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Teil 2 der Deutschland-Tour

"Demo für alle" war auch in Stuttgart nicht willkommen

Der Hass-Bus von Hedwig von Beverfoerde traf nach München auch in Baden-Württemberg auf Widerstand der Szene und Desinteresse von Bürgern.


Ausschnitt aus einem Youtube-Video von "werbrauchtS21" zum Protest am Donnerstag in Stuttgart – queer.de hofft, bei einem der geplanten Stopps der Bustour in NRW das Geschehen selbst abdecken zu können

  • 7. September 2017, 19:38h 19 3 Min.

Auch bei ihrem zweiten Stopp fand die Bus-Tour des homo- und transfeindlichen Bündnisses "Demo für alle" am Donnerstag in Stuttgart wenig Gegenliebe. Während zu einer Gegenkundgebung vom "Bündnis Vielfalt für Alle" hunderte Menschen kamen, fanden sich rund um den zusätzlich von Polizisten umrundeten Bus nur wenige Menschen ein.

Direktlink | Kurze Eindrücke aus Stuttgart vom Youtube-Kanal werbrauchtS21
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Ende letzter Woche hatte die von der erzkatholischen Aktivistin Hedwig von Beverfoerde organisierte Bewegung angekündigt, mit einem Bus durch zehn Städte touren zu wollen, um mitten im Wahlkampf unter anderem gegen die Ehe für alle zu protestieren (queer.de berichtete). Zusammen mit dem europaweiten reaktionären Petitionsportal CitizenGo hat man gegen die Ehe-Öffnung angeblich über 220.000 Unterschriften gesammelt, die man beim letzten Stopp der Bustour in der nächsten Woche in Berlin dem Bundeskanzleramt übergeben will. Eine weitere aktuelle Petition richtet sich an die bayrische Staatsregierung, eine Klage in Karlsruhe gegen die Ehe-Öffnung einzureichen.

"Wir werden nicht ruhen, bis das grundgesetzwidrige Ehe-Öffnungsgesetz vorm Bundesverfassungsgericht liegt", schrieb die "Demo für alle" am Mittwoch bei Facebook nach ihrem ersten Stopp in München. Auch dort hatte es mehr Teilnehmer an den Gegenprotesten als Besucher des Busses gegeben – der fuhr schließlich vorzeitig ab (queer.de berichtete). In Stuttgart wurde laut Polizei ein Gegendemonstrant festgenommen, auch flogen vereinzelte Eier gegen den Bus. Neben Beverfoerde und Eduard Pröls von CitizenGo sprach auch Karl-Christian Hausmann von der Stuttgarter CDU, ein langjähriger Unterstützer der Bewegung.

Facebook / 100% Mensch | Eindrücke von Holger Edmaier von "100% Mensch". In einem weiteren Video hat er auch gesungen
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"Demo für alle"-Tour kein Vergleich zu früheren Protesten

Letztlich blieb es aber erneut überwiegend friedlich – auch im Vergleich zu den mehreren großen Demonstrationen, die die "Demo für alle" früher in Stuttgart gegen Pläne der Landesregierung, im Unterricht angemessen über Homo- und Transsexualität aufzuklären, durchgeführt hatte (queer.de berichtete). Den Widerstand gegen moderne Bildungspläne hatte Beverfoerde zuletzt nach Hessen auf die Straße getragen (queer.de berichtete) und in anderen Bundesländern wie Bayern zumindest mit angefeuert – im Freistaat mit einigem Erfolg: Aus dem Gedanken, Schüler sollten "Akzeptanz" gegen LGBTI zeigen lernen, wurde in Bayern nach einem Treffen des Kultusministers mit Beverfoerde, Birgit Kelle & Co. der Begriff "Respekt" (queer.de berichtete).


