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NHS lenkt ein
England verteilt PrEP kostenlos an 10.000 Personen
Der staatliche Gesundheitsdienst hatte noch vergangenes Jahr mit homophoben Argumenten versucht, die Ausgabe HIV-Präventionspille zu verhindern.

In Großbritannien gibt es immer wieder Demonstrationen für eine bessere Finanzierung des Gesundheitssystems, das viel längere Wartezeiten bietet als deutsche Kliniken und weit weniger Geld ausgibt als deutsche Krankenversicherungen (Bild: Birmingham Eastside / flickr)
- 4. August 2017, 11:01h 3 Min.
Der staatliche britische Gesundheitsdienst NHS hat angekündigt, in England 10.000 HIV-negative Personen, die ein höheres Risiko für eine HIV-Ansteckung haben, mit der Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) zu versorgen. Bei der Aktion handelt es sich um eine vorläufig dreijährige Testphase.
Kliniken für sexuelle Gesundheit in den Städten London, Brighton, Manchester, Liverpool und Sheffield sollen im September damit beginnen, das Medikament zu verteilen. Im Frühjahr 2018 soll die Pille englandweit erhältlich sein. Die Hauptzielgruppe für PrEP sind schwule Männer mit häufig wechselnden Sexualpartnern.
"Das ist ein weiterer Meilenstein im drei Jahrzehnte andauernden erfolgreichen Kampf gegen eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen der Menschheit", erklärte Simon Stevens, der Chef von NHS England. Die Pille sei eine wichtige Ergänzung der Präventionsstrategie des NHS.
Dabei hatte der NHS in Großbritanniens größtem Landesteil lange gegen PrEP gekämpft und gefordert, dass Patienten PrEP aus ihrer eigenen Tasche zahlen sollten. Der chronisch unterfinanzierte Gesundheitsdienst hatte dabei argumentiert, dass man ansonsten Kindern mit Mukoviszidose oder anderen Krankheiten keine Medikamente mehr finanzieren könne. Aids-Aktivisten nannten die Argumentation homophob, weil damit Kinder gegen Schwule ausgespielt werden würden (queer.de berichtete). Das erzkonservative Boulevardblatt "Daily Mail" griff jedoch die Debatte auf und nannte die Pille ein "Lifestyle-Medikament".
Auch die Regierungen von Wales und Schottland haben angekündigt, die Pille an Gruppen mit erhöhtem Risiko abgeben zu wollen. Auch in diesen Landesteilen gibt es einen staatlichen Gesundheitsdienst, bei dem automatisch alle Einwohner versichert sind.
PrEP seit einem Jahr in Europa zugelassen
Aids-Aktivisten werben weltweit bereits seit längerem für die Einführung von Medikamenten wie Truvada als vorbeugenden Schutz für HIV-Negative. Erst im August 2016 hatte die Europäische Kommission die PrEP zugelassen (queer.de berichtete). Täglich korrekt eingenommen, kann die Pille eine HIV-Infektion Studien zufolge mit fast 100-prozentiger Sicherheit verhindern. Sie wird deshalb als Ergänzung zu bestehenden Präventionsstrategien, etwa Kondomen, empfohlen.
Gleichzeitig ist die PrEP ein Politikum, weil eine Anwendung sehr teuer ist – in Deutschland kostet Truvada über 800 Euro pro Monat. Zwar sind seit 1. August Generika zugelassen worden, allerdings sind diese nur unwesentlich günstiger (queer.de berichtete). Deutsche Krankenkassen kommen daher bislang nicht für die Kosten auf. Die Deutsche Aids-Hilfe fordert, dass diese Präventionsmethode nicht nur für Reiche erschwinglich sein sollte.
In den USA ist Truvada bereits seit 2012 als PrEP zugelassen – und gilt dort als Erfolgsgeschichte. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC sprach 2015 die Empfehlung aus, dass rund ein Viertel der sexuell aktiven schwulen und bisexuellen Männer, die HIV-negativ sind, die Pille einnehmen sollte (queer.de berichtete). Seit der Einführung sind die Neudiagnosen in den USA kontinuierlich gesunken. (dk)















Es ist eine effektive Möglichkeit, die Ausbreitung von HIV zu reduzieren oder vielleicht sogar irgendwann das Virus auszurotten (so wie man andere Viren ja auch ausgerottet hat), wenn man es schon nicht heilen kann.
Und billiger als die Therapie HIV-Positiver ist es allemal, so dass es nicht nur aus ethischen Erwägungen, sondern alleine schon aus finanziellem Interesse so sein sollte.