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Vor Referendum zur Ehe für alle

Australien: Neue homofeindliche Plakate und Vandalismus

In Melbourne plakatierten Neonazis extrem menschenfeindliche Poster, in Sydney wurden während eines schwulen Theaterstückes Reifen von einem dutzend Autos zerstochen.


Ein Ausschnitt aus dem neuen Plakat, das von einer Neonazigruppe an mehreren öffentlichen Stellen in Melbourne angebracht wurde (Bild: Paul Kidd / twitter)

  • 28. August 2017, 09:45h 18 3 Min.

Die anstehende Volksbefragung zur Ehe-Öffnung für schwule und lesbische Paare in Australien scheint zu dem befürchteten Anstieg von homofeindlichen Taten zu führen. So tauchten erneut Plakate auf, die Schwule als Kinderschänder darstellen.

"Gay Marriage ermöglicht Pädophilie", ist ein Plakat betitelt, das in Melbourne u.a. an Straßenbahnhaltestellen angebracht wurde. Es zeigt einen gezeichneten Jungen mit dem Aufdruck "Ich habe zwei Väter"; er wirkt eingeschüchtert, während neben ihm der untere Bereich eines Mannes zu sehen ist, dessen Hose ein Loch an der Stelle des Schritts zeigt. Auf dem freien Oberkörper trägt er zudem ein Tattoo mit dem Symbol für Biogefahr.

/ paulkidd
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Das Plakat behauptet weiter, dass schwule Paare eine 30 Mal höhere Wahrscheinlichkeit besäßen, Kinder zu missbrauchen, und beinhaltet den Aufruf: "Stoppt die Schwuchteln!" Bereits vor einer Woche hatten australische Medien berichtet, in Melbourne wären ähnliche Plakate mit irreführenden, falschen und anklagenden Statistiken und der Aufforderung "Stop the Fags" aufgetaucht (queer.de berichtete) – inzwischen wird allerdings bezweifelt, dass die aus einem amerikanischen Neonazi-Forum stammenden Motive tatsächlich wie in sozialen Netzwerken behauptet plakatiert wurden.

Für das Auftauchen der neuen Plakate gibt es hingegen einige Zeugen und Beweise – und einen mutmaßlichen Täter: Die Neonazigruppe "Antipodean Resistance" brüstet sich, über 100 entsprechende Plakate verteilt zu haben. Weitere Hassmotive dieser und ähnlicher Gruppen verbreiten sich derzeit viral in sozialen Netzwerken, auch in Sydney und Brisbane waren in der letzten Woche volksverhetzende Plakate und Flyer aufgetaucht (queer.de berichtete).

Reifen während Theaterstücks zerstochen

Möglicherweise auch in einem Zusammenhang mit dem Referendum steht ein Anschlag auf die "Lane Cove Theatre Company" in Sydneys Vorort Longeuville: Nach der Aufführung des Stücks "Holding the Man" über eine schwule Beziehung fanden 12 Mitglieder des Ensembles und des Publikums die Reifen ihrer Autos zerstochen vor.


Die Polizei prüft Medienberichten zufolge, ob eine Tat mit dem Motiv Hass vorliegen könnte. Sie betraf nur Autos in der direkten Umgebung des Theaters, auf der gleichen Straße geparkte Autos mit etwas mehr Abstand waren nicht betroffen. Laut den Veranstaltern waren Anfang des Monats bereits gezielt Plakate für die Premiere des Stücks von Unbekannten abgerissen worden.

Tausende fordern: "Gleichheit jetzt!"

In Melbourne haben am Samstag zugleich über 15.000 Menschen für ein "Ja" zur Ehe für alle bei dem Referendum demonstriert. LGBTI-Aktivisten hatten jahrelang gefordert, auf die Abstimmung zu verzichten, da sie homofeindliche Rhetorik und Taten befördern könne und es in der Bevölkerung und im von ihr gewählten Parlament bereits eine Mehrheit für die Ehe für alle gibt. Auch müssten die Abgeordneten nach der unverbindlichen Abstimmung ohnehin frei entscheiden.

Premierminister Malcolm Turnbull, der aufgrund Widerstands in seiner konservativen Partei auf eine Volksabstimmung bestand, konnte ein formales Referendum mit verbindlicher Teilnahme nicht im Parlament durchsetzen – stattdessen führt nun die Statistikbehörde ab Mitte September eine "Umfrage" in Form einer Briefwahl durch, die Teilnahme ist freiwillig. Aktivisten beider Seiten befürchten ein Ergebnis mit geringer Beteiligung und dadurch unklarem Mandat; bis zum Stichtag letzte Woche hatten sich allerdings 90.000 Menschen neu ins Wählerverzeichnis eintragen lassen.

Wegen der Nicht-Beteiligung des Parlaments ist noch eine Klage vor dem Obersten Gerichtshof anhängig. Die 80 Millionen Euro teure Umfrage könnte auch bei der Ergebnisverkündung im Dezember für Streit und gar konträre Ergebnisse sorgen: Die Statistikbehörde will neben den Rohdaten auch eine Hochrechnung präsentieren, die Bevölkerungsmerkmale berücksichtigt. (nb)

-w-

#1 Angelika OetkenAnonym
  • 28.08.2017, 12:16h
  • Das Phänomen "Kindesmissbrauch" zu instrumentalisieren, ist eine verbreitete Strategie des Rechtsterrorismus
    beauftragter-missbrauch.de/der-beauftragte/nein-zu-rechtsext
    remismus/?L=0


    Was noch aussteht ist eine Untersuchung darüber, inwieweit es sich bei rechten TerroristInnen um Menschen handelt, die Traumatisierungen, denen sie in ihrer Kindheit ausgesetzt waren, nicht aufgearbeitet haben. Statt dessen aber aggressiv abwehren, sowie sich mit einer primitiven Ideologie identifzieren.
  • Direktlink »
#2 MarcAnonym
  • 28.08.2017, 12:21h
  • Genau das war ja befürchtet worden.

    Ich kann nur hoffen, dass diese perversen Nazi-Aktionen nur noch mehr vernünftige Menschen auf unsere Seite bringen...
  • Direktlink »
#3 schwarzerkaterEhemaliges Profil
  • 28.08.2017, 12:28h
  • also im heterosexuellen-millieu australiens gibt es keine sexuelle gewalt gegen kinder? da können die opfer, nämlich viele hundert mädchen/frauen, anderes berichten.
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