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Bislang größter Gegenprotest

Köln wies Hass-Bus der "Demo für alle" in die Schranken

Hunderte Menschen haben sich am Sonntag in Köln dem homo- und transfeindlichen "Bus der Meinungsfreiheit" entgegen gestellt – laut und deutlich, aber auch friedlich und bunt.


Weder optisch noch akustisch ließen sich die Teilnehmer der "Demo für alle" am Sonntag für Passanten rund um den Bahnhof vernehmen (Bild: nb)
  • Von Norbert Blech
    10. September 2017, 20:02h 19 5 Min.

Vor dem Kölner Hauptbahnhof haben am Sonntagmittag hunderte LGBTI und ihre Freunde gegen einen Besuch der "Demo für alle" protestiert. Die ursprünglich im Büro der AfD-Politikerin Beatrix von Storch entstandene Bewegung, die sich zunächst gegen Schulaufklärung über Homo- und Transsexualität richtete und inzwischen gegen jeden Bereich von LGBTI-Rechten und -Emanzipation ankämpft, fährt derzeit mit einem großen orangefarbenen Bus und ausgrenzenden Motiven gegen die Ehe für alle, gegen Regenbogenfamilien und gegen Transpersonen durch Deutschland (queer.de berichtete).

Die Tour soll am nächsten Freitag in Berlin enden, wo Organisatorin Hedwig von Beverfoerde dem Bundeskanzleramt angeblich über 220.000 Unterschriften gegen die Ehe für alle übergeben will. Auch in Köln wollte sie zu dem Thema sprechen, ihre Rede ging aber am späteren Nachmittag am Rande des Platzes unter starken Pfiffen und Trillerpfeifen unter – man vernahm nur etwas von einer angeblich "undemokratischen Verabschiedung" im Bundestag im "Hauruckverfahren".


Organisatorin Hedwig von Beverfoerde war am Sonntag nicht immer der besten Laune

Undemokratisch? Auf ihrer Webseite schreibt die "Demo für alle": "Das Wesen der Ehe als Lebensbund zwischen Mann und Frau ist nicht von menschlichen Gesetzgebern erfunden, sondern vorstaatlich und kann weder von Parlamenten noch vom Zeitgeist verändert werden."

Auch mit demokratischem Gegenprotest steht die Bewegung auf Kriegsfuß: Beverfoerdes Tour-Mitorganisator Eduard Pröls, Deutschland-Sprecher von CitizenGo, sprach am Sonntag von "Terror", der sich da vor ihm ausgebreitet habe. Auch von ihm war nicht viel mehr zu verstehen – auf Facebook hatte er allerdings bereits Gegenproteste in Stuttgart mit der Reichskristallnacht verglichen (queer.de berichtete).

Blockade- und Dialogversuche

Bevor es zu dem lauten Finale mit Reden und Pfeif-Konzerten kam, herrschte am Sonntag zunächst fast zweieinhalb Stunden lang eine vergleichsweise friedliche Ruhe – Hedwig von Beverfoerde fand etwa unter dem Schutz von zunächst einem Dutzend, später vielleicht 60 bis 100 Polizisten die Zeit, vor ihrem Bus ein fast halbstündiges Video-Interview für das evangelikale Magazin "Idea" zu geben. Sonst geschah nicht viel.

Denn als der Bus am Sonntag ankam, rannten die Gegendemonstranten ihm entgegen – und versperrten ihm so den Weg zum eigentlichen Ziel des Bahnhofsvorplatzes. So stand der Bus ewig in der Höhe des Taxistandes rum, während Veranstalter und Polizei nach Wegen suchten, den ursprünglichen Ort doch noch zu ermöglichen. Sollte man dafür den größeren und friedlichen Gegenprotest mit Gewalt auflösen?


Die Gegendemonstranten waren friedlich, aber in ihren Botschaften klar und deutlich

Die Polizei hatte dazu, bei aller Betonung des Rechts der "Demo für alle" auf ihre angemeldete Kundgebung, spürbar wenig Lust. Zwischenzeitlich riefen die Beamten auch den Organisator des zu dem Zeitpunkt offiziell aufgelösten Gegenprotests und die in der Szene einflussreiche SPD-Bundestagsabgeordnete Elfi Scho-Antwerpes herbei, um nach Lösungen zu suchen – letzteres sorgte bei den größtenteils ortsfremden Besuchern allerdings für Verschwörungstheorien über ein Gemauschel gegen ihre Bewegung.

Auf Seiten des homophoben Bündnisses verhandelte nicht Beverfoerde mit der Polizei, sondern ein junger Österreicher, der schon bei den Großprotesten in Wiesbaden und Stuttgart dabei war. Die Gegendemonstranten neckten ihn aus der Ferne und gaben ihm den Namen "Kevin". Ohnehin war der sich in die Länge ziehende Nachmittag durchaus von Friedlichkeit geprägt – wie die dpa unter Berufung auf eine Polizeisprecherin auf "kleinere Rangeleien" kommt, ist queer.de als Beobachter vor Ort nicht ersichtlich.

