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Safer-Sex-Strategie
Umfrage: Zwei Drittel benutzten kein Kondom beim letzten Sex
Viele schwule Paare bevorzugen Bareback-Sex. Das bedeute aber nicht automatisch risikoreichen Sex, schränkte das britische Gesundheitsprojekt ein, das die Umfrage durchführte.

Das Kondom ist inzwischen eine von vielen Präventionsstrategien geworden (Bild: COC Nederland)
- 18. August 2017, 09:54h 3 Min.
Die meisten schwulen Männer haben bei ihrem letzten gleichgeschlechtlichen Analverkehr kein Kondom benutzt. Das ist das Ergebnis einer nicht repräsentative Umfrage der Londoner Gesundheitsprojekts GMFA unter 523 schwulen und bisexuellen Männern. Die Befragten waren über eine Anzeige im schwulen "FS Magazine" rekrutiert worden.
Das Ergebnis: Nur 35 Prozent der Männer erklärten, sie hätten bei ihrer letzten sexuellen Begegnung sich oder ihrem Partner ein Kondom übergezogen, 65 Prozent aber nicht.
"Bareback-Sex nicht unbedingt risikoreich"
GMFA-Chef Ian Howley schränkte aber ein, dass nicht jeder kondomlose Sex ein "Risikokontakt" gewesen sei. "Ich denke, im Jahr 2017 ist Bareback-Sex nicht unbedingt risikoreicher Sex", so Howley. "Safer Sex im Jahr 2017 ist komplizierter als vor 20 Jahren, als die einzigen beiden Optionen Kondome oder Enthaltsamkeit waren, um sich vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen."
So könnten HIV-Positive, wenn sie in Behandlung sind und ihre Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze liegt, ihre Partner praktisch nicht anstecken, auch bei Sex ohne Kondom. Dazu gebe es viele Studien. Die aktuellste ist eine im Juli von australischen Forschern veröffentlichte Untersuchung, wonach es nach mehr als 16.000 untersuchten Fällen von Bareback-Sex in mehreren Ländern mit HIV-Positiven in Behandlung zu keiner einzigen Ansteckung kam (queer.de berichtete).
PrEP als Baustein der Prävention
Ein weiterer Baustein in der Prävention sei nach Angaben von Howley die Präexpositions-Prophylaxe (PrEP), die gerade in Europa populärer wird. Dabei handelt es sich um ein Medikament, dass HIV-Negative vor einer Ansteckung schützt – laut Studien fast hundertprozentig. PrEP wird daher von der Weltgesundheitsorganisation seit wenigen Wochen als "unentbehrliches Arzneimittel" aufgeführt. Außerdem würden viele Homo-Paare, die in einer Langzeitbeziehung oder verheiratet sind, auf Kondome verzichten, da sie nur miteinander Sex hätten.
Bei der Umfrage wurde auch der Grund für die Nichtbenutzung von Kondomen erfragt. 32 Prozent aller Befragten gaben an, sie seien sicher gewesen, dass ihr Partner HIV-negativ gewesen sei. 14 Prozent erklärten, die Viruslast eines HIV-positiven Partners sei nicht nachweisbar gewesen. Elf Prozent gaben an, sie seien sich des Risikos bewusst gewesen, hätten aber darüber nicht nachgedacht oder sich keine Sorgen gemacht. Weitere acht Prozent erklärten, dass einer der Partner oder beide PrEP eingenommen hätten.
Viele seien sich aber bewusst, dass Sex unter Umständen gesundheitliche Risiken mitbringe. 27 Prozent aller Befragten sagten, sie selbst führten ein "risikoreiches Sexleben". Insgesamt gaben zudem vier von zehn Befragten an, schon einmal eine sexuell übertragbare Krankheit gehabt zu haben. Am weitesten verbreitet waren Chlamydien am Penis sowie Tripper am Penis oder im Rachen.
Howley erklärte weiter, dass Aufklärung über die Risiken das wichtigste Mittel der Prävention sei. Man müsse schwulen Männern alle Optionen aufzeigen. "Natürlich spielen Kondome noch immer eine wichtige Rolle in der Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten und sollte nach wie vor großen Raum in einer Safer-Sex-Strategie einnehmen, aber es gibt keine Universalmethode mehr." (dk)














