ist richtig, muss dann aber auch bei Wahlerfolg ohne Kompromisse umgesetzt werden! (und dementsprechend fester Bestandteil eines Koalitionsvertrags sein)!!!!
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