Hedwig von Beverfoerde, orangefarben gekleidet wie ihr Hass-Bus, redete sich das Ergebnis des Aufenthalts in München schön

Von Beverfoerde, die die Proteste anfänglich aus dem Büro der AfD-Politikerin Beatrix von Storch aus organisierte, war damals noch Mitglied der CDU und ist gut in christliche bis fundamentalistische Kreise ebenso vernetzt wie in konservative und neurechte bis rechtsextreme. Die Bewegung hat vor allem auch medial und in sozialen Netzwerken einen nicht zu unterschätzenden Einfluss – und weitet sich inhaltlich immer weiter aus: Der "Bus für Meinungsfreiheit" soll laut Webseite ein Zeichen setzen "für #EhebleibtEhe, für die Zweigeschlechtlichkeit, gegen Gender, Sexualisierung und all unsere damit verbundenen Positionen".

Die Bus-Tour orientiert sich am Vorbild einer transfeindlichen Aktion von CitizenGo/HazteOir, die in Spanien und später in den USA, Mexiko und Chile für Aufsehen sorgte (mehr dazu in den unten verlinkten früheren Berichten). Der Bus, der sich in der deutschen Version gegen die Ehe-Öffnung, gegen Regenbogenfamilien und die Selbstbestimmung von Transsexuellen und Transgendern richtet, wird am Freitag in Karlsruhe (vor dem Bundesverfassungsgericht!) und am Samstag in Wiesbaden Halt machen, danach folgen noch sechs weitere Städte. Teilweise haben Szenebündnisse bereits zu Gegenprotesten aufgerufen:

Fr, 8.9. Karlsruhe, vor dem Bundesverfassungsgericht (Gegenprotest)
Sa, 9.9. Wiesbaden, Luisenplatz (Gegenprotest)
So, 10.9. Köln, Bahnhofsvorplatz / Domplatte (Gegenprotest)
Mo, 11.9. Düsseldorf, Johannes-Rau-Platz (Gegenprotest)
Di, 12.9. Hannover, Trammplatz (Gegenprotest)
Mi, 13.9. Kiel, Rathausplatz (Gegenprotest)
Do, 14.9. Dresden, Neumarkt (Gegenprotest)
Fr, 15.9. Berlin, vor dem Kanzleramt (Gegenprotest)


Nach München setzte auch Stuttgart ein klares Zeichen. Bild: Bündnis Vielfalt für Alle / facebook

Weitere Gegenproteste sind geplant und werden auch auf queer.de veröffentlicht. Nicht offiziell bekannt gegeben wurden von der "Demo für alle" weitere reine Fototermine (etwa 13.9. in Hamburg) und Übernachtungen in weiteren Städten. (nb)


Aus dem von der "Demo für alle" verteilten Flyer zur "Deutschland-Tour für Ehe & Familie"

-w-

#1 PatroklosEhemaliges Profil
  • 07.09.2017, 22:55h
  • Die Menschen lassen sich von der "Demo für Alle" nicht mehr für dumm verkaufen und deshalb wird auch auf den nächsten Stationen denen der eisige Gegenwind ins Gesicht blasen.
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#2 Richard_RuthAnonym
  • 07.09.2017, 22:56h
  • Es ist schade, dass es immer noch ewig Gestrige gibt. Für manche scheint die Welt bestimmt immer noch eine Scheibe zu sein ... doch halt im alten Rom waren männnliche Lustsklaven für jeden Herrn ein Luxusobjekt
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#3 Gaykaiser
  • 08.09.2017, 01:12hMülheim an der Ruhr
  • Diese Nachricht nehme ich mit überschwänglicher Freude zur Kenntnis und stelle gerade beim Lesen fest, dass die Leute von Demo für alle sich zur Lachnummer machen, gut so!!! Ich wünsche mir, dass sie mit dieser Lachnummer weiter machen. Diese engstirnigen prüden Menschen sind diejenigen, die nur für ihre Wertevorstellung gern das Leben anderer Menschen schwer machen wollen, gar noch gern opfern wurden wie bei den Inkas vor 500 Jahre in Südamerika.
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