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Halt in zehn Städten
"Demo für alle" will mit Hass-Bus durch Deutschland touren
Mit einer großflächigen Botschaft gegen Homo-Ehe und Regenbogenfamilien wollen Hedwig von Beverfoerde & Co. vor der Bundestagswahl für Druck sorgen.

Designentwurf der "Demo für alle" zu dem Bus. Frühere Proteste verbundener Organisationen in Spanien, den USA und Lateinamerika setzen ähnliche Entwürfe 1:1 um.
- Von Norbert Blech
1. September 2017, 08:18h 6 Min.
mit Updates am Ende des Artikels
Die homofeindliche Bewegung "Demo für alle" plant, in den Wochen vor der Bundestagswahl mit einem orangefarbenen Bus samt plakativem Aufdruck und "einer Gruppe junger Leute" durch Deutschland zu touren, um mit "unseren Unterstützern, Bürgern, Journalisten und hoffentlich auch Politikern ins Gespräch" zu kommen.
Laut einem Bild auf der Webseite der Bewegung soll der Bus auf einer Seite den Spruch "Lass Dich nicht verunsichern!" tragen und grafisch die Ehe als Verbindung aus Mann und Frau sowie Familie als Vater, Mutter und Kinder darstellen. Das Motiv ist nicht nur ausgrenzend, sondern ignoriert letztlich auch die Verfassung: Das Bundesverfassungsgericht hatte bereits vor Jahren geurteilt, dass Regenbogenfamilien unter den grundgesetzlichen Schutz der Familie fallen.
Die Bewegung will mit dem Bus ein Zeichen setzen "für #EhebleibtEhe, für die Zweigeschlechtlichkeit, gegen Gender, Sexualisierung und all unsere damit verbundenen Positionen". Start soll am 6. Juni in München sein, nach acht – bislang nicht benannten – weiteren Städten und 2.000 Kilometern soll die Tour am 15. September in Berlin enden – wo man Bundeskanzlerin Angela Merkel Unterschriften der Petition "Ehe bleibt Ehe" übergeben will, angeblich über 220.000.

Eine entsprechende Petition hatte die Bewegung vor zwei Jahren gestartet, auf dem europaweiten Fundamentalisten-Portal CitizenGo, dessen Logo auf dem Bus neben dem Logo der "Demo für alle" prangen soll. Man dürfe den "Kampf der LGBTI-Lobby um Voll-Akzeptanz verschiedener Gender-Identitäten und gegen 'Diskriminierung' derselben" nicht zulassen und schweigend zusehen, "wie Ehe und Familie aufgelöst und vernichtet werden", heißt es darin.
"Bus der Meinungsfreiheit"
Verstanden wissen will die "Demo für alle", die mit Protesten in Stuttgart, Hannover und Wiesbaden eine angemessene Schulaufklärung über Homo- und Transsexualität verhindern wollte, die Aktion zugleich als "Bus der Meinungsfreiheit": "Zunehmend werden diejenigen, die für Ehe und Familie eintreten, diskreditiert, angepöbelt und mundtot gemacht", behauptet Organisatorin Hedwig von Beverfoerde, die Proteste der Bewegung einst aus dem Büro der AfD-Politikerin Beatrix von Storch aus organisierte und am Vorabend der Entscheidung zur Ehe für alle im Bundestag noch in einer öffentlich-rechtlichen Talkshow zum Thema zu sehen war.

Hedwig von Beverfoerde auf einer "Demo für alle" in Hannover, Bild: nb
Der Text auf der Webseite der "Demo für alle" geht nicht auf die Frage ein, ob für den Bus Anträge auf straßenrechtliche Sondernutzung gestellt wurden. Unter Umständen wären mit der Genehmigung und der Erteilung von Auflagen oder einer Verweigerung mehrere Kommunen und Bundesländer befasst.
Bus sorgte für Verbote und Ausschreitungen
Die europäisch und weltweit gut vernetzen Bekämpfer von LGBTI-Rechten hatten im Frühjahr eine erste Bustour in Spanien gestartet, mit einem ebenfalls großen orangefarbenen Bus und dem Aufdruck "Jungen haben einen Penis, Mädchen eine Vulva. Lass Dich nicht täuschen!" Verantwortlich zeigte sich die erzkatholische Gruppe "HazteOir.org" ("Verschaffe Dir Gehör"), der Verbindungen zur rechtsextrem-katholischen Geheimorganisation El Yunque aus Mexiko nachgesagt werden und aus der heraus das Portal CitizenGo gegründet wurde.
"Wenn Du als Mann geboren wurdest, bist Du ein Mann. Wenn Du eine Frau bist, wirst Du immer eine Frau bleiben", hieß es weiter auf dem Bus, mit dem gegen eine Plakatkampagne zur Akzeptanz von Transsexuellen und Transgendern protestiert werden sollte. Mehrere Städte, darunter Madrid, verbannten den Bus aus der Innenstadt (queer.de berichtete).

