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Kommentare zu:
"Mein Film ist in jeder Hinsicht 'trans' – und gegen Labels"


#11 HantewiEhemaliges Profil
#12 AvispadaAnonym
  • 08.09.2017, 18:58h
  • Hallo, ich bin im Kino und noch 2 Minuten bis Filmstart und alleine...! Wo seid Ihr? Ist doch nicht Euer Ernst...?!
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#13 AvispadaAnonym
  • 09.09.2017, 13:01h
  • Antwort auf #12 von Avispada
  • Nachtrag zu gestern:

    Der Film war großartig. Die Rezension von spiegel.de trifft den Film nicht, die angebliche "Obsession mit ihren Genitalien" hat nicht der Regisseur, sondern nur die Autorin des Artikels. Was hier beim Betrachten als unangenehm empfunden wird, und wo sie sich eine Pause wünscht, ist einfach nur, weil der Regisseur die Zuschauer*innen dazu zwingt, sich mit der Person und Identität der Hauptdarstellerin auseinanderzusetzen. Es gibt keine Pause, sie ist keine Inszenierung, sie ist kein Fake, sie ist authentisch - folglich ist es das, was das Thema trans für cis-Leute so unbehaglich macht: Es geht um eine Schwelle, die sie nicht überwinden wollen und können, es zerrt an ihrenr tief verwurzelten und beschränkten Identität.

    Nein, was hier alle Rezensionen zu übersehen scheinen, ist dass der Regisseur die Protagonisten im Film feiert. Das Unangenehme für die Zuschauer*innen daran ist, dass trans nicht das Thema des Films ist. Es ist eine Randnotiz, die auch hätte eine andere sein können. Das Thema ist die "fantastische Frau", deren "illegale" Liebe aufgrund des Todes ihres Geliebten zerbricht und den darauffolgenden Konflikten mit Justiz und Angehörigen. Das Thema trans ist präsent, weil es die Identität der Protagonistin ist, aber es ist nicht Thema. Und die angebliche Obsession mit Genitalien ist nur in den Köpfen von cis-Leuten. Mir wäre das nicht einmal aufgefallen. Und die Autorin des Spiegel-Artikels fantasiert sich manche Stellen einfach nur zurecht.

    Nein, ich habe den Film einfach nur genossen. Er war großartig.

    Es kannen im Übrigen noch drei Zuschauer*innen bevor der eigentliche Film losging. Seltsames Publikum. Haben hinterher noch darüber diskutiert, dass sie den Film "merkwürdig" fanden. Aha. Klar, fanden sie ihn merkwürdig. Er hat das Thema trans so thematisiert, ohne es zum Thema zu machen und ohne die üblichen cis-Narrative und -Befindlichkeiten zum Thema zu bedienen. Klar, das verwirrt sie. Mit trans-Authentizität sind sie überfordert. Arme cis-Leute. *lach*

    Dass dieser Film als Sieger aus einem großen Filmfestival herausgegangen ist und in der ersten Spielwoche zu bester Uhrzeit in einem leeren Kino gezeigt wird, spricht leider Bände für dieses Land. Armselig.
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#14 HantewiEhemaliges Profil
  • 09.09.2017, 13:37h
  • Antwort auf #13 von Avispada
  • "...Wo seid Ihr? Ist doch nicht Euer Ernst...?!"

    Doch, das ist ihr Ernst und das hätte ich Dir vorher sagen können. Das ist so sicher vorhersehbar, wie die Aussage, daß auf den Tag die Nacht folgt.

    In Deutschland will sich die LGBTIQ+ "Community" dem Thema "Transfrauen" nicht annähern. Die Auseinandersetzung wird bereits im Ansatz verweigert. Dieser Film ist "in jeder Hinsicht trans*". Der*die Zuschauer*in wird gezwungen hinzusehen. Ihre Cis-Narrative über Trans* werden nicht bedient, das empfinden sie als Belästigung, denn darüber hinaus können sie Trans* nicht denken.

    Am allerwenigsten die deutschen Trans*. Die wirst Du dort erst recht nicht finden. Sie beziehen diesen Film nicht mal auf sich, sie identifizieren sich nicht mit Trans* sondern um ein vielfaches mehr mit den Cis-Narrativen zu Trans*. Marina leidet auch nicht darunter, daß sie trans* ist. Außerdem werden sie alleine schon deshalb nicht kommen, weil sie dann sichtbar werden würden.

    Trans-Authentizität interessiert in Deutschland niemanden. Daß es auch noch gefeiert wird und Cis-Narrative dekonstruiert werden - überfordert endgültig.

    Ich habe den link zur Spiegel-Kritik bewußt nicht kommentiert, denn Du hast natürlich recht - die Kritikerin wird das Opfer ihrer eigenen Cis-Narrative zu Trans*. Diese Kritik trifft den Film daher eher auf den Punkt:

    www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/una-mujer-fantastica-ide
    ntifikation-einer-frau-15186497.html


    Du bist leider im falschen Land auf dieser Welt, um einen Film zu Trans* in angenehmer und informierter Gesellschaft angemessen würdigen zu können. Das ist frustrierend und tut mir sehr leid. Es ist ein Elend.

    Ich habe den Film auf dem Telluride-Film-Festival am 01. September in Colorado gesehen. Eine ganz andere Welt...und ich wurde den ganzen Abend hindurch von niemandem mit Cis-Narrativen zu Trans* belästigt - im Gegenteil.

