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HIV-Vorbeugung
Auch Schweden bekommt die PrEP
Die staatliche Gesundheitsagentur empfiehlt die Abgabe der Pille an Menschen mit hohem Risiko einer HIV-Infektion, die Kosten werden größtenteils übernommen.

Kleine Pillen, großer Preis und Streit: In Deutschland werden Kosten für Truvada und Generika weiterhin nicht von Krankenkassen übernommen, wenn sie der Prävention dienen (Bild: NIAID / flickr)
- 29. August 2017, 15:31h 3 Min.
Immer mehr Länder bieten Menschen mit erhöhtem Risiko einer Ansteckung mit HIV eine Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) an, zuletzt ermöglichten etwa England, Belgien oder Norwegen mit unterschiedlichen Bedingungen diesen Weg zur Ergänzung der üblichen HIV-Prävention. Am Dienstag veröffentlichte nun die schwedische Agentur für öffentliche Gesundheit eine entsprechende Empfehlung zu den "Pillen davor".
Die Weltgesundheitsorganisation und die euopäischen und amerikanischen Zentren für Infektionskrankheiten (ECDC und CSD) empfehlen die Abgabe von ausgewählten Medikamenten, die primär zur Behandlung und Unterdrückung einer HIV-Infektion im Körper eines Positiven dienen, auch als Vorbeugung, berichtet die dem schwedischen Gesundheitsamt unterstellte Behörde.
Nach Auswertung von Studien sei es die Auffassung der Behörde Folkhälsomyndigheten, dass es "eine gute Beweislage und solide wissenschaftliche Unterstützung für die Aussage gibt, dass die PrEP effektiv ist in der Reduzierung des Risikos einer HIV-Infektion bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) und unter einem erhöhten Risiko einer HIV-Infektion stehen."
Die schwedische Gesundheitsbehörde betont in ihrer Pressemitteilung, dass die PrEP nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen schützt. Ihrer Ansicht nach gebe es keine Gruppe der Bevölkerung, bei der eine Abgabe generell zu empfehlen sei. Vielmehr müsse das in einem Gespräch zwischen Patient und Arzt unter Bewertung des individuellen Verhaltens geklärt werden.
Die Kosten der Behandlung würde dann größtenteils übernommen – im Rahmen der in Schweden üblichen Deckelung von Medikamentenzuzahlungen auf maximal rund 230 Euro im Jahr. Laut einem Bericht der Deutschen Aids-Hilfe könnte das aber noch zu Problemen mit zögerlichen Klinikärzten führen, da deren Träger für einen Teil der Kosten aufkommen müssten.
Eine schwierige Debatte
Auf der ganzen Welt führt die PrEP seit Jahren zu erhitzten Debatten, die sich vor allem aufgrund der hohen Kosten der Behandlung ergibt – auch nach Ablauf des Patents des Standard-Medikaments Truvada wären in Deutschland etwa 600 Euro im Monat fällig (queer.de berichtete).
Aids-Organisationen betonen hingegen, dass die Methode insgesamt nur für wenige Personen in Frage komme, die mit herkömmlicher Prävention bzw. Kondomen nicht zu erreichen seien und häufige Sexualkontakte hätten. In einer Welt, in der Menschen immer mal wieder nicht nach Vorschrift handelten, schütze die Pille sie und auch ihre Sexpartner vor einer Infektion. Einige Aktivisten betonen, dass manche Betroffene sich bereits Medikamente aus dem Ausland bestellen, sich das aber nicht jeder leisten könne und eine Eigenbehandlung riskant sein kann.
In Deutschland ist Truvada zwar zur Vorbeugung einer HIV-Infektion verordnungsfähig, allerdings kommen die Krankenkassen nicht für die Kosten auf. Als effektive Prophylaxe muss die Tablette, die zu Nebenwirkungen führen kann, täglich eingenommen werden. Die Methode ergänzt herkömmliche Präventionsmethoden, etwa Safer Sex durch Kondome, sowie neuere wie "Schutz durch Therapie": Ein HIV-Positiver in erfolgreicher Behandlung kann das Virus in der Regel nicht übertragen.
Links zum Thema:
» FAQ der Deutschen Aids-Hilfe zur PrEP














