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Einzelkommentar zu:
Kusch: Polit-CSD unnötig


#10 Jörg Korell, AIDS-Hilfe HamburgAnonym
  • 09.06.2005, 20:13h
  • Schwul oder nicht schwul spiele keine größere Rolle mehr, als blond oder nicht blond sein, meint Herr Kusch in seinem heutigen MOPO-Interview. Das wäre schade – allein schon wegen der Blon-dinenwitze!

    Coming out-Hilfen seien nicht mehr nötig, meint der Herr Justizsenator weiter, und HIV sei heute nicht mehr anders wahrzunehmen als andere Krankheiten. Das wiederum grenzt an vorsätzliche Kör-perverletzung im Amt!

    2.000 Menschen infizieren sich in Deutschland jedes Jahr neu mit HIV – das sind 2.000 Menschen zuviel angesichts der tödlichen Bedrohung, die bis heute von einer Aidserkrankung ausgeht. Daß insbesondere Menschen einem großen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, die wegen Diskriminierung und Angst vor Ausgrenzung nicht offen zu ihrem Leben und ihrer Sexualität stehen können, scheint eine Erkenntnis zu sein, die sich der Lebenswirklichkeit eines Mittelschicht-Yuppies nicht ohne weiteres Nachdenken erschließen mag. Der internationale Vergleich bestätigt jedoch seit vielen Jahren, daß das deutsche Modell der Förderung von Eigenkompetenz und –verantwortlichkeit eines der erfolgreichsten HIV-Präventionsmodelle ist. Ein Modell, daß in Hamburg leider zum Auslaufmodell erklärt wurde: Der Hamburger Senat, dem auch Herr Kusch angehört, hat kürzlich beschlossen, sein ohnehin reduziertes Engagement in der Aidsprävention bis Ende 2006 um ein weiteres Fünftel zurückzufahren.

    Fatal ist das falsche Entwarnungssignal, daß der Senator mit seinem Statement in die Welt sendet. Mag es auch darin motiviert sein, das offenkundig falsche Handeln seiner Regierung scheinbar zu legitimieren – Herr Kusch, der es als schwuler Mann mit einer gewissen Lebenserfahrung besser wissen müßte, trägt mit seiner Behauptung, HIV/AIDS bedürfe keiner besonderen Aufmerksamkeit mehr, die Verantwortung für neue HIV-Infektionen!

    Man kann es nicht oft und deutlich genug sagen: AIDS ist immer noch tödlich! Eine HIV-Infektion kann noch immer nicht rückgängig gemacht werden! Eine lebenslange HIV-Therapie bringt häufig gravierende Nebenwirkungen mit sich, die ihrerseits lebensbedrohliche Ausmaße annehmen können. Erhebliche Einschränkungen der Lebensqualität, Diskriminierungen und Ausgrenzung gehören im Leben mit HIV/AIDS sind bis heute zur Tagesordnung.

    Der Schutz vor HIV ist relativ einfach. Man braucht oft nur jemanden, mit dem man über Fragen und Unsicherheiten sprechen kann. Und dafür sind wir da! Mag der Herr Justizsenator seine Kompetenzen haben – in den Bereichen HIV-Prävention und Gesundheitsförderung liegen diese jedenfalls nicht. Vielleicht wäre er statt dessen dafür zu gewinnen, beim nächsten Alstervergnügen einige Blondinenwitze zu erzählen?
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