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"Welt"-Interview
Jens Spahn: "Homosexuelle wie ich werden vom Turm geworfen"
Mit martialischen Worten warnt der schwule Politiker indirekt davor, dass sich Deutschland in eine "islamische Gesellschaft" verwandeln könne, in denen Menschen wie er getötet werden.

Der CDU-Politiker Jens Spahn macht sich wegen des Zuzugs vieler Muslime Sorgen, dass Deutschland homophober und machohafter wird (Bild: Heinrich-Böll-Stiftung / flickr)
- 19. Juli 2017, 13:25h 3 Min.
Finanzstaatssekretär Jens Spahn (CDU) hat in einem Interview mit der "Welt" mit Blick auf die höhere Zahl an Ausländern in Deutschland vor gesellschaftlichen Veränderungen gewarnt: "Die deutsche Gesellschaft läuft Gefahr, antisemitischer, schwulenfeindlicher, machohafter und gewaltaffiner zu werden, als sie bisher ist", erklärte der offen schwule Politiker. Er verwies insbesondere auf aktuelle Meldungen über Übergriffe auf einem Volksfest im schwäbischen Schorndorf, die von Flüchtlingen ausgegangen sein sollen.
Für die Entwicklung machte Spahn ausschließlich die Zuwanderer verantwortlich. So seien Menschen aus dem arabischen Kulturraum "oft geprägt durch eine verklemmte Sexualmoral, durch Nicht-Gleichberechtigung von Frauen, die Ablehnung von Juden oder Schwulen". Weiter erklärte Spahn: "Vielleicht habe ich persönlich tatsächlich eine besondere Sensibilität bei dem Thema." Andere Personen müssten sich "in einer islamischen Gesellschaft einen Bart wachsen lassen", sagte der 37-Jährige. "Aber Homosexuelle wie ich werden vom Turm geworfen."
Als Lösung empfahl der CDU-Politiker, der schon als nächster Kanzler gehandelt wird, eine "klarere Erwartungshaltung an Einwanderer", die sofort "mit anpacken" sollten. Wer sich "daneben benimmt", gehöre "eigentlich gleich wieder ausgewiesen".
Grüner Politiker: Spahn redet Unsinn
Schnell regte sich Kritik an den zugespitzten Aussagen Spahns. So erklärte der bayerische Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek (Grüne) auf Twitter, dass Spahn nicht sämtliche Kriminalität in Deutschland auf Ausländer schieben könne: "Ich bin als Bayer Volksfest-erfahren. So zu tun, als sei sexuelle Belästigung ein vorwiegend von Migranten erzeugtes Phänomen, ist Unsinn." Spahn beharrte in einer Antwort auf seiner Position: "Sie sollten öfter Regionalzeitungen lesen. Sexuelle Übergriffe ähnlicher Art sind leider eher tägliche Meldung."
Applaus erhielt Spahn aus der AfD. Holger Arppe, der wegen Volksverhetzung verurteilte offen schwule Ex-Chef der Rechtspopulisten in Mecklenburg-Vorpommern, attestierte dem CDU-Politiker, "wirklich sympathisch" zu sein, "aber was er nach #Schorndorf feststellt, sagt die #AfD schon seit Jahren".

Freilich unterscheidet sich Spahns Argumentation in Teilen von den Aussagen der AfD. So beteuerte der CDU-Politiker im "Welt"-Interview eher nebenbei: "Ich fürchte nicht, dass Deutschland islamisiert wird". Außerdem sprach er sich im Gegensatz zur AfD dafür aus, islamische Gemeinden zu stärken, die "für mehr Liberalität kämpfen".
Dennoch versucht Spahn bereits seit Jahren, mit medienwirksamen Sprüchen gegen Zuwanderer auf Stimmenfang zu gehen – etwa mit der Empfehlung, dass junge Muslime in öffentlichen Einrichtungen wie die Einheimischen nackt duschen sollten (queer.de berichtete). Spahns Haltung führte auch zu Widerspruch aus der LGBTI-Community: Blogger Rainer Hörmann warf ihm etwa vor, Minderheiten gegeneinander auszuspielen und "am Stammtisch" auf AfD-Wähler zu zielen. (dk)
Links zum Thema:
» Gesamtes Interview bei Welt.de (kostenpflichtig)















Das deutsche Grundrecht "Freier Blick auf alle Schwänze" MUSS erhalten werden!