Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?29623

Wahlkampf von Gisela Manderla

CDU-Homophobie: "Homo-Ehe" = Geschwister-Ehe

Mit einem kruden Vergleich buhlt die Kölner CDU-Bundestagsabgeordnete Gisela Manderla im Lokalfernsehen um die Stimmen von Homo-Hassern.


In der "Lokalzeit" verbreitet die CDU-Politikerin Gisela Manderla (2.v.l.) die These, dass die Gleich­behandlung von Schwulen und Lesben zu Geschwister-Ehen führen könne (Bild: Screenshot WDR)

  • 6. September 2017, 08:33h 41 4 Min.

Zu Update springen: Manderla rudert auf Facebook zurück (17.10 Uhr)

Man ist es ja bereits gewohnt, dass homophobe Politiker oder Kleriker gleichgeschlechtliche Paare mit Polygamisten oder gar Kinderschändern gleichstellen. Dass selbst CDU-Politiker im Jahr 2017 in Millionenstädten noch mit derartigen Vergleichen auf Stimmenfang gehen, ist dagegen nach der erfolgreichen Bundestagsabstimmung zur Ehe-Öffnung überraschend.

So aber geschehen am Dienstagabend in den Kölner Lokalnachrichten: In der WDR-Sendung "Lokalzeit aus Köln" erklärte die CDU-Parlamentarierin Gisela Manderla allen ernstes, man hätte Homosexuelle im Ehe-Recht nicht per Gesetz gleichstellen sollen, weil man dann aus irgendeinem Grund ja auch Geschwister-Ehen erlauben müsste.

Das Interview, das von WDR-Redakteur Sebastian Wellendorf während der Fahrt in einem Oldtimer durchgeführt wurde, ist ein Paradebeispiel für homophobe Argumentation, die offenbar selbst den Reporter überrascht:

Wellendorf: Homo-Ehe – haben Sie mit Ja oder mit Nein gestimmt?

Manderla: Mit Nein. Also, ich habe überhaupt nichts dagegen, dass sich Menschen zusammenfinden, auch verpartnern, und eine Lebensgemeinschaft eingehen. Aber im Grundgesetz steht ja, die Ehe ist eine Partnerschaft zwischen Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen sollen. Wenn wir die Ehe für alle – Wenn wir uns dafür entscheiden, dann müssen wir das nochmal ganz neu definieren, was wir denn damit meinen. Meinen wir dann auch, dass Geschwister heiraten können?

Wellendorf (verdutzt): Geschwister?

Manderla (bestimmt): Ja! Ehe für alle heißt Ehe für alle!

Wellendorf: Schwule sind doch nicht genetisch verwandt.

Manderla: Ich hab nicht von Schwulen gesprochen.

Wellendorf: Achso.

Manderla: Ja, ich hab gesagt, wenn es heißt Ehe für alle, muss man definieren, was das denn ist.

Wellendorf: Aber wer sagt denn, dass bei Ehe für alle Geschwister mit eingeschlossen sind? (lacht verlegen)

Manderla (lacht nicht): Ja, wieso? Die Forderung gibt es doch schon in der Gesellschaft. Wissen Sie, dass…

Wellendorf: Von welcher Partei?

Manderla: Von einzelnen Menschen gibt es das.

Weiter ausgeführt wird das Thema nicht – am Rheinstrand sagt die Eis-essende CDU-Abgeordnete lediglich: "Sie sollen mich wählen, weil ich die Politik der CDU vertrete."

Das Video der Sendung kann hier abgerufen werden (Manderla-Bericht ab 17.20 Minuten).

Gisela Manderla ist Direktkandidatin im Wahlkreis Köln III, der die linksrheinischen Stadtbezirke Ehrenfeld, Nippes und Chorweiler umfasst. Vor vier Jahren unterlag sie dort dem SPD-Kandidaten Rolf Mützenich mit 33 zu 39 Prozent, zog aber über die Landesliste ihrer Partei in den Bundestag ein. Dieses Jahr ist der Bundestagseinzug der 59-Jährigen über die NRW-Landesliste recht sicher, wenn die CDU kein Debakel erlebt. Die gelernte Umweltfachkraft ist u.a. Mitglied im Bund Katholischer Unternehmer und Vorsitzende der Frauen-Union Köln.

Dass nicht alle CDU-Abgeordneten aus der Domstadt wie Manderla auf Homo-Hasser schielen, zeigt das Beispiel von Heribert Hirte, der 2013 als einziger Christdemokrat seinen Wahlkreis in Köln gewinnen konnte. Er stimmte für die Ehe für alle. In seinem Newsletter (PDF) hieß es daraufhin: "Als Jurist ist Heribert Hirte davon überzeugt, dass die nun vollzogene gesetzliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare richtig und wichtig ist." (dk)

 Update  17.10 Uhr: Manderla rudert zurück

Auf ihrer Facebook-Seite bezeichnete Manderla am Mittwochnachmittag ihren Vergleich als "unangebracht und daneben". Sie reagierte damit auf die Kritik eines Lesers, der ihr "AfD-Polemik" vorgeworfen hatte. Die Abgeordnete entschuldigte sich nicht für ihre Äußerung per se, sondern nur dafür, dass diese falsch rübergekommen sei:

Die von Ihnen erwähnte Äußerung war in der Tat missverständlich und kam in diesem Kontext völlig falsch rüber. Das tut mir ausdrücklich leid. Mir ging es eigentlich nur um die eigentümliche Begrifflichkeit "für Alle", die nach meiner Bewertung im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens hätte präzisiert werden müssen. Der flapsig formulierte Vergleich war aber dennoch unangebracht und daneben.

Das Gesetz trug entgegen Manderlas Andeutung allerdings nicht den Namen "Ehe für alle", sondern hieß "Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts" – warum die Abgeordnete bei "Personen gleichen Geschlechts" an "Geschwister" denkt, bleibt ihr Geheimnis.

-w-

#1 Gen-EthikerAnonym
  • 06.09.2017, 10:48h
  • Diese CDU-Frau liegt total daneben. Hier im katholischen Bayern, wo traditionelle Werte noch gelebt werden, weiß jeder, daß natürlich auch Geschwister miteinander Kinder zeugen.
  • Direktlink »
#2 LebenswertAnonym
  • 06.09.2017, 10:58h
  • Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, warum eine einvernehmliche Liebesbeziehung zwischen Bruder und Schwester schlecht sein soll und wieso sie keine Ehe eingehen dürfen. Das Argument, dass sie ein geistig oder körperlich behindertes Kind zur Welt bringen können, finde ich ziemlich problematisch. Sind solche Kinder weniger lebenswert, als andere? Eine derartige Argumentation schließt sich meiner Ansicht nach direkt an eugenische Vorstellungen von 'Rassenhygiene', 'gesunden Volkskörpern' und 'lebensunwertem Leben' an.
    Davon abgesehen, wollen/können vermutlich gar nicht alle Bruder-Schwester-Paare Kinder bekommen. Auch erschließt sich mir nicht, weshalb diese Regelung für (cisgeschlechtliche) Bruder-Bruder-Paare und Schwester-Schwester-Paare gilt. Ich halte es daher für dringend notwendig, die entsprechende Ehedefinition zu überarbeiten. Egal, ob Heterosexist_innen dies strategisch nutzen, um in der Gesellschaft Angst und Unfrieden zu sähen und sich auf dem rücken anderer Menschen als 'konservativ' (was auch immer das heißen mag) zu profilieren.
  • Direktlink »
#3 PatroklosEhemaliges Profil