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Marriage Equality Down Under
Australien: MTV macht Sendepause, um Ehe-Öffnung zu unterstützen
Am Donnerstag verzichtet der Jugendsender für zwölf Stunden auf sein Programm, um auf eine wichtige Deadline zur Briefwahl hinzuweisen.

Das Logo des Senders greift derzeit in sozialen Netzwerken die Regenbogenflagge auf (Bild: instagram)
- 23. August 2017, 08:51h 3 Min.
"Enrol for Equality" – trage Dich ins Wahlverzeichnis ein, um Gleichheit zu unterstützen. Mit diesem Slogan unterstützt der australische Ableger von MTV das anstehende Referendum zur Ehe-Öffnung in Australien.
Während auf der Webseite des Senders bereits dazu aufgerufen wird, sich bei der Wahlkommission zu registrieren oder seine hinterlegten Daten zu überprüfen, will der Sender zudem am Donnerstag zwischen sechs Uhr morgens und sechs Uhr abends kein Programm ausstrahlen, um die Botschaft unter das junge Volk zu bringen. Wer sich bis Donnerstag nicht angemeldet hat, kann an der Briefwahl nicht teilnehmen.
Andere Medien, darunter Vice oder das populäre FBi Radio, wollen zudem bereits am Mittwoch eine entsprechende Botschaft per Einblendung auf ihrer Webseite unter das Volk bringen – sie erscheint beim ersten Aufruf der Seite und muss weggeklickt werden. Auch die Webseite von MTV setzt eine entsprechende Vorschaltseite ein.

Auch MTV hat seiner Webseite einen Splashscreen vorgeschaltet, mit direkten Links zur Wahlkommission
"Als eine führende Marke im Bereich der Jugend-Unterhaltung, die Inklusion und gleiche Rechte für alle Australier unterstützt, möchte MTV junge Australier ermutigen, aktiv zu werden und ihren Teil dazu beizutragen, dass ihre Stimmen gehört werden", sagte Simon Bates, der Chef von MTV Asia Pacific, zu der Kampagne seines Senders.
Wirre Umfrage statt klarer Parlamentsabstimmung
Die Abstimmung zur Ehe für alle gilt dabei nicht nur wegen ihres Inhalts als umstritten: LGBT-Aktivisten hatten jahrelang die Regierung aufgefordert, direkt eine freie Abstimmung im Parlament zu ermöglichen – aktuell gäbe es dort ebenso eine klare Mehrheit wie in der Bevölkerung. Der konservative Premierminister Malcom Turnbull, selbst ein Unterstützer der Ehe für alle, wollte allerdings ein Referendum durchführen, um Gegner des Schrittes in den eigenen Reihen zu besänftigen.
Referenden werden in Australien selten durchgeführt, haben eine Teilnahmepflicht und verursachen hohe Kosten. LGBT-Aktivisten beklagten zudem, ein monatelanger Wahlkampf, bei dem sich die Regierung neutral verhält und Kampagnen pro und contra Ehe für alle finanziell unterstützt, würde zu unnötigen ausgrenzenden Äußerungen führen – in den letzten Tagen tauchten bereits extrem homofeindliche Plakate und Flyer in mehreren Städten des Landes auf (queer.de berichtete).
Umfragen zeigten, dass auch eine Mehrheit der Bevölkerung gegen ein Referendum ist. Dennoch legte die Regierung einen entsprechenden Gesetzentwurf vor, mit dem sie allerdings im Senat scheiterte, in dem sie keine Mehrheit hat. Turnbull setzte deswegen auf die noch umstrittenere Briefwahl, für die man nach Ansicht der Regierung keine Zustimmung des Parlaments brauche.
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Diese Wahl ist keine offizielle – sie wird etwa nicht von der Wahlkommission, sondern vom Statistikbüro durchgeführt und nennt sich "Survey", also Umfrage. Das Ergebnis ist ebenfalls für die Abgeordneten nicht bindend. Und das Ergebnis könnte kein klares Mandat ergeben: Eine Teilnahme ist nicht verpflichtend und die Statistikbehörde will neben den Rohdaten auch eine nach Bevölkerungsmerkmalen korrigierte Version veröffentlichten, wie man es von Erhebungen in der Marktforschung gewohnt ist. Der "Sydney Morning Herald" hält es für möglich, dass es so am Schluss sowohl ein Ja- als auch ein Nein-Wort aus der Bevölkerung geben könnte.
Die Briefwahl, die rund 80 Millionen Euro kosten wird, soll am 12. September mit dem Versand der Unterlagen starten, das Ergebnis soll am 15. November verkündet werden. Ob es letztlich überhaupt dazu kommt, hängt noch vom Ausgang einer Regierungskrise ab – und von einer anstehenden Entscheidung des Obersten Gerichts, ob die "Survey" überhaupt zulässig ist. (nb)















Vielen Dank MTV.
Wieso sollen Medien nicht auch ganz klar Position beziehen und zu gesellschaftlichem und politischem Engagement aufrufen.
Erst recht, wenn dort offenbar nicht jeder Bürger wahlberechtigt ist (wie es in einer Demokratie sein sollte), sondern man sich erst als Wähler registrieren muss.