"Jungen sagen: 'Ich bin eine Frau' und schneiden sich den Penis ab", warnte Ignacio Arsuaga von "HazteOir" zur Vorstellung des Busses vor angeblichen Folgen einer Schulaufklärung über Homo- und Transsexualität
Mit dem Logo von CitizenGo und Anti-Trans-Botschaften auf Englisch fuhr ein ähnlicher, ebenfalls orangefarbener Bus mehrere Monate später auch durch amerikanische Städte und machte u.a. am Trump Tower in New York Halt (queer.de berichtete). Später fuhr ein entsprechender Bus auch durch Mexiko und Chile – in Santiago de Chile setzte die Polizei Wasserwerfer ein, um den Bus vor Gegendemonstranten zu schützen.
Update 17.45h: Gegenkundgebung in München
Das Aktionsbündnis "Vielfalt statt Einfalt" hat für Mittwoch ab 15 Uhr zu einer Kundgebung aufgerufen (Update: Sie findet am Max-Joseph-Platz statt). Nach Informationen des Bündnisses hat die "Demo für alle" für den gleichen Tag eine Kundgebung am Karlsplatz/Stachus zwischen 15 und 18 Uhr angemeldet. "Ihr seid herzlich eingeladen, an der spontanen Kundgebung teilzunehmen", schreibt das Aktionsbündnis auf Facebook. "Setzt mit uns gemeinsam ein Zeichen für die Akzeptanz von Vielfalt in Bildung und Gesellschaft und gegen die LGBTIQ*-feindliche Hetze der sogenannten 'Demo für Alle'." In einem lange vorab geplanten Termin informiert "Vielfalt statt Einfalt" zudem am Dienstag ab 19.30 Uhr in einem Vortrag im Sub über homofeindliche Bewegungen.
4.9., 12.15h: Weitere Details der Hass-Tour
Der zweite Busstopp der "Demo für alle" wird den Angaben des homofeindlichen Bündnisses zufolge am Donnerstag Stuttgart sein (7.9., Schlossplatz ab 15 Uhr). CitizenGo hat inzwischen auch eine Grafik der Rückseite des Busses veröffentlicht: Dort steht "Bus der Meinungsfreiheit – Manche Dinge sind einfach + logisch: Jungs sind Jungs. Mädchen sind Mädchen. Ehe bleibt Ehe."
5.9., 10.10h: Bus vor Bundesverfassungsgericht
Der dritte Stopp der Tour soll am Freitag Karlsruhe sein, ab 13 Uhr vor dem Bundesverfassungsgericht.
5.9., 16.40h: Gegenkundgebung in Stuttgart
Auch beim zweiten Stopp ihrer Tour wird die "Demo für alle" am Donnerstag auf Gegenprotest stoßen: Das Bündnis Vielfalt für Alle, das bereits mehrfach Gegenkundgebungen zu regulären Versammlungen der Homo-Hasser in Stuttgart organisierte, ruft zu einer Protestkundgebung ab 15 Uhr auf dem Schloßplatz (Freifläche vor dem Schloss / Ecke Café Künstlerbund) auf. Details bei Facebook, queer.de.
6.9., 15.20h: Gegenkundgebung in Karlsruhe
Mehrere Gruppen haben für Freitag ab 12 Uhr zu einem Protest gegen den "Besuch" des Busses beim Bundesverfassungsgericht aufgerufen, Treffpunkt ist vor dem Schloss. Details bei Facebook, queer.de.
Der Bus ist derweil für den ersten Stopp der Tour in München eingetroffen. Während die eine Seite das oben im Artikel gezeigte Motiv gegen Homo-Ehe und Regenbogenfamilien ziert, zeigt die andere ein Motiv gegen die Selbstbestimmung von Transsexuellen und Transgendern.

6.9. 19.45h: Weitere Stationen Wiesbaden und Köln
Noch nicht offiziell angekündigt ist ein weiterer Stopp der Tour am Samstag in Wiesbaden, wo das Bündnis zuletzt zwei Demonstrationen und einen Kongress abgehalten hatte – das Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt plant bereits erneut eine Gegenkundgebung. Nach letzten Infos will sich der Bus zudem am Sonntag auf die Domplatte in Köln stellen. Mehr dazu in diesem Bericht:
München: Hass-Bus der "Demo für alle" ausgepfiffen (06.09.2017)
7.9., 9.00h: Alle Termine
Die "Demo für alle" hat inzwischen alle Termine der Tour bekannt gegeben:
Mi, 6.9. München, Karlsplatz / Stachus
Do, 7.9. Stuttgart, Schloßplatz (Gegenprotest)
Fr, 8.9. Karlsruhe, vor dem Bundesverfassungsgericht (Gegenprotest)
Sa, 9.9. Wiesbaden, Luisenplatz (Gegenprotest)
So, 10.9. Köln, Bahnhofsvorplatz / Domplatte (Gegenprotest)
Mo, 11.9. Düsseldorf, Johannes-Rau-Platz (Gegenprotest)
Di, 12.9. Hannover, Trammplatz (Gegenprotest)
Mi, 13.9. Kiel, Rathausplatz (Gegenprotest)
Do, 14.9. Dresden, Neumarkt (Gegenprotest)
Fr, 15.9. Berlin, vor dem Kanzleramt (Gegenprotest)
Nicht offiziell bekannt gegeben wurden weitere reine Fototermine (etwa 13.9. Hamburg) und Übernachtungen in weiteren Städten (etwa zweimal Bonn).
Weitere Updates nun in Folgeberichten.
Mehr zum Thema:
» Mehr zu CitizenGo und Co.: Widerstand gegen transfeindliche Bus-Tour in Spanien (1.3.2017)
» Zur Petition bei CitizenGo: Gegner der Ehe für alle bombardieren Unions-Abgeordnete mit Protest-Mails (29.06.2017)
» Als Hewdig von Beverfoerde mal Klartext über ihren Kampf gegen die "Homo- und Genderbewegung" redete (01.08.2015)















Aber die wollen ganz bewusst die Gesellschaft spalten, Ängste schüren und Hass verbreiten, um daraus politisch Kapital zu schlagen...
Wer keine wirklichen Inhalte hat, versucht es halt auf dieser Schiene.