    Aktuell wird gar eine Oscar-Nominierung erwägt:

    www.indiewire.com/2017/09/a-fantastic-woman-trailer-trans-ac
    ting-nominee-oscars-1201873117/
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#15 ursus
#16 AvispadaAnonym
  • 09.09.2017, 15:39h
  • Antwort auf #14 von Hantewi
  • "Doch, das ist ihr Ernst und das hätte ich Dir vorher sagen können. Das ist so sicher vorhersehbar, wie die Aussage, daß auf den Tag die Nacht folgt."

    Hmm. So wenig Interesse für den Film hat mich dann doch schockiert. Am zweiten Tag nach der Kinopremiere. Ehrlich?

    Ich fand den Film auch so toll, er hätte auch gut funktioniert, wenn die Protagonistin nicht trans gewesen wäre, auch wenngleich das dem Film natürlich den besonderen Reiz genommen hätte. Dass der Zuschauer sich aber allein an dem Thema trans aufhängt, ist absurd. Zumindest für mich absurd. Aber klar, die cis-Zuschauer*innen finden natürlich den Film absurd, weil trans ein Thema ist, ohne dass es zum Thema wird und sie mit ihrer Irritation darüber alleine gelassen werden.

    Ja, die "Community" in Deutschland ignoriert den Film. Er dient ihnen ja nicht, hat selbst dazu eine komische Haltung... irre. Naja, auch in dem Film steht die Protagonistin mitten im Leben und jammert nicht in irgendwelchen Selbsthassgruppen und Safe Spaces herum. Aua.

    Aber ansonsten, hast Du ja geschrieben, wie es aussieht...

    Wenn der Film für eine Oscar-Nominierung diskutiert wird, dann hat das wohl, genauso wie der Gewinn bei der Berlinale, wohl weniger damit zu tun, dass man den Film verstanden hat, sondern eher, weil man ihn ungewöhnlich und provokant findet. (was er eigentlich nicht ist, aber so empfunden wird)

    Die Kritik der FAZ ist wirklich besser. Interessanterweise von einem Mann. Apropos Mann: (Spoilerlarm) Orlando war klasse. Er war dem Rest seiner Familie meilenweit vorraus und seine Familie wusste das. Sein Bruder hat ihn und Marina respektiert (möglicherweise sogar verstanden), aber der Rest der Familie hatte dafür nur Hass und Verachtung übrig. Ich denke, dass Orlando für die meisten Zuschauer*innen mindestens genauso fragwürdig war, wie für seine Ex im Film. Die im Übrigen toll dargestellt war, ich habe den Sieg von Marina über sie gefeiert, als sie sie im Regen hat stehen lassen mit der einfachen Feststellung, dass Orlando sie hat fallenlassen und Marina vorgezogen hat. Orlando als durchgedreht zu bezeichnen, war ein Notnagel. Orlando ist für viele wohl in Wirklichkeit so etwas wie das Portrait eines Traummannes, ein Ideal, das auch in der Welt da draußen genauso selten ist - eines der wenigen Unikate. Dass sich dahinter auch eine gewaltige Gesellschaftskritik verbirgt, wird der/die gemeine Zuschauer*in wohl nicht einmal mitbekommen haben. (schon gar nicht die LGBTIQ*s...)

    Ich erwäge den Film noch einmal im Original anzuschauen. Die Synchro war zwar ok (hatte wirklich mit etwas Schlechterem gerechnet), aber er hat dadurch sicher etwas an Authentizität eingebüßt. Habe ihn in einem Kino in Hamburg entdeckt. Ich weiß, dass in der Ecke eine LGBTIQ*-Szene existiert, bin mal gespannt, wer alles NICHT kommt. ;-)

    Ok, ich häre auf, das Publikum ist mir letztlich egal, ich weiß bereits, dass das auch nicht wirklich besser wird.

    @ursus: Danke, gern geschehen. Aber anschauen und genießen! :)
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#17 HantewiEhemaliges Profil
#18 HantewiEhemaliges Profil
  • 10.09.2017, 13:18h
  • Antwort auf #17 von Hantewi
  • Hier ist die Kritik von David Rooney:

    www.hollywoodreporter.com/review/a-fantastic-woman-review-be
    rlin-2017-974866


    "Chilean director Sebastian Lelio follows 'Gloria' with another intimate exploration of female solitude, sexuality, humiliation and resilience, this time built around a transgender singer."

    Na sowas...hier hat jemand verstanden, dass es bei Transfrauen um ein FEMINISTISCHES Thema geht...und nicht um die Cis-Narrative über "Transidente Menschen"... und wieder ein Mann...deckt sich auch mit meiner Lebenserfahrung...seltsam...sarcasm off.

    In dieser Kritik - und auch anderen - kommt der qualitative Unterschied zu europäischen Kritiken zum Ausdruck - ein ganz anderes Niveau. David Rooney wird in seiner Kritik weder Opfer von Cis-Klischees noch bedient er sie. Das Thema wird realisiert und die Botschaften des Films auch verstanden. Diese Kritik bewegt sich auf dem Niveau einer Literaturkritik. Kein Vergleich mit europäischen Kritiken.

    Er sieht diesen Film als Meilenstein, der für die üblichen Cis-Narrative zu Transfrauen ein knockout ist.
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