https://queer.de/?29634
Plus 78 Prozent
Großbritannien: Starker Anstieg bei Hassdelikten gegen LGBT
Jeder fünfte Brite, der einer sexuellen oder geschlechtlichen Minderheit angehört, ist in den letzten zwölf Monaten Opfer eines homo- oder transphoben Übergriffs geworden.
- 7. September 2017, 13:31h 3 Min.
Die englische LGBTI-Organisation Stonewall schlägt Alarm: In dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht "LGBT in Großbritannien: Hassdelikte und Diskriminierung" (PDF) beklagen die Aktivisten einen starken Anstieg der Übergriffe auf Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transpersonen.
In diesem Jahr sei die Zahl der Hassdelikte aus Homophobie im Vergleich zu 2013 um 78 Prozent gestiegen, so Stonewall. Die Zahlen stammen aus einer YouGov-Befragung von 5.000 Menschen aus der LGBTI-Community. Insgesamt sei in den letzten zwölf Monaten einer von fünf LGBT verbal oder körperlich angegriffen worden. Unter Schwulen, Lesben und Bisexuellen berichteten 16 Prozent von Übergriffen aus Homo-Hass, unter Transpersonen beklagten sogar 41 Prozent einen transphoben Vorfall in den vergangenen zwölf Monaten.
Der Polizei vertrauen dabei nur wenige Opfer trans- oder homophober Übergriffe: 81 Prozent von ihnen gaben an, den Vorfall nicht den Behörden gemeldet zu haben.
Jeder zweite Schwule hat Angst, mit dem Partner Händchen zu halten
Die Angst vor Homo- oder Transphobie hat auch Auswirkungen auf das Leben im öffentlichen Raum. So erklärten drei von zehn Personen aus der LGBTI-Community, sie würden bestimmte Straßen meiden, weil sie sich als sexuelle oder geschlechtliche Minderheit dort nicht sicher fühlten. Mehr als ein Drittel der befragten Homosexuellen gaben an, sie fühlten sich nicht wohl dabei, mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin Hand in Hand durch die Straße zu laufen – bei Schwulen waren es sogar die Hälfte.
Viele LGBT berichteten auch von Diskriminierungserfahrungen: So erklärten zehn Prozent von Homo- und Transsexuellen, sie seien bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Haus wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität diskriminiert worden. Unter Personen, die eine Kirche oder ein anderes Gotteshaus besuchten, hätten 28 Prozent Diskriminierung von Gläubigen erfahren; zudem berichtete jeder Zehnte, schon einmal beim Besuch einer Sporveranstaltung diskriminiert worden zu sein.
Stonewall sprach einige Empfehlungen aus, wie die Lage verbessert werden könne. So solle die Polizei ihre Beamten mit Kursen für die Themenbereiche Homo- und Transphobie sensibilisieren. Außerdem sollten die Opfer eines homo- oder transfeindlichen Übergriffs besser betreut werden. Die Regierung wurde aufgefordert, aus Homo- oder Transphobie begangene Hassdelikte härter zu bestrafen – sie sollten mit aus Rassismus begangenen Hassverbrechen auf eine Stufe gestellt werden.
Auch in Deutschland meldete das Bundesinnenministerium vergangenen Monat einen Anstieg LGBTI-feindlicher Straftaten (queer.de berichtete). Diese Statistik gemeldeter Vorfälle hat allerdings nur bedingte Aussagekraft, da die Polizei je nach Bundesland die Taten unterschiedlich behandelt – und teilweise so gut wie gar nicht erfasst. Der Lesben- und Schwulenverband geht daher von einer Dunkelziffer von 80 Prozent aus. (dk)
















Volle Zustimmung.
Faschismus muss immer gleich und generell viel härter bestraft werden. Egal, ob er sich als Rassismus oder Homohass oder Transhass äußert.
Und wir brauchen mehr Aufklärung an Schulen.
Und das alles gilt genauso für Deutschland und ganz Europa.