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Spagat der Kanzlerin
Merkel: Ehe für alle sorgt für "Befriedung" der Gesellschaft
Im Interview mit jungen Youtubern lobt sich die Bundeskanzlerin dafür, dass sie die Abstimmung im Bundestag ermöglicht habe – obwohl sie die Eheöffnung grundgesetzwidrig findet.

Bundeskanzlerin Angela Merkkel (CDU) stellte sich am Mittwoch live eine Stunde lang den Fragen von MrWissen2Go, ItsColeslaw, Alexi Bexi und Ischtar Isik (Bild: Screenshot)
- 17. August 2017, 04:13h 2 Min.
In einem live gestreamten Interview (ab ca. 7:45) mit vier jungen Youtube-Stars hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch auch über die Ehe für alle gesprochen. Lisa Sophie, eine 22-jährige Berliner Psychologiestudentin, die den Youtube-Kanal "ItsColeslaw" mit über 240.000 Abonnenten betreibt, wollte von der CDU-Chefin wissen, warum sie im Bundestag gegen die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare stimmte.
Bei ihrer Antwort legte die Kanzlerin einen erstaunlichen Spagat hin: "Ich persönlich habe sehr viel in den letzen Jahren darüber nachgedacht: Wie ist das mit der Adoption von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften, habe hier meine Meinung auch verändert", entgegnete Merkel zunächst. "Gerade deshalb weil auch viele Pflegekinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben." Die Ehe sei für sie jedoch "nach dem Grundgesetz eine Verbindung von Mann und Frau", so die Bundeskanzlerin, "und deshalb habe ich auch bei der Abstimmung mit nein gestimmt".
Gleichzeitig feierte sich die CDU-Vorsitzende als Mutter der Ehe für alle: "Ich habe mich auch dafür eingesetzt, dass diese Abstimmung stattfindet, weil ich gemerkt habe, dass es andere Mehrheitsverhältnisse hier gibt", meinte sie zu Lisa Sophie. "Und ich glaube, dass wir jetzt mit diesem Abstimmungsergebnis auch eine Situation haben, mit der wir ein Stück weit Befriedung in der Gesellschaft erreicht haben."
Auf eine spätere Kritik der Interviewerin am Sexualkundeunterricht ("hat mir das Gefühl gegeben, dass ich nicht normal bin, wenn ich auf Männer und auf Frauen stehe") ging Merkel nicht ein.
Bereits über 1,1 Millionen Aufrufe
Die Fragen waren nach Angaben von Youtube zuvor nicht abgesprochen worden. Bislang erhielt das Interview mit der Kanzlerin über 1,1 Millionen Aufrufe. Die weiteren Fragesteller unter dem Hashtag #DeineWahl waren Alexander Böhm ("AlexiBexi"), Beauty-Vloggerin Ischtar Isik und Mirko Drotschmann ("MrWissen2Go").
Vor zwei Jahren hatte sich Angela Merkel schon einmal vom Youtuber LeFloid interviewen lassen (queer.de berichtete). Bereits damals bezeichnete sie die Ehe als "das Zusammenleben von Mann und Frau". Sie sei gegen Diskriminierung, mache aber "dann eben an einer Stelle einen Unterschied". Lesben und Schwule müssten unterschiedliche Meinungen zur Gleichstellung "einfach auch aushalten". (cw)
Links zum Thema:
» Das Youtube-Interview mit der Kanzlerin. Ab 7:44 geht es um die Ehe für alle