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Am Rande kam es hingegen sogar zu teils ausführlichen Gesprächen zwischen beiden Seiten, teils über die Köpfe von Polizisten hinweg – wenngleich sie sich als sinnlos herausstellten. So erfuhren Gegendemonstranten, dass man ja nichts gegen sie habe, aber dass sie "Unzucht" betreiben würden. Sie mussten auch hören, dass das Grundgesetz auf dem "Naturgesetz" basiere (das ist eine beliebte christliche Theorie, auf die sich etwa Benedikt XVI. häufig bezog) oder dass es nicht gut für Kinder sei, bei zwei Frauen aufzuwachsen.

Maximal 50 Besucher hatte die "Demo für alle" zu diesem Zeitpunkt, darunter eine Rosenkranz betende Oma und eine andere Oma, die sich an einem Anti-"Gender"-Flyer der rechten Zeitung "Junge Freiheit" festhielt. Vereinzelt wurden Mitglieder von NPD und Pro Köln gesichtet, richtig beworben hatte Beverfoerde ihre Tour allerdings diesmal nicht (in früheren Zeiten waren da Banner bei "Politically Incorrect" und Aufrufe in Facebook-Gruppen der AfD). Mit weiteren Mitstreitern der "Deutschen Vereinigung für eine christliche Kultur (DVCK)" war allerdings erneut der fundamentalistische Aktivist Mathias von Gersdorff angereist – in Karlsruhe hatte er Ehe für alle, "Gender-Ideologie" & Co. als "Zerstörung der Gesellschaft" und "Auflehnung gegen die Schöpfung" bezeichnet (Video).

Mit Hass aufgetankt zum Platz zurück

Gersdorff war schon abgereist, als der Bus nach all den Verhandlungen unter "Kommt nicht wieder"-Rufen abfuhr. Was die Gegendemonstranten nicht ahnten: Er drehte eine Runde, um über einen anderen Weg auf den Bahnhofsvorplatz zu fahren. Hier hielt die "Demo für alle" dann die eigentliche Kundgebung ab, leicht versteckt am Rand der Domtreppe – und kämpferisch-verbissen: Nun wurden die Schilder rausgekramt und demonstrativ in die Luft gehalten: "Kein Gender in Hessens Schulen", "Ehe bleibt Ehe", "Gender verschwendet Steuergelder" oder "Vater, Mutter, Kinder – Familie voran!" Große Fahnen mit dem "Familien"-Logo der Bewegung wurden geschwenkt. Und per Lautsprecher wurden provozierende Reden gehalten – auch wenn sie kaum jemand hören konnte.


Erneut hatte die "Demo für alle" nur wenig Menschen mobilisieren können

So zeigte die kleine Masse dann doch ihren sturen Hass, ihren Willen zum ausgrenzenden Widerstand gegen Vernunft und Menschenrechte. Dennoch bleibt die Frage, was Beverfoerde, die in Stuttgart, Hannover oder Wiesbaden in den letzten Jahren durchaus tausende Menschen mobilisieren konnte, mit dieser komischen Mini-Demo-Reise bezwecken will. Aber vielleicht hatte die Ehe-Öffnung im Bundestag auch einfach nur internationale Fördergelder locker gemacht.

Der "Bus der Meinungsfreiheit" hatte zuvor bereits in München, Stuttgart, Karlsruhe und Wiesbaden Halt gemacht – auch bei diesen Stationen waren mehr Gegendemonstranten und Polizisten gekommen als Teilnehmer und Interessierte.

Fünf weitere Termine stehen in den nächsten Tagen an, zu allen sind Gegenkundgebungen angekündigt:

Mo, 11.9. Düsseldorf, Johannes-Rau-Platz (Gegenprotest)

Di, 12.9. Hannover, Trammplatz (Gegenprotest)

Mi, 13.9. Kiel, Rathausplatz (Gegenprotest)

Do, 14.9. Dresden, Neumarkt (Gegenprotest)

Fr, 15.9. Berlin, vor dem Kanzleramt (Gegenprotest)

-w-

#1 PatroklosEhemaliges Profil
  • 10.09.2017, 22:10h
  • Die Bewegung der Ewiggestrigen muß endlich mal kapieren, daß sie überall unerwünscht sind und für die Mitarbeiter des Bundeskanzleramtes in Berlin noch den Hinweis: die Liste mit den Unterzeichnern gleich ab in den Reißwolf und mit dem Altpapier entsorgen!
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#2 Hass Bus stoppenAnonym
#3 panzernashorn
  • 11.09.2017, 02:07h
  • Die Fratze der Beverfoerde spricht Bände!

    ;-)
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